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Drahthosen für junge Eiben

Die tausendjährige Eibe ist das Wahrzeichen von Schlottwitz. Aber ihr Nachwuchs benötigt dringend Schutz vor Rehen.

Von Franz Herz

Gerade noch rechtzeitig vor dem Winter haben sich in Schlottwitz rund 20 Helfer getroffen, um die jungen Eiben am Müglitztalhang für die kalte Jahreszeit vorzubereiten. Dabei waren Forstleute aus dem Forstbezirk Neustadt, Lehrlinge, Helfer, die gerade ihr ökologisches Jahr absolvieren, Mitglieder der Waldwacht, des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz und des Heimatvereins Schlottwitz. Darüber informierte Kai Noritzsch. Er ist Naturschutzsachverständiger beim Sachsenforst und hat die Aktion geleitet.

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Die Eiben benötigen Unterstützung. Die Baumart ist zwar bekannt als giftige Pflanze. Sie ist aber dennoch gefährdet. Denn Rehe sind gegen Taxin, das Eibengift, unempfindlich. Ihnen macht es nichts aus. Daher kommt es immer wieder vor, dass die Tiere in einem harten Winter, wenn sie sonst nicht mehr viel zu fressen finden, an die Eiben rangehen. Weil Eiben so selten sind, bevorzugen die Rehe sie sogar als ausgesprochenen Leckerbissen. Alten, groß gewachsenen Bäumen macht das kein Problem. Aber für Jungpflanzen kann es gefährlich werden.

Und am Müglitzhang in Schlottwitz steht nicht nur die berühmte Tausendjährige, sondern es gibt auch viele junge Eiben. Diese brauchen noch Schutz. Insgesamt haben die Helfer beim Naturschutzeinsatz 150 Jungpflanzen mit sogenannten Drahthosen versehen, jedes Bäumchen einzeln. Dadurch sind diese gegen den Verbiss der Jungtriebe durch die Rehe geschützt.

Solche Aktionen haben schon früher stattgefunden. Bereits in den 1990er-Jahren haben Waldschützer rund 300 Drahtgestelle im Naturschutzgebiet Schlottwitz um die einzelnen Eiben angebracht. Diese Jungbäume sind inzwischen so groß geworden, dass ein Schutz heute schon nicht mehr notwendig ist. Die Teilnehmer an den Eibenschutz-Aktionen haben in den letzten Jahren den Bestand gezählt, geprüft, wie es den Bäumen geht und die Schutzvorrichtungen umgesetzt. Da in der Zwischenzeit wieder neue Eibensämlinge nachgewachsen sind, kamen beim Arbeitseinsatz vergangene Woche 150 neue Drahthosen in den Wald. Um die Entwicklung der Jungeiben zu dokumentieren, wurden die Pflanzen vermessen und nummeriert.

So bleibt gesichert, dass auch in künftigen Jahrhunderten die Einwohner von Schlottwitz stolz sein können auf ihre Eiben, weil immer wieder neue Bäume nachwachsen. Der trockene Hang östlich der Müglitz behält so seine Besonderheit mit dem großen Eibenvorkommen. Wie alt die „tausendjährige Eibe“ bei Schlottwitz ist, weiß übrigens niemand genau. Der verdrehte Stamm kann dafür nicht untersucht werden. Aber immerhin hat er einen Umfang von stattlichen 3,50 Metern. Das ist für eine Eibe sehr selten.