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Drahtseilakt nach dem Meistertitel

Die Görlitzer Koweg-Handballerinnen gehen mit einem Minikader in die Saison. Ist trotzdem ein Podestplatz drin?

Maren Kühn (rechts) geht mit ihren 20 Jahren bereits in ihre fünfte Saison bei den Koweg-Frauen. Im ersten Spiel in Niederndodeleben gelangen ihr gleich sieben Treffer, viele aus dem Tempogegenstoß.
Maren Kühn (rechts) geht mit ihren 20 Jahren bereits in ihre fünfte Saison bei den Koweg-Frauen. Im ersten Spiel in Niederndodeleben gelangen ihr gleich sieben Treffer, viele aus dem Tempogegenstoß. © H.-E. Friedrich

Was auf die Sachsenliga-Handballer von Koweg Görlitz zutrifft, gilt auch auf die Viertliga-Handballerinnen des Vereins: Die Mannschaft befindet sich in schwierigem Fahrwasser, diese Saison könnte schon allein wegen des schmalen Spielerkaders ein Drahtseilakt werden. Auf der anderen Seite stehen im Kader Spielerinnen, die das Zeug zur Ligaspitze haben.

Das haben die Görlitzerinnen schließlich in der vergangenen Saison bewiesen, als sie umjubelte Meisterinnen der Mitteldeutschen Oberliga wurden. Allerdings waren die Feiern nicht ungetrübt – aus zwei Gründen: Der Verein hatte schon vor dem Saisonfinale – wie bei den Männern auch – den Aufstiegsverzicht bekannt gegeben. Die offizielle Begründung für diese Entscheidung wurde nachgereicht: fehlender Unterbau mit A-Juniorenteams und Talenten in den zweiten Mannschaften, deutlich erhöhte Kosten in den höheren Ligen (Fahrten, Schiedsrichter) und die Notwendigkeit, für die höheren Spielklassen die Kader auch personell zu verstärken und damit mehr Geld auszugeben. Es gelang nicht, entsprechende Zusagen von Sponsoren zu erhalten, sogar die bei Männern und Frauen so erfolgreiche vergangene Saison wurde mit einem Fehlbetrag abgeschlossen.

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Der zweite Grund: Bei der Meisterfeier fehlte der Mann, der entscheidenden Anteil am Aufschwung des Görlitzer Frauenhandballs hat. Jörg Adam hatte die Mannschaft im Sommer 2010 nach einem Fast-abstieg aus der Sachsenliga (vorletzter Platz) übernommen und Schritt für Schritt nach oben geführt. Sein Rezept: konsequent auf den eigenen Nachwuchs setzen, die jungen Spielerinnen weiterentwickeln und ihnen Einsatzzeiten geben, ihnen erfahrene Spielerinnen (auch aus Osteuropa) zur Seite stellen. Das Konzept ging auf: Einem Mittelfeldplatz in der ersten Saison folgten der Sachsentitel und Oberligaaufstieg 2012. Die Mannschaft etablierte sich in der vierten Liga, geriet nie in Abstiegsnöte und spielte eigentlich immer im vorderen Mittelfeld mit. In der vergangenen Saison war die Mannschaft dann ganz oben angekommen. Unter Jörg Adam gewann sie die ersten elf Spiele, führte die Tabelle im Februar klar an. Hinter den Kulissen aber tobte ein Streit um die Fortsetzung der Trainerarbeit für die kommende Saison. Der Verein hatte letztlich entschieden, dass Michael Schuller das Amt übernimmt, Jörg Adam die Saison als Trainer zu Ende führt. Der Streit eskalierte, am Ende beendete der Verein Anfang Februar die Zusammenarbeit mit Adam mit sofortiger Wirkung. Michael Schuller übernahm früher als geplant. Die Mannschaft wankte, aber sie fiel nicht, und rettete sich am Ende trotz großer Personalsorgen mit einem Punkt Vorsprung ins Ziel.

Das alles hat auch Auswirkungen auf die neue Saison, zumal vier wichtige Spielerinnen verabschiedet wurden. Die überragende Torhüterin Romy Klaus hat sich zurückgezogen, die zuletzt oft verletzte Jelena Bader und die Spielmacherin Lydia Wrzal wurden verabschiedet und auch das Kreisläufertalent Victoria Grätz hört wegen ihres beginnenden Studiums (mindestens vorerst) auf. Dem Verein ist es im Sommer nicht gelungen, die Lücken vollständig zu schließen, geschweige denn, die schon in der vergangenen Saison eigentlich zu dünne Personaldecke zu vergrößern. Auf der Torwartposition kehrt Anne Naumann nach ihrer Babypause zurück, Ex-Publikumsliebling Anne Neumann spielt nach ihrem beendeten Studium wieder für Görlitz und mit Sophia Rösler fand eine Spielerin des Oberliga-Absteigers Hoyerswerda den Weg nach Görlitz, auch wenn es da nach Auskunft von Trainer Michael Schuller noch einige Irritationen bezüglich ihres neuen Vertrages gab.

Andere Verpflichtungen sind jedoch gescheitert. Schuller, der selbst vor einiger Zeit die Hoyerswerdaer Frauen trainiert hatte, wollte die torgefährliche Laura Rosemann und Nadja Irmisch nach Görlitz locken. Eine Dresdnerin war zum Probetraining da und überzeugte. Und Jelena Bader, die viele Verbindungen nach Polen hat, sollte als Co-Trainerin gewonnen werden. Aus verschiedenen Gründen kam es aber nicht dazu. Und so gehen die Görlitzerinnen mit neun Feldspielerinnen und zwei Torhüterinnen in die Saison – viel zu wenig. Lücken, die zum Beispiel durch Verletzungen entstehen könnten, können nicht geschlossen werden. Die Mannschaft käme schnell an den Punkt, fast ohne Wechselspielerin antreten zu müssen. Konditionelle Nachteile in der Schlussphase jeder Partie, fehlende Alternativen, wenn eine Spielerin mal nicht die richtigen Lösungen findet, womöglich dauerhafte Unterzahl nach einem Spielausschluss (nach der dritten Zwei-Minuten-Strafe) wären mögliche Folgen, abgesehen davon, dass auch das Training mit einem so kleinen Kader zum Problem wird. Trainer Michael Schuller hofft jetzt, dass die Verpflichtung einer polnischen Rückraumspielerin aus Poznan gelingt. In Notfällen hat sich die bewährte Anna Fursewicz bereiterklärt, auszuhelfen, Victoria Grätz zumindest vor dem Studienbeginn.

Aber es wird eine schwierige Saison. Ein wenig wurden die Probleme schon im ersten Spiel am vergangenen Sonntag in Niederndodeleben deutlich, auch wenn das 26:28 beim Vorjahresdritten kein Beinbruch und die spielerische Leistung toll war. Aber es wäre mit einer besser besetzten Bank mehr drin gewesen, zumal zwei Spielerinnen (Leonie Rösel und Kinga Lalewicz) fehlten. Die Vorbereitung lief aus Sicht von Trainer Michael Schuller angesichts der Umstände gut: „Wir haben vier Wochen lang an der frischen Luft viel für die Kondition gemacht, und auch die Ergebnisse bei Vorbereitungsturnieren waren gut.“ Koweg gewann ein Turnier mit Sachsenligisten in Bischofswerda, Wurde Zweiter in Bad Doberan und fuhr auch bei einem Turnier ausschließlich mit Drittligisten in Chemnitz einen Sieg ein. All das macht Mut: „Ich bin davon überzeugt, dass die jetzige Mannschaft das Potenzial für Platz drei bis sechs hat“, sagt Michael Schuller.

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Einige Wünsche für die neue Saison will er aber nicht unerwähnt lassen. Schuller hofft, dass nach einem turbulenten Sommer (in dem er selbst nach eigenen Angaben auch schon wieder vor der Entlassung stand) endlich Ruhe einkehrt und er das Vertrauen vom Verein erhält, das notwendig ist, um sich auf Handball zu konzentrieren. Außerdem sucht die Mannschaft dringend nach einem/r Physiotherapeute(i)n, nachdem der bisherige aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung steht. Und schließlich setzt Schuller gerade wegen der schwierigen Ausgangslage auf die Unterstützung der Fans. Sie wird mehr gebraucht denn je. Zum ersten Mal am Sonntag (17 Uhr) gegen den HC Burgenland.

Das ist der Koweg-Kader

Nr. 1 Dr. Anne Naumann (31), Tor, Ing. Bioverfahrenstechnik
Nr. 1 Dr. Anne Naumann (31), Tor, Ing. Bioverfahrenstechnik © Gert Richter
Nr. 6 Anne Neumann (23), RM, Studentin Lehramt
Nr. 6 Anne Neumann (23), RM, Studentin Lehramt © Gert Richter
Nr. 14 Wiktoria Blaszczyk (19), Azubi Einzelhandelskauffrau
Nr. 14 Wiktoria Blaszczyk (19), Azubi Einzelhandelskauffrau © Gert Richter
Nr. 19 Kinga Lalewicz (28), RR/RA, Physiotherapeutin
Nr. 19 Kinga Lalewicz (28), RR/RA, Physiotherapeutin © Gert Richter
Nr. 27 Dagmara Zychniewicz (23), RM, Studentin
Nr. 27 Dagmara Zychniewicz (23), RM, Studentin © Gert Richter
Nr. 97 Johanna Girbig (21) LA/RA, Verwaltungsfachang.
Nr. 97 Johanna Girbig (21) LA/RA, Verwaltungsfachang. © Gert Richter
Nr. 38 Janine Haasler (24), Tore, Studentin
Nr. 38 Janine Haasler (24), Tore, Studentin © Gert Richter
Nr. 9 Sophia Rösler (30), KM, Physiotherapeuthin
Nr. 9 Sophia Rösler (30), KM, Physiotherapeuthin © Gert Richter
Nr. 17 Klara
Klegrova RL/RM/RR (21), Studentin
Nr. 17 Klara Klegrova RL/RM/RR (21), Studentin © Gert Richter
Nr. 23 Leonie Rösel (20), LA/RM, Studentin Lehramt
Nr. 23 Leonie Rösel (20), LA/RM, Studentin Lehramt © Gert Richter
Nr. 89 Maren Kühn (20), LA/RL/KM, Azubi Heilerziehungspflege
Nr. 89 Maren Kühn (20), LA/RL/KM, Azubi Heilerziehungspflege © Gert Richter

Das ist das Team um das Team

Thomas Kirchhoff (36), Co-Trainer,
Polizist
Thomas Kirchhoff (36), Co-Trainer, Polizist © Gert Richter
Michael Schuller (53), Trainer,
Polizist
Michael Schuller (53), Trainer, Polizist © Gert Richter
Klaus-Dieter Grätz (52), Betreuer,
Meister
Klaus-Dieter Grätz (52), Betreuer, Meister © Gert Richter

Was man sonst noch wissen muss

Spielplan-Hinrunde

So., 8. 9., 15.00 Niederndodeleben – Koweg Görlitz 28:26

So., 15. 9., 17.00 Koweg Görlitz – HC Burgenland

So., 22. 9., 17.00 Koweg Görlitz – Aufbau Altenburg

So., 29. 9., 16.00 SG Apolda – Koweg Görlitz

So., 27.10., 17.00 Koweg Görlitz – HSG Rückmarsdorf

So., 3.11., 16.00 HC Rödertal II – Koweg Görlitz

So., 10.11., 17.00 Koweg Görlitz – HSG Riesa/Oschatz

Sa., 16.11., 16.00 Dessau-Rosslauer HV – Koweg Görlitz

So., 1.12., 15.30 Koweg Görlitz – BSG A. Gräfenhainichen

Spielplan-Rückrunde

So., 19. 1., 15.30 Koweg Görlitz – TSV Niederndodeleben

So., 26. 1., 16.00 HC Burgenland – Koweg Görlitz

Sa., 1. 2., 16.00 Aufbau Altenburg – Koweg Görlitz

So., 1. 3., 15.30 Koweg Görlitz – SG Apolda

Sa., 7. 3., 17.00 HSG Rückmarsdorf – Koweg Görlitz

So., 22. 3., 17.00 Koweg Görlitz – HC Rödertal II

So., 29. 3., 15.00 HSG Riesa/Oschatz – Koweg Görlitz

So., 26. 4., 17.00 Koweg Görlitz – Dessau-Rosslauer HV

So., 3. 5., 17.00 BSG A. Gräfenhainichen – Koweg Görlitz

Kaderveränderungen

Neuzugänge: Anne Neumann, Sophia Rösler (SC Hoyerswerda), Thomas Kirchhoff (Co-Trainer)

Abgänge: Jörg Adam (Trainer), Jürgen Bräuniger (Co-Trainer), Romy Klaus, Jelena Bader, Lydia Wrzal, Victoria Grätz

Tabelle 2018/19

1. Koweg Görlitz 18 15 0 3 499:396 30:6

2. Union Halle-Neu. II* 18 14 1 3 502:414 29:7

3. TSV Niederndodeleben 18 12 1 5 499:465 25:11

4. Dessau-Rosslauer HV 18 9 1 8 442:433 19:17

5. HC Burgenland 18 9 0 9 458:463 18:18

6. HSG Riesa/Oschatz 18 8 1 9 518:527 17:19

7. BSV 93 Magdeburg** 18 8 0 10 503:500 16:20

8. HSG Rückmarsdorf 18 4 2 12 455:507 10:26

9. HSV Apolda 1990 18 3 2 13 395:480 8:28

10. SC Hoyerswerda 18 3 2 13 421:507 8:28

* Da Koweg Görlitz auf den Aufstieg in die 3. Liga verzichtet hat, konnte die Erstliga-Reserve des SV Union Halle-Neustadt das Aufstiegsrecht wahrnehmen und tat das auch.

** Der BSV 93 Magdeburg hat seine Mannschaft nach der Saison aus der Mitteldeutschen Oberliga zurückgezogen. Den freien Startplatz nimmt die SG Apolda/Großschwabhausen (mit dem Startrecht des eigentlich abgestiegenen HSV Apolda 1990) ein.

Modus

Der Sieger der Mitteldeutschen Oberliga (MDOL) steigt in die 3. Liga auf. Verzichtet der Tabellenerste, geht das Aufstiegsrecht an den Zweitplatzierten. Die Mannschaften ab dem achten Tabellenplatz steigen in den jeweiligen Landesverband ab. Steigen mehr Mannschaften aus der 3. Liga in die MDOL ab als von ihr auf, wird die Anzahl der Aufsteiger aus den drei Landesverbänden reduziert. Wird die Staffelstärke nach Anwendung der Auf- und Abstiegsregeln nicht erreicht, werden die freien Plätze den Mannschaften, die auf den Abstiegsplätzen stehen (Reihenfolge der Platzierungen), angeboten.

Spielerpositionen (siehe Spielerporträts): RA=Rechtsaußen, LA= Linksaußen, KM=Kreis Mitte, RR=Rückraum, RM=Rückraum Mitte, RL=Rückraum links

Spielstätte/Eintritt

Spielstätte: Jahnsporthalle Görlitz (Kummerau 6)

Eintritt: Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Dauerkarten über Geschäftsstelle 03581 412077

Internet: www.sv-koweg.de

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www.sächsische.de/goerlitz

www.sächsische.de/niesky

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