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Dreckbrühe im Kohlgrundbach

Lange wurde über die Ursache gerätselt, dann Abhilfe versprochen. Getan hat sich nichts. Nun macht Altenberg Druck.

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© Egbert Kamprath

Von Mandy Schaks

Altenberg. Manche hofften sogar, das Problem im Bielatal könnte sich im Frühjahr von allein erledigen. Der verschmutzte Kohlgrundbach reinigt sich sozusagen über den Winter biologisch von selbst und plätschert dann wieder glasklar in die Biela und weiter in die Müglitz. Doch es ist Mai, und den Hirschsprungern kommt das Wasser dreckiger denn je vor.

„Der Schaum, der aus dem Rohr an der Altenberger Bobbahn kommt, ist eher mehr als weniger geworden“, beobachtet Hellmut Neubert mit Sorge. Er wohnt zwar von der Stelle ein ganzes Stück weit entfernt. Aber das kann ihn schon längst nicht mehr beruhigen. Denn es bildet sich nicht nur Schaum im Kohlgrundbach, wo er im Tal unterhalb der Bobbahn entspringt. Es kommt auch zu auffälligen Ablagerungen im Bachbett und an den Uferbefestigungen. Und diese treten inzwischen auch weiter talwärts auf. „Das Zeug kommt immer weiter runter“, sagt Neubert und meint damit zum Beispiel die glitschigen Steine im Wasser, deren Oberfläche mit einer bräunlich-grauen Schleimschicht überzogen ist.

Neubert will sich diese Umweltverschmutzungen nicht länger gefallen lassen und ist diese Woche persönlich ins Landratsamt gegangen. Er war es auch, der den Fall in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und sich bereits im Herbst an die Sächsische Zeitung gewandt hatte. Denn der Kohlgrundbach schäumte bereits seit Jahren immer mal wieder. Das Phänomen gab allen ein Rätsel auf.

Die Stadtverwaltung Altenberg und der städtische Abwasserbetrieb hatten schon in der Vergangenheit versucht, der Ursache auf die Spur zu kommen. Auch dem Landratsamt waren zu diesem Zeitpunkt schon die Probleme bekannt. Doch verschiedene Untersuchungen, die über einen größeren Zeitraum erfolgten, lieferten keine schlüssige Erklärung. Genauso rätselte der Betreiber der Bobbahn, die dem Landkreis gehört. Es wurden Rohre kontrolliert. Doch eine undichte Stelle war nicht auszumachen. Dann schien Bewegung in den Fall zu kommen.

Anzeige wegen Umweltverschmutzung droht

Nach einer Vor-Ort-Besichtigung Anfang dieses Jahres stand nach Auskunft des Umweltamtes bei der Kreisverwaltung fest, dass für die Gewässerverunreinigung eine falsche Anbindung in einem Abwassersystem der Bobbahn verantwortlich sei. Damals hieß es: „Unbehandeltes Abwasser wurde wahrscheinlich versehentlich nicht an den vor dem Grundstück liegenden Abwasserkanal und damit an die Kläranlage in Hirschsprung, sondern an den Regenwasserkanal angebunden.“ Diese leite in der Regel nur unbelastetes Niederschlagswasser ab und mündet deshalb direkt in den Kohlgrundbach. Um den Fehler zu beheben, sollten nach dem Winter Kanalarbeiten erfolgen.

Doch nun ist gleich der Mai vorbei, und der Kohlgrundbach schäumt immer noch. Und jetzt fängt auch der Altenberger Stadtrat an zu schäumen. Theodor Schulze (Freie Wähler) verwies in der jüngsten Ratssitzung auf das leidige Problem. Vor zwei Jahren sei hier das Thema zum ersten Mal angesprochen worden. Inzwischen vergehe keine Woche mehr, ohne dass Bürger ihm, der selbst in Hirschsprung wohnt, neue Verschmutzungen melden. Die Ablagerungen seien inzwischen massiv und hätten sich verstärkt, schätzt auch Schulze ein. Das sehe nicht nur nicht sauber aus, sondern scheine auch für die Ökologie nicht gut zu sein.

Die Stadtverwaltung will das nun nicht länger hinnehmen und hat dem Landratsamt eine Frist von einem Monat gesetzt, um den Fall zu klären. Wenn die Zeit wieder ungeschehen verstreichen sollte, erwägt Altenberg, Strafanzeige wegen Umweltverschmutzung zu stellen.

Auch Hellmut Neubert will nicht lockerlassen – der Umwelt zuliebe. Im Bielatal befindet sich ein sogenanntes FFH-Gebiet, das Flora, Fauna und Habitate besonders schützt. „Und dort kann das schmutzige Wasser durchlaufen“, sagt Neubert. „Das verstehe ich nicht, ich komme damit noch hin, aber ich denke an meine Enkel.“