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Dreckwasser spült Geld in die Kasse

Der Abwasserbetrieb hat ein Plus erwirtschaftet. Das kommt den Bannewitzern zugute. Grund zur Freude haben aber nicht alle.

Von Verena Weiß

Erst die gute Nachricht: Wer in Bannewitz wohnt und Abwasser über eine dezentrale Anlage entsorgt, kann ab nächstem Jahr Kosten sparen. Grund ist die neue Gebührenkalkulation der Gemeinde, die alle fünf Jahre durchgeführt wird und nun bis 2018 gilt. Statt wie bisher 22,13 Euro kostet ein Kubikmeter Schmutzwasser aus abflusslosen Gruben in Zukunft nur noch 16,44 Euro. Für die dezentrale Entsorgung aus Kleinkläranlagen sind statt 27,13 Euro noch 26,70 Euro pro Kubikmeter Abwasser fällig. Inklusive der jüngsten Anschlüsse in Rundteil betreffe das aber nur etwa 100 Anlagen, erklärt Christian Herrmann, Chef des Bannewitzer Abwasserbetriebes.

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Wer hingegen an das zentrale Abwassernetz angeschlossen ist, muss ab 2014 etwas tiefer in die Tasche greifen – damit wären wir schon bei der schlechten Nachricht. Allerdings ist die Preiserhöhung, die bis einschließlich 2018 gilt, durchaus moderat und Bannewitz bleibt im Vergleich zu anderen Kommunen immer noch günstig.

Statt der bisher 2,02 Euro kostet die zentrale Entsorgung von Schmutzwasser künftig 2,06 Euro pro Kubikmeter. Für einen Haushalt mit vier Personen wären das etwa 4,80 Euro mehr im Jahr, erklärt der Betriebschef. Dafür bleibe die Grundgebühr von 2,50 Euro im Monat je Wohnung unverändert. Etwas teurer werden auch die Gebühren für die Entsorgung von Niederschlagswasser. Demnach kostet ein Quadratmeter nicht mehr 0,57 Euro, sondern 0,62 Euro. Für ein Eigenheim mit 150 Quadratmetern versiegelter Fläche bedeute dies etwa 7,50 Euro mehr im Jahr. Das Gute daran: Es hätte mehr sein können. Denn der Bannewitzer Abwasserbetrieb hat gut gewirtschaftet und kann in allen Bereichen Kostenüberdeckungen verzeichnen.

Grund dafür sind Einsparungen aus dem jüngsten Abrechnungszeitraum. Diese legt der Abwasserbetrieb auch auf die Gebührenzahler um. So hat das Unternehmen in der dezentralen Entsorgung insgesamt knapp 7 000 Euro zu viel erwirtschaftet. Einnahmen, die nun den Betroffenen zugute kommen. Was verwundert: Gespart hat der Betrieb auch bei der zentralen Schmutzwasserentsorgung, nämlich knapp 155 000 Euro. Und ebenso bei der Entsorgung von Niederschlagswasser: Hier sind es sogar 240 000 Euro mehr. Dennoch muss der Betrieb ab 2014 die Gebühren hierfür erhöhen. Woran liegt das?

Betriebsleiter Christian Herrmann erklärt: „Grundlage der Kalkulation ist nicht nur die Entsorgung“, sagt er, „auch betriebliche Aufwendungen gehören dazu.“ So beispielsweise Kosten für Personal und Materialaufwand, aber auch steigende Energiepreise. „Hätten wir den erwirtschafteten Gewinn nicht eingerechnet, wären die Gebühren an dieser Stelle noch höher ausgefallen“, erklärt Herrmann. So sei der Preissprung nur minimal.

Gleiches gelte für die Entsorgung des Niederschlagswassers. Hier werden auch anstehende Investitionen in die Kalkulation einbezogen. So soll nächstes Jahr endlich die alte Kanalisation auf der Winckelmannstraße in Bannewitz erneuert werden und der zweite Bauabschnitt auf der Gartenstraße erfolgen. Ein großes Vorhaben ist auch in Golberode vorgesehen. Dort will der Landkreis die Ortsdurchfahrt erneuern und die Gemeinde im gleichen Zug einen Fußweg bauen und für die Entwässerung sorgen. Von den Gemeindevertretern wurde die neue Gebührenkalkulation einstimmig begrüßt. „Eine leichte Preiserhöhung ist immer einfacher zu verkraften als mit einem Mal eine Kostenexplosion“, sagt Gunar Griepentrog (FWB). Dies bringe nur Ärger mit sich.

Weniger erfreut dürften die rund 50 Bannewitzer sein, deren Kleinkläranlagen einen Überlaufkanal besitzen und somit das Abwasser teilweise ins öffentliche Netz abführen. Dafür wird ab 2014 eine Gebühr von 1,02 Euro für jeden überlaufenden Kubikmeter fällig. Bisher hat der Betrieb dafür keine Gebühr erhoben. Da die Kosten zuletzt gestiegen seien und nicht zulasten aller Gebührenzahler gehen sollen, müsse die Leistung nun von den betreffenden Personen bezahlt werden.

Ähnlich verhält es sich bei Hauseigentümern, die nachträglich einen Schmutzwasserkanal verlängern wollen. Auch sie müssen dafür in Zukunft mehr bezahlen. Für eine Anschlusslänge bis fünf Meter zahlen sie laut Herrmann statt wie bisher 1 790 Euro künftig 2 600 Euro. Für jeden weiteren laufenden Meter werden statt 180 Euro dann 500 Euro fällig. Kosten, die sonst die Gemeinde tragen oder auf alle Gebührenzahler umlegen müsste.