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Drehorgel-Rolf sucht in Riesa nach alten Trabis

Der Tausendsassa will mit der Rennpappe zu den Olympischen Spielen nach Peking fahren. Morgen ist er in Riesaund wirbt für seine Tour.

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Von Jörg Richter

Rolf Becker, alias Drehorgel-Rolf, ist ein Unikat. Unter den Trabi-Fans ist er wohl derjenige mit den ausgefallensten Ideen. Mit der Pappe war er schon in Amerika, bereiste Äthiopien und kam bei der härtesten Rallye der Welt Paris-Dakar sogar ins Ziel.

Auch sein neuester Einfall klingt verrückt: Er will im Sommer mit dem DDR-Kultauto zu den Olympischen Spielen nach China fahren. Sein Problem: Er besitzt noch keinen Trabi dafür. Diesen hofft er, morgen in Riesa zu finden, wenn er ab 9 Uhr im Autohaus Neustadt das Honda-Frühstück moderiert.

„Vielleicht gibt es hier ja jemanden, der noch einen Trabi besitzt und ihn loswerden will“, sagt Drehorgel-Rolf. Für einen gut erhaltenen würde er auch ein paar Euros springen lassen. Doch eigentlich hofft er auf ein kostenloses Exemplar, denn seine lange Reise wird nicht ganz billig. Von Riesa bis Peking sind es immerhin 7450 Kilometer. Auf dieser Strecke würde allein für Kraftstoff viel Geld draufgehen, so Drehorgel-Rolf.

Ein Auto bleibt in der Mongolei

Für seine Tour ins Land des Lächelns benötigt er allerdings zwei Trabis. „Einen von beiden muss ich in der Mongolei lassen“, sagt er. Das sei der Wegzoll für einen Kontaktmann. Ganz ohne Bestechung würde es nicht gehen. Dieses Praxis vermutet man eigentlich eher in den Weiten Sibiriens. Doch dort hätte er weniger Probleme. „In Russland kennt man mich sehr gut“, sagt Drehorgel-Rolf und fügt wenig bescheiden hinzu: „Mindestens 800000 reiche Russen wissen, wer ich bin.“ So hoch sei die Auflage eines sehr beliebten Journals, das umgerechnet acht Euro kosten würde und sich deshalb nur wenige Russen leisten könnten. Vier Seiten hätten die Zeitungsmacher ihm in einer Ausgabe gewidmet.

Für seine Reise nach China plant er zwei Wochen reine Fahrzeit ein. „Da muss man knüppeln! Das heißt: früh einsteigen und bis spät abends durchfahren“, so der studierte Verkehrstechnik-Ingenieur. Er rechnet damit, dass er einen Monat unterwegs ist. Zahlreiche Events und Interviews würden ihn und seine Crew erfahrungsgemäß aufhalten. Mit mindestens zwei Mitstreitern will Drehorgel-Rolf das Abenteurer angehen.

Nach Riesa kommt er aber auch aus einem anderen Grund. Hier trifft er seinen langjährigen Freund Wilhelm Neustadt, den Besitzer des gleichnamigen Autohauses, wieder. „Ich habe Rolf bei einem Volksfest kennen gelernt“, erinnert sich Neustadt. Beim Biertrinken, um genau zu sein. Drehorgel-Rolf könne die Leute super unterhalten, deshalb habe er ihn auch gebeten, zum Honda-Frühstück zu kommen.

Das habe Tradition und wird einmal im Jahr, immer im Januar, auf die Beine gestellt. Normalerweise würde dabei auch das neueste Modell dieser Automarke präsentiert. Doch in diesem Jahr kommt es erst im Sommer auf den Markt.

Da Neustadt seinen Gästen trotzdem einen Höhepunkt bieten wollte, habe er Drehorgel-Rolf gefragt, ob er nicht an diesem Sonnabend in Riesa vorbeischauen könnte. „Eigentlich ist er zu dieser Zeit auf der Grünen Woche in Berlin tätig“, sagt Neustadt. „Aber er kommt extra wegen mir runter nach Sachsen. Das geht nur, wenn man sehr gut befreundet ist.“