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Drehstart von „Fabian“ in Görlitz

Lange Drehtage liegen vor dem Filmteam, das drei Wochen in Görlitz bleibt. Produzent Felix von Boehm ist in manche Ecke der Stadt richtig verliebt.

Regisseur Dominik Graf (3. von links) und die Schauspieler Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Meret Becker, Eva Medusa Gühne und Albrecht Schuch. Viele von ihnen kennen Görlitz schon.
Regisseur Dominik Graf (3. von links) und die Schauspieler Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Meret Becker, Eva Medusa Gühne und Albrecht Schuch. Viele von ihnen kennen Görlitz schon. © Lupa Film

Fabians Zimmer ist ganz schön düster. Dicke Vorhänge sorgen dafür, die dunklen Bodendielen, der Teppich. Und die dunklen Farben an den Wänden, Türkis und Braun. Der Blick fällt zuerst auf den Schreibtisch mit der Reiseschreibmaschine. An der Wand hängen ein paar Postkarten – und die Hausordnung, ordentlich gerahmt. Fabians Bücher stehen in einem kleinen Regal, daneben ein Schrank mit Koffer obenauf.

Ein schmales Bett mit weißer Leinenwäsche an der gegenüberliegenden Wand. Direkt neben der Tür findet sich ein Waschtisch mit Emaille-Schüsseln. Zu dessen Füßen steht ein Paar schwarzer Schnürschuhe mit Spannern drin. Ob Tom Schilling die schon getragen hat? „Ich glaube nicht“, sagt Felix von Boehm. Er ist Geschäftsführer von Lupa Film und Produzent von „Fabian“ nach dem Roman von Erich Kästner. Tom Schilling übernimmt die Titelrolle. Am Dienstag hat der Dreh begonnen, noch bis 23. August sind Schauspieler und Drehteam in Görlitz, dann geht es nach Berlin.

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In der Jakobstraße ist das Hauptquartier für das Filmteam. Am Eingang besagt ein A4-Zettel, dass es im ersten Obergeschoss zum Fitting geht, also zur Anprobe. Sieht man auch. Auf Regalen im ersten Stock liegen zig Paar Schuhe und noch mehr Damen- und Herrenhüte. Alles im Stil von 1930, in der Zeit spielt „Fabian“. In derselben Etage sind auch die Räume fürs Szenenbild, für Kostüm- und Maskenbild. Weiter oben im Gebäude hat Felix von Boehm sein Büro. Und ein paar Räume in dem Gebäude sind auch Drehort – das Zimmer von Fabian, nebenan liegt Cornelias Zimmer. Dass sie nicht lange seine Freundin bleiben wird, lässt sich schon am Bühnenbild erahnen: Auf dem Teppich mitten im Raum stehen zwei Koffer.

Fabians Zimmer wurde für den Film in einem Gebäude an der Jakobstraße eingerichtet. 
Fabians Zimmer wurde für den Film in einem Gebäude an der Jakobstraße eingerichtet.  © SZ/sdn

Etwa vier Wochen hat das Team gebraucht, um das sonst leer stehende Gebäude an der Jakobstraße als Hauptquartier und teils eben auch als Kulisse einzurichten, erzählt Felix von Boehm. Der Altbau, die hohen Decken, die Raumaufteilung – diese Zimmer machen sich perfekt als Wohnung im Berlin der Weimarer Republik, als Untervermietung gang und gäbe war, sagt er. Der Roman „Fabian“ von Erich Kästner zeigt ein Bild der Berliner Gesellschaft kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Hauptfigur Fabian arbeitet als Reklametexter, verliert aber in der Wirtschaftskrise seine Arbeit. Und seine Freundin Cornelia. Kästner zeigt nicht nur wirtschaftliche Probleme der Weimarer Republik, sondern auch moralischen Verfall – mit dem Fabian nicht zurechtkommt. „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“, lautet der volle Romantitel.

Die Autoren für das Filmdrehbuch sind Constantin Lieb und Dominik Graf, der auch Regie führt. Felix von Boehm freut sich, dass er Dominik Graf gewinnen konnte. „Er ist ein sehr erfahrener Regisseur mit einer exzellenten Schauspielerführung“, sagt von Boehm. „Er bringt immer auch einen sehr überraschenden und neuen Blick mit.“ Das sei beim „Fabian“ wichtig. Auch wenn es ein historischer Stoff ist, „wir wollen keinen betonschweren, deutschen Kostümfilm machen“. Im „Fabian“ soll sich auch eine Gegenwart, eine Aktualität zeigen.

Passend: An der Berliner Straße richten die Setdresser Daniela Grömke (li.) und Anja Heinicke als Kulisse ein Berliner Modegeschäft her. 
Passend: An der Berliner Straße richten die Setdresser Daniela Grömke (li.) und Anja Heinicke als Kulisse ein Berliner Modegeschäft her.  ©  André Schulze

Neben Tom Schilling stehen dafür unter anderem Saskia Rosendahl und Albrecht Schuch vor der Kamera. Sie alle haben schon Görlitz-Erfahrung. Und auch viele Görlitzer selbst werden in dem Film zu sehen sein. 310 Komparsen spielen mit, „es sind Leute aus ganz Sachsen, viele auch aus der Region“, erzählt von Boehm. „Wir haben die Komparsen sehr behutsam ausgewählt. Wir haben nach Gesichtern gesucht, die vielleicht mehr Ecken und Kanten haben als der Standard.“

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Und gemeinsam mit Szenenbildner Claus Jürgen Pfeiffer und Regisseur Dominik Graf hat er Görlitz als Drehort ausgewählt. Auch von Boehm kennt die Stadt bereits durch eine frühere Mitarbeit an einem hier gedrehten Film. „Wir haben uns mehrere Städte in Thüringen und Sachsen angesehen“, erzählt er. Die Straßensperrungen in den kommenden Tagen verraten: In Görlitz hat das Filmteam zahlreiche Motive gefunden. Am gestrigen Mittwoch wurde zum Beispiel am Stadtpark und an der Bergstraße gedreht. „Richtig verliebt haben wir uns in die Louis-Braille-Straße“, erzählt von Boehm. Für den Film wird sie zur Schaperstraße in Berlin, wo Fabian laut Erich Kästner wohnt. Die Wohnung selbst wiederum befindet sich für den Film an der Jakobstraße. Jeden Tag stehen bis zu drei Drehorte in Görlitz an. „40 bis 50 Motive haben wir hier“, erzählt von Boehm. Dass das alles klappt, sei auch der Stadtverwaltung zu verdanken, „die Leute im Rathaus sind unsere größten Komplizen“, besonders die Filmbeauftragte Kerstin Gosewisch und Frank Elmenthaler vom Straßenverkehrsamt. Und auch die Görlitzer Verkehrsbetriebe sind als Partner dabei: Die historische Straßenbahn soll wieder eine Rolle spielen.

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