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Drei Bewerber um Meißens erste Adresse

Eine erste Ausschreibung für den Ratskeller am Markt blieb erfolglos. Die zweite Runde soll nun die Lösung bringen.

© hübschmann

Von Christoph Scharf

Pferdehufe klappern über das Altstadtpflaster, auf dem Markt hört man niederländische Gespräche. Touristen kehren in die Cafés und Restaurants rings um den Platz ein. Nur am Rathaus selbst ist der Kasten für die Speisekarte leer: Der Ratskeller ist seit Monaten dicht. Die letzten Betreiber hatten nach zehn Jahren aufgegeben. Seitdem sucht die Stadt einen Nachfolger – bisher erfolglos. In einer ersten Ausschreibungsrunde gab es zwar drei Interessenten. Keiner von ihnen wollte aber die hohen Kosten schultern, die mit einer Neueröffnung des Restaurants verbunden wären.

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Noch gehen die Touristen am Meißner Ratskeller vorbei. Schon bald aber sollen sie dort wieder einkehren können. Drei Bewerber haben sich für den Betrieb der Gaststätte im Rathaus beworben. Doch bis zu einer Neueröffnung ist in dem Gewölbe noch viel zu tun
Noch gehen die Touristen am Meißner Ratskeller vorbei. Schon bald aber sollen sie dort wieder einkehren können. Drei Bewerber haben sich für den Betrieb der Gaststätte im Rathaus beworben. Doch bis zu einer Neueröffnung ist in dem Gewölbe noch viel zu tun © hübschmann

Bei einer Begehung zeigt Hauptamtsleiter Markus Banowski, wo das Problem liegt: Die Elektroanlage der mehr als 300 Quadratmeter großen Gaststätte ist bislang noch auf DDR-Standard. Teilweise fiel der Putz von den Wänden, als die letzten Betreiber die Vertäfelung abnahmen. Ganze Ziegelsteine sind locker. In den Sanitärräumen mussten die Fliesen herausgehackt werden. Die Heizungskörper wirken vorsintflutlich. In den Gastgewölben selbst sind nur noch die Wandlampen und Garderobehaken an Ausstattung vorhanden. – „Bevor der nächste Pächter einzieht, wollen wir den Ratskeller so renovieren, dass die nötigsten Dinge in Ordnung sind“, sagt der Hauptamtsleiter. 150 000 Euro plant die Verwaltung dafür ein – wenn der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung zustimmt. „Wir wollen mit dem Geld die Räume aber nicht besonders aufhübschen, sondern nur verpachtungsfähig machen“, sagt der 50-Jährige. So werde man beispielsweise nur Standard-Fliesen verbauen. Sollte der künftige Pächter Extra-Wünsche haben, könne er sie gern äußern – müsste zusätzliche Kosten aber selbst tragen.

Wer will nun aber den Ratskeller, der als eine der besten Adressen Meißens gilt, überhaupt betreiben? Laut Markus Banowski gab es in der neuen Ausschreibungsrunde, die kürzlich endete, wieder nur drei Bewerber. Zu den Namen möchte sich der Amtsleiter nicht äußern. Nach SZ-Informationen sind es aber dieselben, die schon beim ersten Mal dabei waren.

Üblicherweise würde die Verwaltung selbst die Entscheidung über einen Gaststätten-Pächter treffen. Angesichts der besonderen Bedeutung des Ratskellers für Meißen aber möchte OB Olaf Raschke (parteilos) den Stadtrat darüber abstimmen lassen. „Die Räte schauen sich die vorgelegten Konzepte an und entscheiden im Gesamtkontext. Wichtig ist dabei auch die Wirtschaftlichkeit – wir wollen ja nicht, dass jemand Luftschlösser baut“, sagt der Amtsleiter. Die Kriterien, die die städtische Ausschreibung verlangt, sind überschaubar: Gesucht wird ein Betreiber, „der sowohl mit Fachkunde und persönlichem Engagement als auch mit kreativen Impulsen überzeugen kann“. Das Konzept solle „dem Anspruch des Ortes gerecht“ werden. Auf der Speisekarte müsse vor allem regionale Küche stehen – Zaziki, Döner oder Sushi scheiden damit für den Ratskeller aus.

Linken-Stadtrat Ullrich Baudis hat klare Vorstellungen, wer künftig den Ratskeller betreiben könnte. „Am besten wäre es, wenn das Haus als Prestigeobjekt für einen regionalen Sekt-, Wein- oder Bierhersteller eingerichtet würde“, sagt der Gastronom, der selbst nur wenige Meter weiter ein Café führt. So ein Pächter hätte jedenfalls genug finanzielle Reserven, um auch die umsatzschwachen Monate am Markt durchzustehen. „Von Januar bis März ist es unmöglich, ein Objekt in dieser Größenordnung wirtschaftlich zu betreiben“, sagt der 58-Jährige. Der Ratskeller soll zwar verkleinert werden, indem die bisherigen Küchenräume im Obergeschoss zurück ans Rathaus gehen und künftig als Garderoben oder Toiletten genutzt werden. Dennoch bleiben 330 Quadratmeter mit 110 Innen- und 70 Außensitzplätzen übrig. Für einen Wein-Produzenten rechne sich das wegen der höheren Handelsspanne eher als für einen gewöhnlichen Gastronomen. Denn der Stadt schweben als monatliche Pacht mindestens 2 500 Euro vor – ohne Nebenkosten. Die Entscheidung soll der Stadtrat möglichst noch vor der Sommerpause treffen, damit der Ratskeller nach der Renovierung im nächsten Februar öffnen kann.