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Drei Ex-Brauereichefs im Herbst vor Gericht

Über einen Aufwind beim Absatz und schwarze Zahlen berichtete jetzt die „Böhmisch Brauhaus Großröhrsdorf GmbH“. Nach sauren Jahren sind das erfreuliche Nachrichten. Mitte des Jahrzehnts geriet die Brauerei...

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Von Reiner Hanke

Über einen Aufwind beim Absatz und schwarze Zahlen berichtete jetzt die „Böhmisch Brauhaus Großröhrsdorf GmbH“. Nach sauren Jahren sind das erfreuliche Nachrichten.

Mitte des Jahrzehnts geriet die Brauerei wiederholt in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die in der Insolvenz im Frühjahr 2008 gipfelten. Vor Gericht stehen nun im Herbst drei ehemalige Brauerei-Geschäftsführer aus dieser Zeit. Am Landgericht Görlitz soll geklärt werden, ob und welche strafrechtlichen Konsequenzen sie in diesem Zusammenhang zu tragen haben.

Ehemalige Chefs ohne Konzept

Zu den Angeklagten gehört Dora Majer aus Heidenheim. Sie war ab 2004 Besitzerin des Unternehmens. Damals firmierte es unter „Böhmisch Brauhaus GmbH seit 1887“ (siehe Kasten).

Ehemann Willi und Sohn Christof nahmen die Geschäfte in die Hand. Auch sie werden vor Gericht stehen. Damals wollten sie den Braubetrieb zügig auf 25000 Hektoliter Bier steigern. Stattdessen ging es zusehends bergab. Der Betriebsrat warf der damaligen Geschäftsführung 2006 in der SZ Misswirtschaft vor und Konzeptlosigkeit. In der Kritik standen auch teure Firmenberater und Sonderkonditionen für einen familieneigenen Getränkehandel. Löhne wurden verspätet überwiesen, und die Mitarbeiter mussten um ihre Jobs bangen. Unterdessen war Dora Majer zur alleinigen Geschäftsführerin avanciert. Sie verkaufte die Brauerei 2007 an den Bochumer Unternehmer Peter Schumacher. Mit dem Ergebnis, dass im März 2008 ein Insolvenzverfahren schließlich unvermeidlich wurde. Im Betriebsrat sprach man über den Eil-Verkauf von der Flucht nach vorn – wegen der drohenden Zahlungsunfähigkeit.

Verhandelt werden soll nun gegen Dora, Willi und Christof Majer am Landgericht Görlitz vor einem Schöffengericht. Richter Ulrich von Küster sagte gegenüber der SZ, dass das Hauptverfahren wegen Bankrottvorwurfs und Insolvenzverschleppung für den 25. November angesetzt sei. Den Vorwürfen werde anhand von Zeugenaussagen, Gutachten und Sachverständigen nachgegangen. Bei der Insolvenzverschleppung handelt es sich um eine Straftat. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, so drohen bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe.

Aus dem Schneider ist inzwischen der spätere Geschäftsführer Peter Schumacher. Auch gegen ihn ermittelte die Staatsanwaltschaft Görlitz wegen Insolvenzverschleppung um knapp zwei Monate, so der Görlitzer Staatsanwalt Till Neumann. Auch wird Schumacher vorgeworfen, für mehrere Arbeitnehmer die Sozialversicherungsbeiträge für jeweils zwei Monate nicht gezahlt zu haben. Das Verfahren sei jetzt gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt worden.