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Großenhain

Drei für eine Stadt

Nicht nur für die Sicherheit: Polizeirevier und städtisches Ordnungsamt wollen künftig noch enger zusammenarbeiten.

Ein gutes Team: Polizeihauptmeisterin Ilona Windisch und Polizeihauptmeisterin Anja Zimmer (v.li.) unterstützen den Vollzugsbediensteten der Stadt, Marcel Messerschmidt, bei Streifengängen durch Großenhain.
Ein gutes Team: Polizeihauptmeisterin Ilona Windisch und Polizeihauptmeisterin Anja Zimmer (v.li.) unterstützen den Vollzugsbediensteten der Stadt, Marcel Messerschmidt, bei Streifengängen durch Großenhain. ©  Anne Hübschmann

Großenhain. Ilona Windisch hat schon so einiges erlebt. Wenn die beherzte Polizeihauptmeisterin Ende Juli im Großenhainer Revier ihren Dienst quittiert, dann wird sie die unterschiedlichsten Geschichten mit in den Ruhestand nehmen. Etwa die von den beiden betagten Männern, die plötzlich mit der Mistgabel aufeinander losgegangen sind. Oder so manchen Streit über laut brummende Rasenmäher am Sonnabendmittag, achtlos weggeworfene Bierflaschen und Grundstückshecken, die den Frieden in der Nachbarschaft gefährden.

Seit 1997 im sogenannten Streifendienst tätig, kennt sie das Stadtgebiet von Großenhain wie ihre Uniformtasche. Gleich nun, ob im Zentrum, der Radeburger, Elsterwerdaer, Öhringer oder Priestewitzer Straße – Ilona Windisch weiß um schmutzige Ecken, grölende Mitmenschen und vermeintliche Querulanten. 

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Ebenso wie ihr Kollege Detlef Pingel, seit einigen Jahren wie sie als Bürgerpolizist tätig, hat sie ein sicheres Gespür dafür, wo sich ein zweiter Blick lohnt. Hat schon häufig mit den Menschen in Folbern, Weßnitz, Zschauitz, Rostig Bekanntschaft gemacht und wird auch in Stroga, Uebigau, Strauch, Skäßchen und Skaup hin und wieder über den Gartenzaun angesprochen. 

Wegen eines Problems, aber nicht nur. „Die Leute sind wirklich nett! Manche bieten mir sogar ein Stück Kuchen an“, erzählt Ilona Windisch und lacht. In Uniform Präsenz zu zeigen, habe sich in ihren 25 Dienstjahren stets als richtig erwiesen. Mehr noch. Das subjektive Sicherheitsempfinden der Einwohner werde dadurch positiv gestärkt. Allerdings: überall können sie und ihre Nachfolgerin Anja Zimmer logischerweise nicht sein. Aber man bemühe sich, regelmäßig in allen Bereichen vorbeizuschauen.

Ein zeitliches Dilemma, das die Polizisten mit der Stadtverwaltung Großenhain teilen. Zwar stets darum bemüht, so Ordnungsamtschef Matthias Schmieder, die Einhaltung der Ortspolizeisatzung zu kontrollieren, sei die Personaldecke einfach zu dünn. Zwei gemeindliche Vollzugsbedienstete würden an mehreren Fronten kämpfen: Parksünder abstrafen, Geschwindigkeitsmessungen durchführen und ein wachsames Auge auf das Zusammenleben in der Röderstadt werfen. 

„Deshalb sind wir froh, in der ortsansässigen Polizei einen guten Partner gefunden zu haben“, betont Matthias Schmieder. Gemeinsam mit Revierleiterin Sandra Geithner habe man sich darauf verständigt, die Zusammenarbeit künftig noch mehr zu intensivieren. Einerseits, um die Aufgaben auf breitere Schultern zu verteilen. Andererseits, weil es sich bei verschiedenen Gelegenheiten eben doch als gut erwiesen habe, das mindestens zwei der Schultern in markantem Blau stecken. 

„Wir haben das jetzt erst wieder beim Erlebnisfest der Sinne am vergangenen Wochenende gespürt! Wenn wir dort in Uniform in Erscheinung treten, wird das sehr wohl als sicherheitsgebendes Element registriert“, gibt Sandra Geithner zu bedenken. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeige, dass die Hemmschwelle der Menschen inmitten der sprachlichen Auseinandersetzung extrem gesunken ist. Der Ton sei einfach rauer geworden. „Wir werden oft beschimpft oder unflätig hinsichtlich unserer Arbeit tituliert“, bestätigt Marcel Messerschmidt.

Laut dem Vollzugsbediensteten wäre es aber notwendiger denn je, diese Arbeit zu machen. Verunreinigungen von Grünanlagen und Plätzen, ruhestörender Lärm, Kontrollen auf Spielplätzen, ungenehmigtes Abbrennen von Feuerwerken – die Palette der Streifengänge von Bürgerpolizei und Ordnungsamt lasse sich beliebig fortsetzen. 

„Unter dem Motto ‚Gemeinsam sind wir stark‘ setzen wir gerade jetzt darauf, zusammen für Ordnung und Sicherheit zu sorgen. In einer Gesellschaft, in der das Zusammenleben nicht unbedingt von größerer Toleranz und Verständnis geprägt ist, hilft diese Kooperation“, so Schmieder.