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Drei Jobs und dreimal Mutter

Julia Bock ist Chefin der Bautzener Wirtschaftsjunioren. Die Selbstständige kämpft an vielen Fronten.

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© Uwe Soeder

Von Madeleine Arndt

Bautzen. Ein roter Kater tappt gemächlich die Treppen des Mehrfamilienhauses hinunter. „Bis nach ganz oben bitte“, tönt eine gut gelaunte Stimme. Sie kommt aus der Wohnung, zu der die Katze gehört. Hier wohnt Julia Bock, mit der ich mich in ihrem Home-Office verabredet habe. Die zierliche Frau hat in Bautzen einen Werdegang gegen den allgemeinen Trend hingelegt. Statt nach der Schulzeit der Spreestadt den Rücken zu kehren, studierte sie hier an der Studienakademie Betriebswirtschaft und startete vor zehn Jahren ihre eigene Karriere. Heute betreibt Julia Bock einen Online-Handel, hält Vorlesungen an der Akademie und arbeitet als Unternehmensberaterin.

Dazu managt sie eine fünfköpfige Familie mit Mann und drei Kindern im Alter von eins bis acht. Was für eine Bilanz mit 33 Jahren! Obwohl Julia Bock als Selbstständige an vielen Fronten kämpft, macht sie einen unverkrampften Eindruck. Es sei alles eine Frage der Organisation und natürlich helfe ihr Mann viel, sagt die junge Unternehmerin zu der Frage, wie sie Jobs, Familie und das ganze Drumherum unter einen Hut bringe.

Während ihrer Elternzeiten hatte Julia Bock ihre Aufträge etwas zurückgefahren. Aber die Wirtschaftsvorlesungen an der Studienakademie behielt sie bei, fuhr in den Pausen zum Stillen nach Hause. „Einmal ist der Babysitter vor einem Kurs abgesprungen, da habe ich die Kleine ins Tragetuch genommen. Mein Mädchen hat geschlafen, während ich die Studenten auf eine Arbeit vorbereitet habe.“ Wenn es mal eng wird, springen auch die Omas und ihre Schwester ein. Und die Stadt mit ihren kurzen Wegen eigne sich sowieso für Familien gut, findet die Unternehmerin. „Die Wohnqualität hier ist top. Für mich gab es nie einen Grund, von hier wegzugehen.“ – Mit 23 Jahren stieg Julia Bock in den Groß- und Einzelhandel ein. Sie kaufte die Firma Impuls, die heute noch das Haushaltswarengeschäft Impuls auf der Reichenstraße hat. Verkauft wurden neben Porzellan- und Glaswaren auch Weine. „Wir hatten damals um die 25 Mitarbeiter und auch eine Filiale in der Kornmarktpassage“, sagt Julia Bock. Als ihre mittlere Tochter zur Welt kam und besonders viel Aufmerksamkeit brauchte, nutzte die Bautzenerin eine Gelegenheit und verkaufte das Unternehmen. Ein Schritt, den sie nicht bereut: Die Familie hat Priorität.

Bestellungen werden im Home-Office bearbeitet

Erhalten geblieben ist Julia Bock der Online-Weinhandel. „Ich habe locker mal 5 000 Flaschen im Lager“, schätzt sie. Der Wein ist ihr Steckenpferd. Stets ist die 33-Jährige auf der Suche nach neuen Winzern mit ausgefallenen Weinen aus Frankreich, Spanien und Italien und wechselt regelmäßig das Sortiment. Bestellungen bearbeitet sie in ihrem Home-Office – eine weiße Büro-Ecke mit Schreibtisch und zwei Regalen direkt unter dem Dach, abgetrennt von dem restlichen Raum, der als Wohnzimmer fungiert. Dort parkt auch ein großer Raumflieger aus Lego-Steinen, auf dem Boden ist eine Autorennbahn aufgebaut, in einer Ecke steht eine bunte Spielwand für Kleinkinder. Ein großer Scheinwerfer befindet sich ebenfalls in Position. „Ich drehe hier auch meine Verkostungs-Videos“, erklärt die Frau.

Der Online-Handel und ihre Familie machen Julia Bock zur überzeugenden Mentorin in ihrem wichtigsten Arbeitsfeld. Sie berät deutschlandweit Unternehmen, entwickelt für kleine und große Betriebe individuelle Strategien für mehr Effizienz. Dabei hat sich für die Betriebswirtin ein wesentlicher Knackpunkt zum wirtschaftlichen Erfolg herauskristallisiert: Den Chefs müsse es gelingen, dass sich die Mitarbeiter mit der Firma identifizieren können, erklärt sie. Julia Bock ist eine leidenschaftliche Verfechterin des ehrbaren Unternehmertums, wie sie es ausdrückt. Das heißt, weg vom Gewinnstreben um jeden Preis, hin zu mehr Mitarbeiterorientierung, Nachhaltigkeit und guter Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Gewinn für Start-up-Unternehmen

Diese Gedanken möchte die 33-Jährige auch in ihrer neuen Position weitertragen. Julia Bock wurde jetzt zur Vorsitzenden der Bautzener Wirtschaftsjunioren gewählt. Das ist ein 2013 gegründeter Verein, in dem sich junge Oberlausitzer Unternehmer und Führungskräfte miteinander vernetzen und austauschen. Zurzeit zählt er 28 Mitglieder. „Aber wir wollen weiter wachsen“, sagt Julia Bock bestimmt. Denn so ein Club lebe von der Vielzahl an Meinungen und Ideen. Jeder Selbstständige und jede Führungskraft unter 40 Jahre sei willkommen, wirbt Bock. Gerade für Start-up-Unternehmen seien die Wirtschaftsjunioren ein Gewinn. „Wir haben die Netzwerke und können auch tolle Weiterbildungen anbieten. Und ein bissel Spaß haben wir auch nebenbei“, sagt Julia Bock und ihre Augen blitzen voller Energie.

www.wj-bautzen.de