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Drei Neubauten für Seniorenwohnungen

Aus dem Umgebindehaus an der Nordstraße in Seifhennersdorf soll ein Ärztehaus werden. Das Landratsamt zweifelt, ob sich die Stadt das leisten kann.

Von Holger Gutte

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Seifhennersdorf hält an den Plänen für eine betreute Wohnanlage fest. Bürgermeisterin Karin Berndt (parteilos) ist überzeugt davon, dass die Stadt das schätzungsweise vier Millionen Euro teure Projekt über ein Darlehen finanzieren kann – auch, wenn die Rechtsaufsichtsbehörde des Landkreises Bedenken anmeldet, und Seifhennersdorf zur Haushaltskonsolidierung rät. „Es gibt nur sehr wenige Orte, die wie wir über die ganzen Jahre schuldenfrei geblieben sind. Warum haben dann andere Kommunen und der Landkreis bisher Kredite aufnehmen können, die finanziell wesentlich schlechter standen“, sagt sie. Sie beruft sich dabei auch auf die Machbarkeitsstudie, die von der Stadt extra dafür in Auftrag gegeben wurde. Und die besagt immerhin, dass der Bedarf durchaus da sei. Zudem seien gerade jetzt die Zinssätze bei den Banken günstig.

Vor der jüngsten Stadtratssitzung ist in der vergangenen Woche die Machbarkeitsstudie für das Projekt von Michael Kroll vorgestellt worden. „Wir haben dabei schon sehr passiv gerechnet“, sagt der Projektleiter der Kommunalentwicklung Mitteldeutschland GmbH (KEM). Vorgesehen ist eine Altenbetreute Wohnanlage, die aus vier Gebäuden besteht. Neben dem Umgebindehaus, das saniert werden soll, sind auf dem Gelände zwischen Nordstraße, Otto-Simm-Straße und Rumburger Straße drei Neubauten geplant, die Platz für insgesamt 26 Wohneinheiten bieten.

„Das Umgebindehaus lohnt sich auf alle Fälle zu sanieren. Es ist in keinem so schlechten Zustand, dass man dafür eine Abrissgenehmigung bekommen könnte“, sagt er. Es lässt sich auch gut in den Gebäudekomplex in dem Gelände mit seinem großen Garten einbinden. Im Erdgeschoss stehen 100 bis 120 Quadratmeter für eine Arztpraxis zur Verfügung. Ebenso soll es hier nach der Sanierung des Hauses einen Mehrzweckraum geben. Ins Stockwerk darüber könnte eine zweite Arztpraxis einziehen. Auch eine Sozialstation ist im Umgebindehaus vorgesehen, schildert der Projektleiter.

So wie viele in der Stadt wartet auch Ärztin Gabriele Hosang schon jahrelang sehnsüchtig auf die geplante betreute Wohnanlage. Schließlich gilt diese bereits seit 1993 als wichtigstes Bauvorhaben in der Stadt. Die Hausärztin will mit ihrer Allgemeinmedizinischen Praxis unbedingt dort einziehen. Sie ist deshalb extra zum Stadtrat gekommen. Klar und deutlich hatte sie hier erklärt, warum sie für ihre Praxis unbedingt einen neuen Standort braucht. Immer mehr Patienten könnten nicht mehr in ihre Praxis kommen, weil sie die Treppenstufen bis dorthin nicht mehr bewältigen. Die Hausbesuche haben deswegen ein enormes Ausmaß angenommen. Mit einem Standortwechsel hat sie in Seifhennersdorf immer wieder gewartet, weil ja die Anlage gebaut werden soll. Ein Umzug in die Wohnanlage mit Ärztehaus wäre ideal.

Das Umgebindehaus passt als Ärztehaus auch deswegen gut ins Konzept, weil es voll der Zielstellung für das Bauvorhaben entspricht. Und die besagt eine betreute Wohnanlage zu schaffen, die eine hohe Identität im Ort und eine hohe Wiedererkennung ermöglicht. Zum Ärztehaus kommen bewusst drei Neubauten mit vielfältigen Wohnangeboten und -komfort hinzu, die sich von anderen Einrichtungen unterscheiden. Mit der Verbindung von alter und neuer Bausubstanz soll in dem Projekt sozusagen Tradition und Moderne verbunden werden. Die Einrichtung wird sich bereits bei einer 80-prozentigen Auslastung der Wohnflächen selbst tragen, schildert der KEM-Projektleiter. Die kleinste Zwei-Zimmer-Wohnung soll dabei mit reichlich 45 Quadratmetern Wohnfläche für 339 Euro Warmmiete angeboten werden. Die Miete für eine 55 Quadratmeter-Wohnung kostet 420 Euro. Es gibt aber auch Vier-Zimmer-Wohnungen. Hierfür müssen die Mieter für 111 Quadratmeter 840 Euro zahlen. Eine Stadträtin richtet deshalb auch eine Frage an die zahlreich erschienenen Besucher der Versammlung im Ratssaal. „Können Sie sich so eine Wohnung leisten?“, fragt Friederike Cieslak (CDU). „Ja. Wir zahlen jetzt auch über 400 Euro Miete und warten schon lange auf so eine Wohnanlage“, antworteten zwei Rentner.

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