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Drei neue Meissener Dekore

Auf einer großen Design-Messe in Paris präsentiert die Manufaktur im Januar neu entwickelte Porzellan-Muster. Sie sind auch eine Antwort auf ständige Kritik.

Von Peter Anderson

Auf dem Tisch tut sich ein Urwald auf. Palmwedel liegt auf Palmwedel, dazwischen schimmert golden die Sonne, glänzt der silberne Spiegel eines stillen Sees. „Gärten von Marrakesch“ – so der Arbeitstitel des neuen Dekors auf dem vergangenes Jahr frisch auf den Markt gekommenen Meissener Service Cosmopolitan. Ganz Weltbürger spricht Unternehmenschef Christian Kurtzke lieber von den „Jardins de Marrakech“.

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Das Dekor-Edelweiß lässt sich am besten mit den Fingern erfahren. Die feine Netzstruktur ist wie eingraviert.Fotos: CH
Das Dekor-Edelweiß lässt sich am besten mit den Fingern erfahren. Die feine Netzstruktur ist wie eingraviert.Fotos: CH
An die Gärten von Marrakesch erinnert das zweite neue Cosmopolitan-Dekor. Ende Januar wird es in Paris präsentiert.
An die Gärten von Marrakesch erinnert das zweite neue Cosmopolitan-Dekor. Ende Januar wird es in Paris präsentiert.

Das Muster ist eines von drei neuen Dekoren, mit denen der Traditionsbetrieb auf die große am 18. Januar in Paris beginnende Design-Messe fahren wird. Die Maison & Objet bietet einen Überblick über Trends bei Möbeln, in der Tisch- und Tafelkultur, Dekoration und vielem mehr. Sie richtet sich vorrangig an Einzel- und Versandhändler, Kaufhäuser, Kunstgalerien, Innenarchitekten und Dekorateure.

„Wir setzen dort voll auf Cosmopolitan“, sagt Christian Kurtzke. Allerdings in einer erweiterten Form. Bislang wurde das Service mit einem Überzug aus Platin oder Gold angeboten. Dazu kommt eine rein weiße Variante. Ergänzend gibt es ein netzartiges Dekor sowohl in Platin als auch in Gold.

Kritiker unter anderem von der Bürgerinitiative „Manufaktur in Gefahr?“ hatten diese flächigen Muster als Bruch mit der Meissener Tradition bezeichnet. Das Charakteristische für Meissen – die feine Malerei und die verspielten Formen – kämen bei Cosmopolitan nicht zum Tragen. Das neue Service sei auswechselbar und gleiche Industrieprodukten. Hinzu komme, dass die Dekoration des Porzellans mit Gold- und Platin-Flächen die Maler des Unternehmens nicht ausreichend fordere und auslaste.

Zumindest zwei der drei neuen Dekore könnten als Antwort auf diese Kritik verstanden werden. Neben den handgemalten „Gärten von Marrakesch“ bietet das Unternehmen Cosmopolitan künftig mit dem feinen blauen Zweig einer Orchidee an. Das Detail stammt aus dem bekannten Meissener Dekor „Blaue Orchidee“ von Prof. Heinz Werner. Durch die Konzentration auf diesen Ausschnitt wirke das Motiv völlig neu und modern, sagt Christian Kurtzke. Den Rahmen für den Zweig liefert auf dem breiten Rand des Tellers ein Netz aus fein ziselierten Platinfäden. Gleichzeitig bleibt das Porzellan mit der sehr reduzierten Malerei bezahlbar. Je ausgefeilter das Muster, umso teuerer das Produkt. Kurtzke will zwar nicht die breite Masse, aber zumindest die Mittelschicht als Kundengruppe halten oder neu für die Manufaktur gewinnen.

Der auf die Kernform konzentrierte Orchideenzweig dürfte vor allem dem Geschmack im asiatischen Raum entgegenkommen, spekuliert der Meissen-Chef. Er plant mit Cosmopolitan eine Reise um die Welt. Für jeden Erdteil soll ein spezielles Dekor entwickelt werden. Indien könnte der nächste Schritt sein. Auf der einen Seite dürften die verschiedenen Dekore einen Anreiz für Sammler bieten, sich ein je nach Speise verschieden kombinierbares Service zusammenzustellen. „Und wir können damit sehr schnell auf Modewellen reagieren“, so Kurtzke.

Ergänzt werden die Dekore „Marrakesch“ und „Blauer Zweig“ durch ein spezielles Angebot für die festliche Tafel. Das unter dem Arbeitstitel „Edelweiß“ laufende Muster erfreut nicht nur das Auge sondern vor allem die Fingerspitzen. Wer den Edelweiß-Teller im ersten Augenblick für ein glatt weißes Porzellanstück gehalten hat, wird beim Berühren des Randes eines Besseren belehrt. Leicht rau wie Muschelkalk fühlt sich das äußerst feine Relief an. Ins Licht gehalten wird ein hauchdünnes Netzmuster sichtbar, das den Rand überzieht. „Um diesen Effekt von Biskuitporzellan zu erzeugen, setzen wir eine ganz neue Technologie ein“, sagt Christian Kurtzke. Details zu den technischen Abläufen will der Manufaktur-Chef nicht verraten. Er sieht das „Edelweiß“ als exklusive Cosmopolitan-Variante für festliche Tafeln bei Hochzeiten und Geburtstagen, und nicht zuletzt in der Gastronomie. Die neue Technologie gebe dem Traditionshaus die Möglichkeit, schnell auf individuelle Wünsche von Hotels und Restaurants zu reagieren. Gleichzeitig bestehe bei dem Geschirr dank seiner runden Form nicht die Gefahr abgeschlagener Kanten, was bei den geschwungenen Rändern des Dekors Wellenspiel dagegen relativ häufig vorkomme.

Wann genau die drei neuen Dekore in den Handel gehen, steht unterdessen noch nicht fest. Auf der Einrichtungsmesse Maison & Objet in Paris sollen zunächst Musterstücken gezeigt werden. Anschließend würden die Kataloge in Auftrag gegeben, so Christian Kurtzke. Sein Ziel sei es, mit den jetzt entwickelten Dekoren die Arbeitsplätze der Maler in dem Traditionshaus etwas sicherer zu machen.