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Drei Stunden bis Hayn

Schöne alte Fachwerkhäuser, sanierte Kirchen und erhalten gebliebene Denkmäler sind der Stolz jeder Stadt oder Gemeinde. Von Schönfeld aus ist es nach Hayn drei Stunden, nach Königsbrück in die andere Richtung drei Stunden und drei Achtel.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Schöne alte Fachwerkhäuser, sanierte Kirchen und erhalten gebliebene Denkmäler sind der Stolz jeder Stadt oder Gemeinde.

Von Schönfeld aus ist es nach Hayn drei Stunden, nach Königsbrück in die andere Richtung drei Stunden und drei Achtel. Doch gemeint ist nicht die richtige Uhrzeit. Es wär auch etwas langsam für ein heutiges Fahrzeug. Gemeint sind Wegstunden aus der Zeit der Landvermessung, und eine Wegstunde beträgt 4,531 Kilometer.

Es ist die Schönfelder Postmeilensäule gegenüber vom Gasthof, an der man das ablesen kann. Von ihrer Art her ist sie eine kursächsische Ganzmeilensäule. Schon 1722 wurde sie aufgestellt — gemeinsam mit anderen Distanzsäulen und den Viertel- und Halbmeilensteinen. Als Ganzmeilensäule trägt sie kein Wappen, sondern die Initialen A R für August (Rex/König) den Starken. In beide Richtungen am einstigen Handelsweg Hohe Straße ist hier der jeweils nächste größere Ort angegeben. Dazu das goldene Posthorn sowie eine Reihennummer.

Kulturdenkmale wurden rigoros abgerissen

Nur noch 18 solche Ganzmeilensäulen existieren in Sachsen. Die Schönfelder wurde 1980/81 aufgearbeitet. Eine stark restaurierungsbedürftige Säule steht bei Sacka etwa zwei Kilometer in Richtung Königsbrück in der Laußnitzer Heide. Eine Distanzsäule, die mit dem Wappen, gibt es zum Beispiel auf dem Marktplatz von Strehla. Viertelmeilensteine findet man in Thiendorf (1996 nachgebaut) und in Quersa.

Als auf Geheiß Augusts des Starken in ganz Sachsen Distanzsäulen an den Poststraßen im Abstand von einer Meile (rund neun Kilometer, also zwei Wegstunden) aufgestellt wurden, bekam auch das damalige Hayn vier Säulen. Von 1721 an besaß die Stadt an jedem seiner vier Stadttore eine kursächsische Distanzsäule.

Diese Kulturdenkmale wurden zusammen mit dem Wildenhainer, dem Meißner, dem Naundorfer und dem Dresdner Tor Mitte des 19. Jahrhunderts rigoros abgerissen. Nicht mal mehr Bruchstücke sind erhalten geblieben. Alle Bemühungen, wenigstens eine Säule für Hayn wieder zu errichten, blieben bis jetzt erfolglos. Kosten würde so ein Nachbau 15 000 bis 20 000 Euro.

So ist die Schönfelder Säule die einzige in der Großenhainer Region, die noch original an Landvermesser Adam Friedrich Zürner und die Markierung der Poststraßen erinnert.

Der Skassaer Pfarrer und spätere Land- und Grenzkommisar war um 1720 beauftragt worden, das Land Sachsen zu vermessen. Bis dahin waren Landkarten sehr ungenau und ebenso die Entfernungsangaben zwischen zwei Orten. Mit Hilfe seines geometrischen Wagens, kurz Meilenwagen genannt, maß er mit der Unterstützung von Kondukteuren die Entfernungen vor Ort aus.

Das berühmte fünfte

Rad am Wagen

Die Vermessung der Poststraßen begann immer vom Marktplatz einer bedeutenden Stadt aus. Nicht weniger als 170 000 Kilometer legten Zürner und seine Helfer auf diese Weise zurück. Der geometrische Wagen enthielt das berühmte fünfte Rad. Das war ein mechanisches Zählwerk, bei dem die Länge eines zurückgelegten Weges durch Zählen der erfolgten Umdrehungen bestimmt wurde. Diese Idee stammt allerdings nicht von Zürner, sondern wurde schon früher praktiziert. Weder ist allerdings der geometrische Wagen erhalten geblieben, noch sind es von Zürner selbst genutzte Zählwerke.

Über 200 Postmeilensäulen und Reststücke in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen werden von der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e. V. betreut. Der Verein bemüht sich auch sehr um Öffentlichkeitsarbeit.

Für eine Präsentation der Arbeitsgruppe Zürner während der 3. Sächsischen Landesgartenschau brachte die Forschungsgruppe beispielsweise ein Faltblatt heraus, auf dem die Entfernungen der Postmeilensäulen und der königlich-sächsischen Meilensteine dargestellt werden.