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Drei unter 1 300

Die SZ begleitet seit über zweieinhalb Jahren eine Studenten-WG durch ihr Leben in Görlitz. Das Campus Open Air bringt noch einmal Abwechslung.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Unter der dicken alten Buche ist es am Entspanntesten. Dezentes Licht, gemütliche Sitzmöglichkeiten und ein DJ mit den passenden Klängen prägen die Atmosphäre im vorderen Teil des Görlitzer Campus Open Airs. Und natürlich die Cocktailbar. An der sind Jule, Claudia und Carolin zu finden, bevor sie sich ins Getümmel vor der großen Bühne stürzen. Die drei Tourismus-Studentinnen, die in der Innenstadt eine gemeinsame WG bewohnen, sind an diesem Abend drei unter 1 300 Gästen.

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Wobei zumindest Carolin nicht nur Gast ist: „Am Nachmittag habe ich am Stand des Fachschaftsrates mitgeholfen“, sagt die 21-Jährige. An den Spielen dort hatten letztlich vor allem die Kinder ihren Spaß. Am Abend aber hat die WG frei – und Zeit zum Tanzen. Jule ist ganz überschwänglich, will bis früh um vier bleiben: „Obwohl wir ja kurz vor dem Abschluss unseres Studiums stehen, ist das erst unser zweites Campus Open Air.“ Der Grund: Im zweiten ihrer insgesamt drei Studienjahre waren sie alle im Auslandspraktikum. Nun ist das Studium fast vorbei. Jule hat ihre Bachelorarbeit am Wochenende fertiggestellt und zur Korrektur gegeben. Jetzt arbeitet die 25-Jährige als Sekretärin bei einem Görlitzer Rechtsanwalt – und bereitet sich nebenbei noch auf die letzten Prüfungen und die Verteidigung ihrer Arbeit vor.

Ihre beiden Mitbewohnerinnen feilen noch an der Arbeit: Carolin will am 19. Juni fertig sein und abgeben, Claudia nimmt sich ein bisschen mehr Zeit und wird erst im August verteidigen. „Mir macht es nichts aus, auch während der Fußball-WM an der Arbeit zu sitzen“, sagt die 27-Jährige. Ihren Mitbewohnerinnen geht es da anders: Sie sind jetzt schon im Fußball-Fieber. „Während der WM wird unsere Wohnung zum Ort fürs Public Viewing“, sagt Jule. Bei der EM waren schnell mal zehn Studenten in der WG und haben sich – zum Leidwesen der Nachbarn – beim Mitfiebern die Seele aus dem Leib gebrüllt. Ähnliches schließt Jule auch für die WM nicht aus.

Es wird die letzte größere gemeinsame Aktion des Trios sein, denn Ende Juli ziehen sie aus. Bis dahin stehen für alle noch Prüfungen, Referate und die Verteidigung an. In einer solchen Phase ist das Campus Open Air natürlich ein Höhepunkt. Bei den meisten studentischen Feiern kommt die Musik ja „nur“ von DJs. „Da ist ein Konzert mit vier Livebands schon etwas Besonderes“, sagt Carolin. Und Jule freut sich, dass eine Party auf dem Gelände der Hochschule stattfindet: „Das kommt ja fast nie vor.“