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Drei Villen am Hang

Ein nicht unumstrittenes Bauvorhaben auf dem Plossen hat jetzt eine weitere Hürde genommen.

Hier am Kapellenweg sollen drei Villen entstehen. Die Stadträte haben jetzt weitere Weichen für dieses Bauvorhaben gestellt.
Hier am Kapellenweg sollen drei Villen entstehen. Die Stadträte haben jetzt weitere Weichen für dieses Bauvorhaben gestellt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Was genau auf dem 1,5 Hektar umfassenden Grundstück oberhalb der Hornschen Villa gebaut wird, steht noch nicht fest. Nur so viel: An Entwürfen für drei Villen mit jeweils zwei Wohnungen können Architekten und Planer nun weiterarbeiten. Das haben die Stadträte am Mittwochabend nach stundenlanger und leidenschaftlicher Debatte beschlossen – und damit weitere Weichen für ein Bauvorhaben am Plossen gestellt, das seit 16 Jahren immer wieder im Gespräch ist. 

Was genau haben die Stadträte beschlossen?

Bei drei Gegenstimmen mehrheitlich „zur Kenntnis genommen“ wurde eine sogenannte Abwägungstabelle. Eigentlich sollte sie abgesegnet werden. Der neu gefasste Beschluss verpflichtet die Bauverwaltung, die Liste zu überarbeiten und dem Stadtrat erneut vorzulegen. Das 20-seitige Papier, das nach Anfragen an 30 Träger öffentlicher Belange sowie einer Bürgerversammlung entstanden war, enthält Einwendungen und Anregungen zum Projekt. Stadträte mehrerer Fraktionen hatten auf Widersprüche in der Tabelle verwiesen. So geht daraus nicht hervor, dass die Untere Denkmalschutzbehörde dem Projekt grundsätzlich zustimmt.

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Die Dresdner Architektin Bettina Krah hatte im Verlauf der Debatte über ein Gespräch mit der Behörde informiert, bei dem Bedingungen für die weiteren Planungen ausgelotet worden seien. Denkbar sei, die Villen mit einem Gartengeschoss, einem vom Kapellenweg aus erreichbarem Erdgeschoss sowie einem weiteren Geschoss zu bauen. Ute Czeschka (Bürger für Meißen/SPD) mahnte an, die Tabelle Punkt für Punkt durchzugehen und Kompromisse zu finden.

Dazu beitragen sollen Ergänzungen, die im Verlauf der Debatte in einen weiteren Beschluss eingefügt worden. Darin geht es um die Gestaltung der künftigen Villen. Ein Planungsworkshop soll Architekten und Planern beim Finden der besten gestalterischen Variante zur Seite stehen. Alle Stadtratsfraktionen sowie Bauverwaltung und Stadtplanungsamt entsenden Vertreter in dieses Gremium. „Die finale Variante soll nach der Sommerpause dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden“, heißt es in dem Beschluss, der bei drei Gegenstimmen mehrheitlich gefasst wurde.

Was bleibt umstritten?

Mehrere Stadträte bezweifeln die Rechtssicherheit des Verfahrens. Deshalb hatte Tilo Hellmann (Linke) schon zu Beginn der Sitzung die Absetzung des Themas von der Tagesordnung gefordert. Denn die Fläche am Hang, welche die Stadt 2007 verkauft hatte, gehört zum Erbe, das Otto Horn der Stadt hinterlassen hatte, als er kurz vor Kriegende aus dem Leben schied. Er hatte seinen Grundbesitz der Stadt mit der ausdrücklichen Auflage einer „Nutzung für öffentliche Zwecke“ vermacht. 

Die Frage, ob das Testament den Verkauf der Fläche überhaupt zuließ, beantworte Hans-Joachim Gruner vom Rechtsamt der Stadt mit einem eindeutigen Ja. Er berief sich dabei auf zwei Grundsatzurteile des Bundesgerichtshofes aus den Jahren 1997 und 2004, wonach eine Kommune nach 1990 nicht in die Rechtsnachfolge der Zeit davor eintritt. Demzufolge sei das Testament für die Stadt Meißen nicht bindend.

Dem wollten nicht alle Stadträte folgen. Thomas Kirste (AfD) forderte eine unabhängige Überprüfung der Rechtslage. Dem schlossen sich Stadträte anderer Fraktionen an. Dr. Helge Landmann (Bürger für Meißen/SPD) warnte, dass es auch andere Urteile als die von der Stadtverwaltung genannten gibt. Er mahnte an, Horns Vermächtnis nicht nur nach juristischen Kriterien zu betrachten. Vielmehr sei darin ein Vertrauensvorschuss an die Stadt zu sehen, den es zu rechtfertigen gelte – im vertrauensvollen Miteinander mit dem Bauherrn ebenso wie durch bestmögliche Gestaltung der geplanten Gebäude. Dies könne im Zuge eines Architektenwettbewerbes erreicht werden.

Umstritten bleibt die Bauweise der drei Villen, die am Hang entstehen sollen. Der Meißner Architekt Dr. Knut Hauswald hatte am Beginn der Debatte erklärt, dass noch nichts entscheiden ist. Klar ist lediglich, dass am Hang drei Gebäude mit einer Wohnfläche von jeweils 220 Quadratmetern entstehen könnten. Mehr sei hier aus Platzgründen nicht möglich. Wie er anmerkte, hätten bisherige Planungen niemals Würfelhäuser im Sinn gehabt. Auf einem visualisierten Entwurf seien lediglich sogenannte Platzhalter in Form von weißen Würfeln verzeichnet gewesen. 

Wie die Häuser genau aussehen, in welcher Anordnung sie gebaut werden, ob es Garagen oder Carports gibt – das sind Gestaltungsfragen, wie auch die Dachform, die nun in den weiteren Entwurfsplanungen geklärt werden müssen. Der am Mittwochabend beschlossene Planungsworkshop wird einbezogen und mitbestimmen.

In mehreren Wortmeldungen hatte Ingolf Brumm (Linke) auf die große Gefahr verwiesen, dass dieses Bauvorhaben „Meißen verschandelt“. Dies und die Aussicht, dass ein solches Projekt auch als Startschuss für weitere Investoren zu betrachten sei, die auf den Meißner Hügeln auf der Suche nach Bauland sind, hatte er zur Begründung seiner grundsätzlichen Ablehnung des Vorhabens angeführt. 

Welche Aussicht hat ein Aussichtspunkt?

Bereits am 13. Mai hatte die Bürger-für-Meißen/SPD-Fraktion im Sozial- und Kulturausschuss den Antrag „Erhalt oder Wiederherstellung eines öffentlich zugänglichen Ausblicks vom Kapellenweg (Merian-Panorama)“ eingebracht. Mit dem Hinweis darauf, dass es sich um einen Prüfauftrag handelt, hatte Fraktionschef Heiko Schulze die Stadträte um Zustimmung gebeten. Die erhielt er jetzt: Alle Stadträte stimmten dem Ansinnen zu, beim Bauen am Kapellenweg für die Allgemeinheit die Aussicht auf die Meißner Altstadt zu bewahren. 

Wie und wo genau das möglich ist, wird die Bauverwaltung in der nächsten Sitzung des Stadtrates präsentieren. Amtsleiterin Inga Skambraks hatte bereits im Sozial- und Kulturausschuss Vorschläge vorgestellt. OB Olaf Raschke (parteilos) stellte klar, dass dies nur dort möglich sei, wo das Vorhaben nicht mit Interessen von Eigentümern kollidiert. Thomas Kirste (AfD) bat darum, die Vorschläge mit einer Aufstellung der zu erwartenden Kosten zu versehen.

Wie geht es jetzt weiter?

Nun arbeiten Architekten und Stadtplaner an konkreten Entwürfen für die drei Häuser. Wenn diese vorliegen, entscheiden die Stadträte über einen sogenannten Auslegungsbeschluss, den alle Interessierten begutachten und bewerten können. Die dabei eingesammelten Einwendungen und Anregungen werden erneut in einer Abwägungstabelle zusammengefasst, über die die Stadträte ein weiteres Mal entscheiden. Das gilt es bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen und einzuarbeiten. Erst danach sieht das Baugesetzbuch den Satzungsbeschluss vor. Stimmen ihm die Stadträte mehrheitlich zu, kann am Plossen gebaut werden. 

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