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Drei Wege in die Ferne

Per Bus, Bahn oder doch lieber mit dem Flugzeug? Wer ab Dresden reisen möchte, hat in diesem Sommer so viel Auswahl wie schon lange nicht mehr.

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Von Sandro Rahrisch und Klemens Deider

Sechseinhalb Stunden von Dresden nach Hamburg, neuneinhalb nach Köln: Fernbusse sind deutlich länger unterwegs als Züge und um Stunden langsamer als Flugzeuge. Eines ist aber auch klar: Durch den massiven Ausbau des Fernbus-Liniennetzes hat sich die Zahl der direkt erreichbaren Ziele ab Dresden in den vergangenen zwei Jahren nahezu verdoppelt. Vom Hauptbahnhof, dem Neustädter Bahnhof und dem Flughafen fahren derzeit acht Busunternehmen ab. Der Fahrplan soll dieses Jahr noch dicker werden.

Welche Städte sind ohne Umstieg

ab Dresden erreichbar?

Soll die Reise nach Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt oder Köln gehen, können sich die Dresdner aussuchen, ob sie den Bus, die Bahn oder das Flugzeug nehmen. München und Stuttgart steuert nur die Bahn nicht direkt an, mindestens einmal müssen Reisende umsteigen, wenn sie auf der Schiene reisen wollen. Berlin ist die am härtesten umkämpfte Destination: Die Bahn und der zum Unternehmen gehörende Berlinlinienbus fahren zusammen bis zu 17-mal am Tag in die Hauptstadt, die anderen Fernbusanbieter weitere 22-mal.

Für einen Linienflug ist die Strecke dagegen zu kurz. Wer die Sommerferien am Strand verbringen möchte und keine Lust auf einen Pauschalurlaub hat, wird ebenfalls fündig: Während in Klotzsche mehrmals in der Woche Flieger nach Mallorca und Barcelona abheben, bringt Eurolines die Dresdner mit dem Bus nach Warna und Burgas. Von Usedom bis Sylt stehen außerdem zahlreiche deutsche Küstenorte in den Fahrplänen.

Wo finde ich das gesamte Angebot

an Direktzielen ab Dresden?

Was die Reiseplanung angeht, so haben die Fernbusse einen Nachteil, und zwar die Unübersichtlichkeit aller angebotenen Linien. Die Bahn schließt im Fahrplan sogar die Konkurrenzunternehmen ein, die Fluggesellschaften können sich auf die Marketingarbeit des Dresdner Airports verlassen, der alle Verbindungen im Flugplan zusammenfasst. Im Fernbus-Dschungel müssen sich Reisende selbst zurechtfinden, also die Internetseiten aller Anbieter durchforsten oder auf ein Vergleichsportal wie Busliniensuche.de zurückgreifen. Dort ist allerdings nicht immer auf den ersten Blick unterscheidbar, welche Städte direkt und welche mit Umstieg angefahren werden.

Mit welchem Verkehrsmittel

reise ich am schnellsten?

Bei den Vergleichen Dresden–München und Dresden–Hamburg hat sich gezeigt: Mit dem Flugzeug ist man am schnellsten unterwegs, rund eine Stunde dauern die Flüge. Trotz Umsteigens in Hof und Nürnberg fährt die Bahn genauso schnell nach München wie der Fernbus, nämlich fast sechseinhalb Stunden.

Hier machen sich die vielen Zwischenstopps bemerkbar, mit denen die Busse gleichzeitig mehr Direktziele anbieten können. Größer ist der Abstand auf der Fahrt nach Hamburg: Während die Bahn fast viereinhalb Stunden unterwegs ist, müssen sich Busreisende noch einmal zwei Stunden länger gedulden.

Wie reise ich

am günstigsten?

Ein Test – vier Wochen vor Reiseantritt – auf drei ausgewählten Strecken zeigt, dass der Bus zwar länger zum Ziel braucht, dafür aber günstigere Preise bietet. Im Gegensatz zum Flugzeug, wo der Koffer je nach Tarif extra bezahlt werden muss, sind im Fernbus zwei Gepäckstücke inklusive. Im Zug gibt es keine Beschränkungen.

Wie erfahre ich, ob sich Bus,Bahn oder Flugzeug verspäten?

Verspätete Flieger oder Bummelzüge – auf den Internetseiten der Fluggesellschaften, Flughäfen und der Bahn erfahren Reisende, ob sie pünktlich abreisen können. Bei den Fernbussen bietet bisher nur der Postbus diesen Service an. Meinfernbus und Flixbus informieren ihre Fahrgäste alternativ per SMS oder Handy-App über Verspätungen.

Wird Dresden in Zukunft mitweiteren Städten verbunden?

Meinfernbus und Flixbus, inzwischen gehören beide Unternehmen zusammen, wollen das Angebot ab Dresden ausbauen. Welche Ziele neu hinzukommen, werde das Unternehmen im Sommer verkünden, so eine Sprecherin.

Die Bahn will Dresden nicht kampflos den Fernbussen überlassen. So soll eine IC-Direktverbindung nach Rostock entstehen, mit Zwischenstopp am zukünftigen Berliner Flughafen. Außerdem prüft das Unternehmen, wie es stärker auf dem Fernbus-Markt mitmischen kann.