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Drei, zwei, eins – meins!

Jedes Jahr kommen im Bautzener Rathaus herrenlose Fundsachen unter den Hammer. Die Auktion verspricht Schnäppchen für jedermann – lockt aber auch Profis.

© Uwe Soeder

Von Sebastian Kositz

Der hölzerne Hammer fällt im Minutentakt. Klack! Das silberne Klapprad – verkauft für 45 Euro. Auktionator Andreas Fröde notiert noch eben den Endpreis auf einem Zettel, der am Lenker des Fahrrads baumelt. Einen kurzen Moment später zerren Helfer das Gefährt vom Präsentationstisch, hieven stattdessen ein Mountainbike in die Höhe. „Mindestgebot 20 Euro“, ruft Andreas Fröde in die Runde. Im Pulk der Bieter gehen die ersten Hände hoch, nach wenigen Sekunden schallen nur noch Zahlen durchs Rathausfoyer. Fünfundzwanzig, dreißig, zweiunddreißig, vierzig ...

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Eigentlich ist Andreas Fröde kein richtiger Auktionator. Der Mann verdient sein Geld beim Ordnungsamt der Stadt Bautzen. Nur einmal im Jahr packt er den Hammer aus – wie jüngst am Mittwoch, zur Fundsachenauktion im Rathaus. So ziemlich alles, was sich über Monate im städtischen Fundbüro angesammelt hat und nie abgeholt wurde, muss irgendwann raus. Uhren, Handys, DVD-Rohlinge, Bücher, sogar ein Moped – und vor allem Fahrräder. Etwa 50 Räder waren es allein diesmal.

Und das Interesse daran ist groß. Zum Beginn der Auktion drängten sich im Foyer des Rathauses gut und gerne bis zu 150 Menschen. Familien mit Kindern, Rentner, ein Rocker mit Bart und Motorradkluft. Stadtsprecher André Wucht kann sich nicht erinnern, dass schon einmal so viele Gäste da waren. Angetrieben von der Neugier, aber auch in der Hoffnung, für kleines Geld ein großes Schnäppchen zu machen.

In dem Gewimmel ist es schwer, den Überblick zu behalten. Andreas Fröde hat ihn. „Fünfzig zum Ersten, zum Zweiten ...“, ruft der Auktionator. Kurz bevor der Hammer fällt, schwirrt plötzlich eine 60 durch den Raum. Zielgerichtet dreht sich Andreas Fröde in die Richtung des Rufers, blickt mit großen Augen und hochgezogenen Brauen über die Köpfe der Menschen hinweg zum neuen Bieter. „Sechzig sind geboten ...“ – Andreas Fröde ist voll bei der Sache.

175 Euro für ein schrottreifes Rad

Den Menschen um ihn herum kommt stattdessen der Überblick schon mal abhanden. Gerade noch hat ein junger Mann in einer hinteren Reihe über einen Zuschlag gejubelt. Zehn Euro, zum Dritten, verkauft. Ein Handy. Dumm nur, dass der Bieter im festen Glauben war, für das schon als nächsten Posten bereitgestellte Fahrrad geboten zu haben. Pech gehabt. Rückgängigmachen ist nicht bei Andreas Fröde.

Wer bei der Fundsachenauktion bietet, muss wissen, was er da tut. Und einige wissen es wohl tatsächlich sehr genau. In der Mitte des Raums steht jetzt ein Mountainbike. Die Bremsen im Eimer, hinten und vorn ein Plattfuß. Ein Fall für den Sperrmüll. Denkste. Aus den immer gleichen Ecken des Saals übertreffen sich die Bieter. Fünfzig, einhundert, einhundertfünfzig – am Ende kommt die vermeintliche Schrottgurke für satte 175 Euro untern Hammer. Nur Profis sehen: Rahmen und Schaltung des Fahrrads sind nicht von der Stange im Baumarkt, könnten im Einzelverkauf noch viel mehr Geld einbringen.

Irgendwann stellt sich aber unweigerlich die Frage, wie der ganze Kram ins Fundbüro gelangt. Eine Uhr, ein Nudelholz – okay, das lässt sich schon mal verlieren. Aber ein Fahrrad? Ein Moped? Da gibt es ganz unterschiedliche Wege, wie Stadtsprecher André Wucht erklärt. Bürger rufen an und melden ein herrenloses Fahrrad, das irgendwo in der Gegend herumsteht. Mitunter tauchen aber auch beim Aufräumen auf Brachen alte Räder auf.

Das Moped – das diesmal mit 350 Euro den höchsten Einzelerlös einbrachte –, hatte hingegen die Polizei vorbeigebracht. „Das war mal beschlagnahmt worden und der Besitzer wollte es wohl nicht wiederhben“, erklärt Andreas Fröde. Am Ende der Auktion stehen diesmal fast 2 800 Euro als Einnahmen unter dem Strich. Dreimal mehr als noch im vergangenen Jahr. Neben 39 Fahrrädern und dem Moped fanden auch sieben Uhren, zwei Handys und 18 andere Gegenstände einen neuen Besitzer.