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Dreijähriger steckt mit Finger fest

Eigentlich wollte Constantin mit seinem Opa in Pirna Eis essen gehen. Doch dann musste die Feuerwehr anrücken.

Die Retter und der Übeltäter: Die Platte war etwas zu interessant, sodass Constantin mit schwerem Gerät befreit werden musste.
Die Retter und der Übeltäter: Die Platte war etwas zu interessant, sodass Constantin mit schwerem Gerät befreit werden musste. © Daniel Förster

So schnell wird Constantin einen seiner Finger nicht wieder in ein Loch stecken. Das steht für die Feuerwehrleute und die Einsatzkräfte des DRK-Rettungsdienstes fest.  Der Dreijährige schüttelt mit dem Kopf. „Das mache ich nie wieder. Dann tut es mir wieder weh und ich komme nicht mehr los“, sagt er, als er auf dem Arm von Rettungsassistent Matthias Urban sitzt und das Loch in der gusseisernen Platte sieht, in der er mit seinem linken Zeigefinger feststeckte - für mehr als eineinhalb Stunden.

Opa Jörg hatte am Nachmittag seinen Enkel bei der Schwiegertochter in Dohna für einen Ausflug nach Pirna abgeholt. „So wie des Öfteren waren wir in der Altstadt Eis essen und sind dann noch ein bisschen spazieren gegangen, wollten zum Markt“, erzählt der 67-Jährige. „Nur heute ist uns etwas dazwischen gekommen. Das war Pech. Obwohl nur einmal Eis essen angesagt war, wurde daraus dann zweimal.“ 

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Beide waren auf der Schössergasse unterwegs. Neugierig lief der aufgeweckte Junge an den Hauswänden entlang. Kurz hinter dem Fischladen entdeckte er zwei flache Öffnungen im Sandsteinsockel. „Er hatte gleich mit seiner Hand reingelangt und fragte, was das ist." Doch als er seine Hand wieder herausziehen wollte, passierte nichts. Constantin steckte fest.

Hausmittel helfen nichts

Die 79-jährige Helga Schirmer sah die Szene, als sie aus ihrem Fisch-Geschäft kam. „Es tat mir so leid, ich hatte richtig Angst um den Kleinen. Ich habe ja auch Enkelkinder in seinem Alter, denen so etwas hätte passieren können.“ Schnell holte sie Sonnenblumenöl. „Wir haben es erst damit immer wieder versucht. Doch der Finger ging nicht vor oder zurück. Mittlerweile schwoll er schon an und uns wurde klar, dass er nicht mehr von allein rausgeht“, berichtet der Großvater.

Er wählte den Notruf. Wenig später traf als erstes ein DRK-Rettungswagen ein. Fischverkäuferin Helga Schirmer half mit Bindfaden aus, mit dem die Sanitäter vor Ort werkelten. „Mit dem Zwirn haben wir versucht, wie wenn ein Ehering zu fest sitzt, den Finger für das Herausziehen abzubinden“, erklärt DRK-Notfallsanitäter Marco Leupold. Doch nichts brachte den angestrebten Erfolg. Es musste größeres Gerät her. Mittlerweile war auch die Feuerwehr eingetroffen, und spannte die Platte in einen Schraubstock ein. 

Was hinter diesem Loch zu finden ist, wollte der Dreijährige herausfinden.
Was hinter diesem Loch zu finden ist, wollte der Dreijährige herausfinden. © Daniel Förster

Das Kleinkind mit Ohrenschützer und Helm auf dem Stuhl, gingen Feuerwehrleute und Rettungsdienst mit vereinten Kräften in einer Werkstatt an die Arbeit. Die Brandschützer bohrten ein zweites Loch unmittelbar neben das ursprüngliche, frästen mit dem Winkelschleifer von dort einen Spalt bis zur Kante und einen weiteren Spalt zu dem Loch, in dem der Finger klemmte, so Uwe Mörbitz, diensthabender Wachabteilungsleiter. Bis auf einen Millimeter kamen sie an den Finger heran. Dann wurde es dem Jungen trotz fortwährender Kühlung zu heiß und die Feuerwehr setzte schließlich die Feile an.

„Weil wir nicht wussten, wie nahe wir uns an seinen Finger rantrauen können, haben wir das letzte Stück selber gefeilt“, so Hauptbrandmeister Mörbitz. Erst in den letzten zehn Minuten wurde Constantin ungeduldig, fing immer wieder an zu weinen. Schließlich konnten die Feuerwehrleute das Metall mit einem Spezial-Brecheisen, aufspreizen und -biegen. „Dann hat das Metall nachgegeben, das Reststück riss auf und er bekam genügend Luft, um seinen Finger rauszunehmen“, so Mörbitz.

Viel Schreck, wenig Schrammen

Der Kleine ist wohlauf und hat „gut mitgemacht“, freuten sich die Einsatzkräfte. Für einen Dreijährigen sei es sportlich gewesen, so lange durchzuhalten. Und bei allem Unglück hat Constantin keinen einzigen Kratzer davongetragen. Dem Knirps fehlt überhaupt nichts.

Alles gut: Verletzungen trug der Junge nicht davon.
Alles gut: Verletzungen trug der Junge nicht davon. © Daniel Förster

Nachdem der Schock verflogen war, konnte der Junge schon wieder lächeln, wollte sich die Drehleiter anschauen und nicht mehr mit dem Rettungswagen, sondern mit der Feuerwehr zurück in die Altstadt fahren. Dort wartete die besorgte Fischverkäuferin. Sie war froh, das Kind so munter wiederzusehen.

„Es hat wunderbar funktioniert, dass die Kameraden der Feuerwehr und vom Roten Kreuz so schnell gehandelt haben“, sagt Opa Jörg Wolf. „Ich bin richtig begeistert von der Truppe, wie sie das hinbekommen haben. Auch wie sie mit meinem Enkel mit seinen gerade mal drei Jahren umgegangen sind, ihn, so weit es ging, abgelenkt haben. Ich kann nur sagen: super. Für die Jungs lasse ich mir was einfallen.“

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