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Dreiländereck soll Europäische Sportregion werden

Nachdem Zittau 2014 als Stadt geehrt wurde, gibt es Kritik an der Nutzung des Titels – und Vorschläge für die Zukunft.

Von Thomas Mielke und Katja Zimmermann

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Ein Weihnachtsbaum steht auf der Startseite der HSG Turbine im Internet und natürlich das Vereinslogo. Beim Deutschen Alpenverein wirbt ein Emblem für das Kletterzentrum „Quacke“ im Westparkcenter. Die Fußballer vom VfB Zittau präsentieren sich, ihre Sponsoren und Gegner mit Logos. Doch keiner der drei großen Sportvereine der Stadt wirbt mit der Auszeichnung „Zittau - Europäische Stadt des Sports“.

Im Herbst 2013 hat die Stadt den Titel für das abgelaufene Jahr bei der EU in Brüssel verliehen bekommen. Grundlage dafür war vor allem der hohe Organisationsgrad der Zittauer in Sportvereinen und die Vielfalt der angebotenen Sportarten. Treiber waren das große Lob für die Organisation der Senioren-Leichtathletik-EM und die bevorstehende Crosstriathlon-WM am Olbersdorfer See, der Zittau den Namen gab.

Doch daran, dass die Stadt den Titel ausreichend genutzt, mit ihm für sich und ihre Sportvereine geworben hat, gibt es Zweifel. „Mit dem Titel ist zwar keine automatische Sportförderung verbunden, aber man kann damit hausieren gehen“, sagt zum Beispiel Ex-Bürgermeister Michael Hiltscher (CDU), der sich sehr um die Vergabe des Titels nach Zittau bemüht hat. „Das war aber sehr seicht.“ Auch von Landtagsabgeordneten Stephan Meyer (CDU), der Zittau damals aufgefordert hatte, sich zu bewerben, kommen kritische Worte: „Ich hätte mir durchaus gewünscht, dass man für die Region Zittauer Gebirge den Titel stärker für das Tourismusmarketing eingesetzt hätte.“ Außerdem hätte die Stadt damit stärker um Fördermittel für ihre Sport-Infrastruktur werben können. Dass es auf diesem Gebiet genügend Baustellen gibt, zeigt das städtische Sportstättenkonzept. Außerdem wünscht sich Meyer, dass die Stadtverwaltung die Vereine besser einbezogen hätte. Ähnlich denkt auch Horst Seifert, Geschäftsführer des größten Sportvereins im Landkreis, der Zittauer HSG Turbine. Zwar freut er sich, dass die Stadt den Titel bekommen hat. Auch hat die HSG versucht, ihn möglichst oft zu nutzen, zum Beispiel bei ihrem europäischen Sportfest im Herbst. Aber er sei enttäuscht, wie die Werbung mit dem Titel von der Stadt gehandhabt worden sei, sagte er der SZ. Er hätte sich gewünscht, dass die Verwaltung die Organisation übernommen und auf die Vereine zugegangen wäre. So kommt Seifert zu dem Schluss: „Im Endeffekt machen wir viel zu wenig daraus.“

Natürlich hätte man mehr machen können, erwidert Kai Grebasch, Sprecher der Verwaltung und Verantwortlicher für das Stadtmarketing, auf Anfrage der SZ. Doch das ginge nur, wenn man deutlich mehr Geld in die Hand nehme – was aber nicht vorgesehen war. Dennoch sehen er und Volker Beer, der für den Sport zuständige Referatsleiter der Stadt, dass der Titel Zittau eine ganze Menge gebracht hat: Für die Vereine war es eine Auszeichnung, über die sie sich gefreut haben, die ihnen Motivation gegeben hat. Viele haben laut Grebasch und Beer den Schriftzug „Zittau - European of Town of Sports 2014“ auf Briefbögen, T-Shirts, Bannern und Ähnlichem verwendet. „Wir alle haben den Titel bekommen und konnten ihn verwenden“, sagt Grebasch. Auch die Stadt selber hat damit geworben. Die Faustball-Damen aus Hirschfelde tragen den Schriftzug sogar auf ihren Bundesliga-Trikots, sagen die beiden. Nicht zuletzt dadurch „ist Zittau auch überregional ins Blickfeld gerückt“, so Grebasch. Der Titel hat auch dazu beigetragen, dass Zittau erstmals als „Sportfreundliche Kommune“ ein Preisgeld bekommen hat, dass nun für die Deutschen Meisterschaften der Faustballer und der Crosstriathleten eingesetzt werden kann. Einige Vereine haben ihn als eine Art Gütesiegel für Bewerbungen um hochrangige Wettbewerbe eingesetzt. Durch den Titel hat die Stadt bis heute regelmäßige Kontakte zur Bewertungskommission in Brüssel und bekommt von ihr wertvolle Tipps, zum Beispiel über Fördermöglichkeiten. Auch beim Antrag für die Sanierung des Daches der Kantstraßen-Sporthalle verspricht sich die Verwaltung einen Schub davon.

Die tschechischen Nachbarn – Ostrava und Nachod waren in europäischen Dimensionen gesehen 2014 und 2013 die einzigen Städte in Zittaus Nähe, die den Titel ebenfalls bekamen – hatten andere Ideen. Der Titel habe die Stadt dazu angeregt, ihre Sportstätten zu rekonstruieren, teilt Nachods Sprecherin Nina Adlof mit. Dafür bewerbe sich die Stadt mit dem Titel um Fördermittel der EU. Zudem habe der gezielte Einsatz der Auszeichnung dazu geführt, dass nun eine Reihe bekannter Sportler in Nachod trainieren und die Zahl der Touristen deutlich gestiegen ist. Ostrava habe das Projekt auf die Unterstützung innovativer Aktivitäten von Sportorganisationen, Bildungsinstitutionen, Freizeitverbänden und Einzelpersonen ausgerichtet, so Stadtsprecherin Andrea Vojkovská. Damit hätten sie selbst „Produkte“ entwickelt, die interessant für potenzielle Sponsoren sein könnten. Ostrava prüft derzeit, welche Projekte sie mit Geld oder Öffentlichkeitsarbeit weiter unterstützt.

Zittau kann auch heute noch solche Wege gehen. Der Titel bleibt, auch wenn er nur ein Jahr offiziell galt. „European Town of Sports 2014 sind wir die nächsten 100 Jahre“, sagt Grebasch. Der Titel sei Ansporn für die Stadt, an dem Thema dranzubleiben. Den Kritikern Meyer und Hiltscher geht das nicht weit genug. Sie schlagen vor, dass sich Zittau 2015 erneut bewirbt – diesmal mit den Nachbarn aus Hradek und Bogatynia als Europäische Region des Sports. Mit diesem Titel könnte die ganze Gegend besser vermarktet werden. Wenn das nicht klappt, solle sich Zittau 2016 erneut als Stadt bewerben, sagt Hiltscher. Referatsleiter Beer aber winkt ab: „Das war eine sehr schöne Sache. Aber sie ist sehr aufwendig.“ Deshalb gebe es keine Pläne für eine erneute Bewerbung.

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