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Dreiländereck könnte vom Saarland lernen

Der Entwurf des Entwicklungskonzepts für das Gebiet Liberec-Zittau liegt jetzt aus. Heute, im 4. und letzten Teil der kleinen SZ-Serie zum Papier: die Sprachbarriere.

Ein Blick auf Zittau. Das Luftbild entstand 2019.
Ein Blick auf Zittau. Das Luftbild entstand 2019. © Jens Neumann-Weinbeer/www.zittau

Die Stadt Zittau will sich nicht damit abfinden, dass Städte wie sie, die nicht im Speckgürtel einer Metropole wie Dresden, Leipzig oder Chemnitz liegen, keine oder nur geringe Entwicklungschancen haben. Sie hat eine Studie in Auftrag gegeben, um deutlich zu machen, dass die Region um die Stadt Zittau nicht an der Grenze endet. Auf der Grundlage einer Regionalanalyse, zu der unter anderem 40 Experteninterviews beitrugen und zwei Expertenworkshops in Zittau und Liberec, liegt nun der Entwurf der Entwicklungskonzeption vor und ist bis zum 22. August online und im Rathaus einsehbar. Darüber informiert Zittaus Stadtplaner Matthias Matthey. Ein Teil der Studie widmet sich der Sprachbarriere.

Für die Entwicklung des Gebietes Liberec-Zittau ist die Sprachbarriere ein Problem. Für die Berufsausübung in Deutschland müssen Ausländern meist das B2-Niveau nachweisen. Das heißt: Die Person muss sich spontan und fließend verständigen können.

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In der Studie wird aber deutlich, dass für die jeweiligen Nachbarsprachen wenig Kenntnisse vorhanden sind - vor allem auf deutscher Seite. Obwohl es im Kinderbereich schon Beispiele für Zweisprachigkeit gibt. Von den Schülern im deutschen Teil des Untersuchungsgebiets beschäftigt sich etwa ein Viertel, von den tschechischen Schülern sogar etwa 90 Prozent während der Schulzeit irgendwann einmal mit der Nachbarsprache - auch als zweite oder dritte Fremdsprache.

Im polnischen und tschechischen Teil sprechen etwas mehr Menschen Deutsch, insbesondere wenn sie beruflich mit deutschen Kunden zu tun haben. B2-Kenntnisse sind aber auch hier die Ausnahme. Dennoch gibt es bereits in der Region zweisprachige Kitas und Schulen - wobei nicht englisch, sondern neben deutsch, tschechisch oder polnisch gemeint ist. 

Liberec ist einen Schritt weiter

Das Gymnasium F. X. Saldy in Liberec ist die älteste zweisprachige Schule der Region. Bereits in den 1960er und 70er Jahren gab es hier mehrsprachigen Unterricht auf Deutsch in Biologie, Physik, Geschichte und Englisch. Seit 1991 hat das Gymnasium nun schon eine tschechisch-deutsche Klasse. In der deutschen Abteilung des Gymnasiums sind sechs deutsche Lehrer beschäftigt, die von Deutschland entsandt werden. Die Schüler legen sowohl das tschechische als auch das deutsche Abitur ab und besitzen so für Tschechien, Deutschland und Österreich die Zugangsvoraussetzung für ein Hochschulstudium.

In Liberec gibt es ebenso eine Schule, in der von der 1. bis zur 9. Klasse die Schüler als erste Fremdsprache ab der 1. Klasse Deutsch lernen. Auch hier arbeiten deutsche Lehrer. Das Interesse der Schüler an der Schule ist größer als die maximal mögliche Schülerzahl.

Studie: Diese Strukturen reichen nicht

Zweisprachige Schulen gibt es in und um Zittau bisher nicht. In den Schulen des Schkola-Schulverbundes in Hartau, Ostritz und in Ebersbach lernen die Kinder zwar ab der 1. Klasse durchgehend Tschechisch oder Polnisch, aber Unterricht in der Nachbarsprache ist nicht vorgesehen.

Zweisprachige Kindertagesstätten sind schon mehr vorhaben. Eine tschechisch-deutsche Kita gibt es in Liberec sowie auf deutscher Seite in Lückendorf und Eichgraben. Und es gibt das deutsch-polnische Kinderhaus St. Franziskus in Ostritz. Diese Strukturen reichen aber nicht, heißt es in der Studie. "Es muss Standard werden, in Zittau lernt man tschechisch." 

Das es anders geht, beweist das Saarland. Dort wird seit 2014 eine "Frankreich-Strategie" verfolgt. Damit will sich das Saarland beim Standortwettbewerb durch seine Frankreich-Kompetenz von anderen Grenzregionen abheben. Frankreich-Kompetenz bedeutet Zweisprachigkeit und interkulturelle Kompetenz seiner Bevölkerung. So soll ein mehrsprachiger Raum deutsch-französischer Prägung entstehen.

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