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Dreimal ins Ne(s)t(z)

Schiller hat nicht gesagt: „Drum prüfe ewig wer sich bindet“, sondern: „Drum prüfe wer sich ewig bindet“. Zwölf Jahre Prüfzeit sind genug, sagten sich Antje Minkwitz und Thomas Waurick, die am Sonnabend im Beisein ihrer Verwandten, Freunde und Bekannten, sowie der Sportkameraden von Einheit Kamenz den Bund fürs Leben schlossen.

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Von Lothar Schöppe

Thomas Waurick, langjähriger Libero beim Bezirksligisten „Einheit“, ist es ja gewöhnt, mit seinen Mannschaftskameraden vor vielen Zuschauern aufzutreten, doch was dem jungen Paar am Polterabend beschieden war, hätten sich beide kaum träumen lassen. Über 260 Gäste hatten sich im extra auf dem Sportplatz aufgestellten Festzelt eingefunden. Darunter Freunde aus Wiesa, Arbeitskollegen und selbstverständlich auch seine Sportkameraden.

Sie hatten nicht nur großen Durst mitgebracht, immerhin wurden fast neun Fässer Bier geleert, sondern auch jede Menge Geschirr zum Zerschlagen. Wenn Scherben Glück bringen sollen, wie es im Sprichwort heißt, dann ist dem frisch vermählten Paar jede Menge Glück beschieden, denn am Freitag durften beide einen 10-Tonnen-Container mit all den Relikten beladen, die ihre Gäste zerdeppert oder verstreut hatten. Darunter Bierdeckel, Konfetti, Dachziegel, Gläser, ja sogar Klobecken. „Es war ein ergreifender Augenblick, als die Freunde aus Wiesa 400 Luftballons in den Himmel steigen ließen“, so Antje Minkwitz, die Braut. Noch immer begeistert von der Stimmung beim Polterabend und trotz der vergossenen Schweißtropfen beim Saubermachen. Dass die künftige Lehrerin ihren Thomas liebt, war ihr dabei an den Augen abzulesen. Woher kommt die große Popularität des jungen Paares?

Wichtigster Treffer ist

natürlich die Frau

Da braucht man nur die Kamenzer Fußballfans zu fragen. Thomas wurde schon als siebenjähriger von seinem Vater an den Ball geführt. Über die Stationen Vorwärts Kamenz und Fortschritt Bischofswerda kam er schließlich 1989 zu Einheit. In über 310 Punktspielen schoss er als Mittelfeldspieler und Libero immerhin 36 Tore. Sein wichtigster Treffer ist indes seine junge Frau, natürlich freut sich der 31-Jährige besonders darüber, dass ihm mit seinen Mannschaftskameraden der Aufstieg in die Bezirksliga gelang. „Das war für Kamenz schon lange fällig“, sagte der bescheidene Sportsmann, der nun nach Erreichen dieses Zieles die Fußballschuhe eigentlich ausziehen wollte, denn seine jetzige Tätigkeit bei Obi und die Sonnabendspiele lassen sich nur schwer unter einen Hut bringen. Doch den Oberen von Obi liegt auch die Entwicklung des Fußballsports in der Kreisstadt am Herzen und sie schaffen ihm entsprechende Arbeitsbedingungen. Darüber freut sich Thomas ganz besonders und auch seine Antje ist damit einverstanden, dass er vorerst noch ein Jahr Bezirksliga dranhängt.

Bei der standesamtlichen Trauung am Sonnabend wartete auf das Paar noch eine besondere Überraschung, durch seine Mannschaftskameraden. Mitten auf dem Marktplatz vor dem Rathaus hatten sie ein Tor aufgebaut mit drei großen Ringen. Als das Brautpaar in der weißen Hochzeitskutsche erschien, bildeten sie Spalier. Danach mussten beide je drei Schuss auf das Tor abgeben und möglichst das Leder durch die Ringe ins Netz schießen. Der linke Ring zeigte die Geburt eines Jungen an, der mittlere sollte Zwillinge bescheren und der rechte Glück für ein Mädchen. Wenn dieses Omen in Erfüllung geht, kann sich Thomas auf vier Kinder freuen, denn seine drei Schüsse lagen alle im Zentrum.

Viele Sportfreunde und Kamenzer Bürger hatten sich zu dem Spektakel eingefunden. Unter ihnen Werner Haucke (68,) der als ehemaliger eisenharter Verteidiger noch heute bei den Eisernen spielt. Werner hat selbst viele Jahre Bezirksliga in den Beinen und war mit dabei, als Einheit die Aufstiegsspiele in die DDR-Liga gegen Zittau bestritt. „Ich bin nach wie vor mit dem Verein verbunden und freue mich für das frisch vermählte Paar.“ Mannschaftsleiter Lutz Kutschera sagte: „Es war eine gute Idee von der Mannschaft, dem Brautpaar auf diese Weise ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen.“ Mannschaftskapitän Mirko Hesse: „Ich habe viele Jahre mit Thomas zusammengespielt. Da freuen wir uns alle über sein künftiges Glück“. Und auch Trainer Werner Pafelt war begeistert. „Eine solche Hochzeit erlebe ich zum ersten Mal. Ich wünsche beiden von ganzem Herzen Glück.“ Diesen Worten schließt sich SZ an.