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Dresden 13. Februar

In Schutt und Asche

Das Panometer in Reick zeigt, wie Dresden unmittelbar nach der Zerstörung im Februar 1945 aussah. Aber es gibt noch mehr zu sehen.

Yadegar Asisi präsentiert im Panometer sein 360-Grad-Panorama „DRESDEN 1945“ Tragik und Hoffnung einer europäischen Stadt. Dazu wird die Sonderausstellung „Dresden in vier Ansichten“ gezeigt.
Yadegar Asisi präsentiert im Panometer sein 360-Grad-Panorama „DRESDEN 1945“ Tragik und Hoffnung einer europäischen Stadt. Dazu wird die Sonderausstellung „Dresden in vier Ansichten“ gezeigt. © Wolfgang Wittchen

Es ist bedrückend und trostlos, das zerstörte Dresden zu sehen. Der Besucher hat das Gefühl, vom Rathausturm auf die Stadt zu blicken. Er glaubt förmlich, die Rauchsäulen und die noch in einigen Häusern lodernden Flammen zu spüren. Überall nur Ruinen, dazu aufwühlende Musik.

>> Weitere Texte zum 13. Februar finden Sie in der Themenwelt auf Sächsische.de. <<

Vor fünf Jahren hatte der Künstler Yadegar Asisi erstmals im Gasspeicher in Reick seinen Rundblick über das zerstörte Dresden präsentiert. Seither gehört er zum Gedenken in der Stadt.

„Ich kannte die Bilder, die Wochen nach den Bombenangriffen aufgenommen wurden. Da waren die meisten Straßen schon wieder begehbar. Aber ich wollte den Zeitpunkt unmittelbar nach der Zerstörung erlebbar machen, wenn die Menschen aus ihren Kellern raus in eine Hölle kommen“, sagt Yadegar Asisi. So will er die Ohnmacht des Krieges zeigen. Das sei eine besondere Herausforderung für ihn gewesen, er habe zur Vorbereitung sehr viel recherchiert, mit Zeitzeugen gesprochen.

Für den Künstler selbst war die Arbeit auch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte. Er wurde 1955 in Wien geboren, auf der Flucht. Aufgewachsen ist er in Halle und Leipzig in einer Zeit, als die Städte noch von Ruinen geprägt waren. Später hat Asisi von 1973 bis 1978 Architektur an der Technischen Universität Dresden studiert. Weil die DDR aber das Kind persischer Eltern danach aufgefordert hat, das Land zu verlassen, studierte er anschließend Malerei an der Hochschule für Künste in Westberlin. Er machte Karriere als Architekt und gab sein Wissen als Hochschulprofessor weiter.

Schon seit Kindertagen faszinieren Yadegar Asisi die Techniken der Raumillusion. Er war von der italienischen Renaissance-Malerei um 1500 und den perspektivischen Prinzipien schon in seiner Jugend begeistert. Als er dann 1993 bei der Arbeit als Architekt für eine Ausstellung das Medium Panorama für sich entdeckte, entstand ein neues berufliches Gebiet.

Den ersten 360-Grad-Rundblick eröffnete er 2003 in einem ehemaligen Gasspeicher in Leipzig. Aus Panorama und Gasometer schuf er übrigens das Wort Panometer. Drei Jahre später folgte Dresden. Inzwischen sind seine Arbeiten auch in Berlin am Checkpoint Charlie und auf der Museumsinsel, in Pforzheim, Wittenberg, Hannover und im französischen Rouen zu sehen.

Auch wenn Yadegar Asisi Dresden nach seinem Studium verlassen hat, beschäftigten ihn die Stadt und ihre Geschichte weiterhin. Nach seiner Einschätzung gehören der barocke Glanz und die Zerstörung im Februar 1945 zur DNA von Dresden.

Beiden Themen widmet er sich im Reicker Panometer. Die Ausstellung „Dresden im Barock“ zeigt die Stadt um 1756. Der Betrachter glaubt sich auf dem Dach der Hofkirche, sein Blick schweift über Plätze und Gassen mit dem Residenzschloss, dem Zwinger, über Kirchen und Paläste. Unter August dem Starken und seinem Sohn waren Kunst und Kultur in Dresden aufgeblüht. Grundlage für dieses Panoramabild bildeten Dresdner Veduten von Bernardo Bellotto, bekannt als Canaletto. Mythos Dresden wird wieder im Spätsommer zu sehen sein. Die etwa 3.000 Quadratmeter großen Bilder bestehen aus einzelnen Bahnen aus Polyester und wiegen etwa 750 Kilogramm.

Vor 75 Jahren wurde Dresden bei den Luftangriffen zerstört, das einst berühmte Elbflorenz ausgelöscht. „Was bis heute bleibt, ist eine große Sehnsucht nach dem alten Dresden“, sagt Autor Peter Ufer. Wie sehr sich die Stadt jedoch gewandelt hat, zeigt er in der Ausstellung „Dresden – vier Zeiten, vier Ansichten“. Jeweils vier Fotos, eines vor dem Krieg, ein weiteres von der Zerstörung, sowie eine Ansicht aus DDR-Zeiten und ein aktuelles Bild werden auf 17 Stelen präsentiert. Die Ausstellung hat Peter Ufer gemeinsam mit dem Grafiker Thomas Walther und seinem Team gestaltet.

Andere Städte wurden im Zweiten Weltkrieg zum Teil viel stärker als Dresden zerbombt. Daran erinnern verschiedene Zitate in der Ausstellung, wie das von Herbert Wehner: „Dresden – Das war meine Heimatstadt: Dort ist auch meine Mutter in dem Bombardement umgekommen. Ich würde es dennoch ablehnen, Dresden mit Guernica und mit Oradour und Katyn in eine Reihe zu stellen.“

In Kürze erscheint das gleichnamige Buch von Peter Ufer. Es zeigt insgesamt Ansichten von 35 Plätzen und enthält fünf Essays des Autors. Yadegar Asisi wiederum betrachtet die Ausstellung als gelungene Ergänzung zu seinen Dresden-Panoramen. Sie ist zugleich ein Auftakt für die neue Zusammenarbeit.

Auch wenn Künstler bekanntlich selten in Rente gehen, hat er im vergangenen Dezember einen Mietvertrag mit der DDV Mediengruppe, zu der die Sächsische Zeitung und sächsische.de gehören, zum Betreiben des Panometers geschlossen. „Ich freue mich sehr, dass die Zusammenarbeit nun mit diesem neuen Projekt beginnt und wir das eindrucksvolle Kunstwerk DRESDEN 1945 mit Dresdner Stadtgeschichte im Wandel der Zeit bereichern können“, sagt DDV-Geschäftsführer Carsten Dietmann.

Dresden 1945

Tragik & Hoffnung einer Stadt: Im Maßstab 1:1 zeigt das 360°-Panorama die Stadt nach den Bombenangriffen im Februar 1945. Neben der Tragik verkörpert Dresden auch Hoffnung für den Wiederaufbau.

Ein Zeitzeugenfilm demonstriert auf bewegende Weise den Aufbau Dresdens nach dem Bombardement bis heute und beleuchtet aktuelle Pläne.

Neue Sonderausstellung: Die Schau „Dresden – vier Zeiten, vier Ansichten“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Dr. Peter Ufer, welches im Februar erscheint. Es werden jeweils vier Ansichten von 17 Orten in der Stadt gezeigt.

Adresse: PANOMETER DRESDEN, Gasanstaltstraße 8b, 01237 Dresden

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage von 10 bis 18 Uhr

Tickets: 11,50 Euro, ermäßigt 10 Euro

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