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Leser wählen barockes Narrenhäusel ab

In einer sächsische.de-Befragung, welcher der drei Entwürfe am besten gefällt, gibt es einen klaren Favoriten und einen Verlierer.

So sah das Narrenhäusel um 1935 aus.
So sah das Narrenhäusel um 1935 aus. © Sammlung Holger Naumann

Dresdner sind immer wieder für eine Überraschung gut. Das zeigt sich auch in einer nicht repräsentativen Befragung von Sächsischer Zeitung und Sächsische.de, in der die Leser wählen konnten, welcher der drei Entwürfe für das Narrenhäusel ihnen am besten gefällt.

Barock zieht nicht immer

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Wer hätte gedacht, dass sie sich gegen den Architekturentwurf von Martin Trux entscheiden, der sich am barocken Original orientiert? Und das, obwohl er mit seinem Mansarddach und der Fassadengestaltung sehr harmonisch wirkt. Selbst Bauunternehmer Frank Wießner, der das Narrenhäusel wieder aufbauen will, hatte diese Variante für sich favorisiert, weil ihm die Proportionen ausgewogener erschienen. Doch Barock scheint tatsächlich nicht alles zu toppen, obwohl man diesen Eindruck in Dresden leicht bekommen kann. Mit 180 Stimmen kommt der Trux-Entwurf nur auf Platz zwei in der SZ-Befragung.

Harmonie ist nicht alles

Mit über 40 Stimmen deutlich besser schneidet Pontus Falk mit seiner Idee für die Rekonstruktion des historischen Gebäudes ab, die insgesamt 222 erhält. Es war am Anfang des 20. Jahrhunderts ungebaut worden und bekam neben einem weiteren Geschoss auch ein Walmdach. Das hat der Verfasser des zweiten Entwurfes aufgegriffen und sein Gebäude anhand dieser Eckpunkte gestaltet. Tatsächlich wirkt das flache Walmdach leicht gewöhnungsbedürftig. Aber immerhin hat das Narrenhäusel bis zum Brand 1945 so ausgesehen.

Zu viel gewollt

Am wenigsten gefallen hat in der Befragung der dritte Entwurf des Dresdner Architekturbüros Ipro. Es liegt mit lediglich 112 Stimmen weit abgeschlagen auf Platz drei. Dabei wirkt gerade dieser Entwurf als derjenige, der viel aus den einzelnen Zeitschichten zusammenführen will. Möglicherweise ist ihm dies zum Verhängnis geworden. Auch die Gutachtersitzung am Montag, in der zwei Mitglieder der Gestaltungskommission, Vertreter des Stadtplanungsamtes und Stadträte saßen, kam zu dem Ergebnis, dass der Ipro-Entwurf nicht weiter verfolgt werden soll. Nun stehen nur noch die anderen beiden zur Debatte.

Für den Neubau des Dresdner Narrenhäusels gibt es drei verschiedene Entwürfe. Dieser kommt vom Berliner Architekten Pontus Falk. 
Für den Neubau des Dresdner Narrenhäusels gibt es drei verschiedene Entwürfe. Dieser kommt vom Berliner Architekten Pontus Falk.  © Visualisierung: Pontus Falk
Martin Trux, Architekt aus Dresden, stellt sich das Narrenhäusel so vor. 
Martin Trux, Architekt aus Dresden, stellt sich das Narrenhäusel so vor.  © Visualisierung: Andreas Hummel, Arte 4d
Der Entwurf von Ipro Consult Dresden gefällt den Nutzern am wenigsten. 
Der Entwurf von Ipro Consult Dresden gefällt den Nutzern am wenigsten.  © Visualisierung: arte 4d

Investor hat nun Stimmungsbild

Für Bauunternehmer Frank Wießner hat die Befragung eine klare Tendenz gezeigt. „Zwei Entwürfe liegen deutlich vorn, aber nicht extrem weit voneinander entfernt“, sagt er. Für ihn sei es ein Glücksfall, dass sich die Bevölkerung ähnlich entschieden hat wie das Gutachtergremium. „Da kann ich mir sicher sein, nichts gegen den Willen der Dresdner zu bauen.“

Obwohl ihm zunächst der am barocken Vorbild angelehnte Entwurf besser gefallen hat, habe ihn die Argumentation in der Gutachtersitzung überzeugt. Dort erhielt der Entwurf von Pontus Falk viel Lob von den Mitgliedern der Gestaltungskommission. In ihm sei die historische Entwicklung des Hauses, die zeitlichen Brüche sehr gut sichtbar. Auch wenn er optisch nicht am harmonischsten wirke. „Diese Herangehensweise gefällt mir gut“, sagt Wießner. Doch bisher gibt es nach der Gutachtersitzung ein Patt von zwei zu zwei Stimmen für beide Entwürfe.

Entgegen der Aufgabenstellung

Fakt ist allerdings, dass sich der Entwurf von Martin Trux nicht an die Aufgabenstellung des Architekturwettbewerbes hält. Darin ist eindeutig gefordert, dass es um eine möglichst originalgetreue Rekonstruktion des Gebäudes zum Zeitpunkt der Zerstörung geht. Das hatte der Stadtrat in der Vorlage zum Verkauf des Grundstückes beschlossen. Der Entwurf von Trux greift jedoch eine frühere Epoche auf und lehnt sich an ein barockes Palais an.

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Beide Entwürfe müssen überarbeitet werden, hat das Gutachtergremium entschieden. So sind etwa Änderungen am Mansarddach des barocken Entwurfs vorgeschlagen worden, sagt Investor Wießner. Am 6. November soll der Bauausschuss über die Ergebnisse der Sitzung informiert werden. Danach muss Wießner die modifizierten Entwürfe noch einmal den Gutachtern vorstellen, bevor sie zur Entscheidungsfindung in den Stadtrat gehen sollen. Geht es nach dem Investor, würde er so schnell wie möglich anfangen zu bauen. Doch derzeit ist unklar, wann der Baustart sein könnte. Das Narrenhäusel wurde 1755 gebaut und brannte im Zweiten Weltkrieg aus. 1950 wurde es abgerissen.

Die Abstimmungsergebnisse wurden am Freitagnachmittag nachgezählt, sie könnten sich verändert haben.

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