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Die eigene Tochter gewürgt?

Eine Dresdnerin soll ihre Tochter schwer verletzt haben, als sie die Ausreißerin nach Hause holen wollte. Hat sie sich auch auf sie gesetzt und sie gewürgt?

Jenny P. soll ihre Tochter schwer verletzt haben. Sie steht nun zusammen mit ihrer Schwester vor dem Dresdner Amtsgericht.
Jenny P. soll ihre Tochter schwer verletzt haben. Sie steht nun zusammen mit ihrer Schwester vor dem Dresdner Amtsgericht. © Sven Ellger

Dresden. Es kommt nicht oft vor, dass sich Mutter und Tochter vor Gericht gegenüberstehen. Erst recht nicht, wenn das Kind noch zu Hause wohnen, zur Schule gehen und von den Eltern umsorgt werden sollte. Doch am Abend des 2. April 2019 musste die Polizei bei Jenny P. und ihrer Tochter anrücken.

Die Dresdner Staatsanwaltschaft wirft der 34-jährigen Mutter vor, ihr Kind mit beiden Händen an die Wand geschubst, an den Haaren durch die Wohnung gezerrt und sich später auf sie gesetzt und sie gewürgt zu haben. Die Tante des Kindes, Nadine S., habe mitgemacht, heißt es. 

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Die Folge: Verletzungen und blaue Flecken. Wegen gefährlicher Körperverletzung stehen beide Frauen deshalb seit Mittwoch vor dem Amtsgericht Dresden. Die Mutter muss sich außerdem wegen Beleidigung verantworten. Am Sachsenforum-Einkaufszentrum in Gorbitz soll sie ihrer Tochter Monate später hinterhergerufen haben: „Bleib' stehen, du Schlampe, oder ich schieß' dir gleich eine.“

„Ich werde sie nicht getragen haben“

Die dreifache Mutter, die sich mittlerweile von beiden Kindsvätern getrennt und einen neuen Mann hat, beschreibt die damals 15-jährige Tochter als schwer erziehbar. Früher sei sie ein liebes „Mädel“ gewesen, erzählt Jenny P. „In der Schule lief es.“ Dann habe der Teenager einen Freund kennengelernt. Von da an sei alles schiefgelaufen. Er habe sie geschlagen, dann sei sie zurückgekommen. Kurze Zeit später kehrte sie zu ihrem Freund zurück. „Mal war ich Mutti, mal die Dumme.“ 

Seit 2018 lebe die Tochter in einer betreuten Wohngemeinschaft. Von dort sei sie aber immer wieder ausgerissen. „Wie oft ich sie aus den Wohnungen fremder Männer holen musste, darüber könnte ich ein Buch schreiben“, so Jenny P. „Die letzten Jahre waren eine Katastrophe.“

Dass die zerrüttete Beziehung zwischen Mutter und Tochter an jenem Abend eskalierte, bestreitet Jenny P. nicht. Ihre Tochter wäre damals einmal mehr ausgerissen, hätte die Wohnheimgruppe einfach so verlassen, in der sie untergebracht war, erzählt sie. Als ihre Schwester erfahren habe, dass sich das Mädchen bei seinem Freund in Gorbitz aufhalten soll, hätten die Frauen beschlossen, dorthin zu fahren. In dem Wohnhaus kommt es zur Konfrontation. „Sie stand im Flur, wollte wieder wegrennen“, so die Mutter. „Ich habe sie festgehalten und mit meiner Schwester ins Auto gepackt.“ 

Wie das passierte, wisse sie nicht mehr genau. „Ich werde sie nicht getragen haben.“ Aber gegen eine Wand will Jenny P. das Mädchen auch nicht geschubst haben, behauptet sie. Sie habe dann die Wohnung mit den Worten „Scheiß Zigeuner“ verlassen und auf den Boden gespuckt. „Diese Familie ist für mich ein rotes Tuch.“

Noch kein Urteil

Was anschließend in der Cottaer Wohnung der Familie passierte, daran erinnern sich die Schwestern höchst unterschiedlich. Mutter Jenny sagt, ihre Tochter habe der Tante in den Bauch getreten, weil diese sie nicht aus der Wohnung lassen wollte. Daraufhin habe sich die Tante tätlich gewehrt. „Sie hat ihr eine geladen.“ Tante Nadine S. zeigt sich hingegen davon überzeugt, dass sich die Mutter auf den Schoß der Tochter gesetzt habe, um sie am Gehen zu hindern. „Gut möglich, dass sie sie dann gewürgt hat. Das geht aus dieser Position ja leicht.“ Genau könne sie das aber nicht sagen. „Ich habe den Streit nicht ausgehalten und bin gegangen.“

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Welche Aussage zutrifft, ist unklar. Die Tochter, die am Dienstag als Zeugin vernommen werden sollte, hat die Aussage verweigert. Das darf sie, wenn persönliche Gründe wie eine enge Verwandtschaft zum Beschuldigten vorliegen. Nun sollen Ende August weitere Zeugen angehört werden, unter anderem der Freund der Tochter. Jenny P. hat die Vormundschaft für sie inzwischen an das Jugendamt abgegeben, sagt sie.

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