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Fernsehturm: Anwohner wollen mitreden

Am kommenden Freitag stellt Dresden das Mobilitätskonzept zum Fernsehturm vor. Kritiker haben zahlreiche offene Fragen, was die Zufahrt und das Parken anbelangt.

Viele Dresdner freuen sich auf die Wiedereröffnung des Dresdner Fernsehturmes. Anwohner wollen aber die Frage der Erreichbarkeit vorher geklärt wissen.
Viele Dresdner freuen sich auf die Wiedereröffnung des Dresdner Fernsehturmes. Anwohner wollen aber die Frage der Erreichbarkeit vorher geklärt wissen. © René Meinig

Dresden. Viele erwarten es, aber nur 200 Dresdner haben im Kulturpalast Platz, wenn am kommenden Freitagabend das Mobilitätskonzept für den Fernsehturm vorgestellt wird. Die Corona-Regeln erlauben nur diese Anzahl. Für alle weiteren Interessierten gibt es jedoch die Möglichkeit, die Veranstaltung im Livestream anzuschauen. 

Besonders interessiert daran sind die Mitglieder der Bürgerinitiative Fernsehturm (BI), die sich erst vor wenigen Monaten gegründet hat. In ihr haben sich vor allem Anwohner aus Wachwitz, Pappritz, Loschwitz und weiteren Stadtteilen zusammengefunden, die vom erwarteten Publikumsverkehr besonders betroffen wären. Mit Flyer haben sie die Anwohner kürzlich auf die Vorstellung des Konzeptes hingewiesen und sie aufgefordert, dort ihre Ideen und Bedenken vorzutragen. 

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Bisher ist nur wenig aus dem Konzept vorab bekannt geworden. Deshalb hatte sich auch der Ortschaftsrat von Schönfeld-Weißig geweigert, der Absichtserklärung zuzustimmen, mit der die Stadt ihren finanziellen Anteil an der Turmertüchtigung festlegt. Insgesamt sollen 25,6 Millionen Euro in die Revitalisierung des Wachwitzer Sendeturms fließen. Der Bund will davon 12,8 Millionen Euro übernehmen, die im Rahmen der Denkmalförderung zur Verfügung gestellt werden. Das Land Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden stellen laut Plan jeweils 6,4 Millionen Euro zur Verfügung.

Knackpunkt: Fehlendes Geld für Infrastruktur

Knackpunkt für die Anwohner ist, dass mit diesem Geld zwar Schritte zur Betreibersuche sowie die benötigten Planungen und Bauarbeiten finanziert werden sollen. Für den  Ausbau der Infrastruktur aber ist derzeit nichts eingeplant. Marcel Timmroth, der sich in der Stadtverwaltung um das Projekt Fernsehturm kümmert,  formulierte es kürzlich so: "Wir erhoffen uns, freiwerdende Mittel in die Infastruktur investieren zu können." Und meinte damit, dass bei der Planung oder dem Bau etwas eingespart werden könne. 

Doch daran glauben Stefan Doering und andere Mitglieder der BI nicht. "Für uns ist die Führung des Publikumsverkehrs die wichtigste Frage. Denn der Parkplatz in Wachwitz existiert nicht mehr und auf den engen Straßen rund um den Turm kann nicht geparkt werden", sagt Doering. Problematisch sind für ihn vor allem auch die wenigen engen und oft maroden Zufahrtsstraßen und fehlende Park &Ride-Plätze.   

Erst vor wenigen Tagen musste die Stadt eine Schlappe hinnehmen, was den geplanten Parkplatz an der Sohlander Straße betrifft. Er sollte der Ersatz für den weggefallenen Bühlauer P&R-Platz sein, der dem Gymnasium Bühlau weichen musste. Doch Anwohner haben gegen das Vorhaben geklagt und vor dem Oberverwaltungsgericht Bautzen recht bekommen. 

Parkplatz an der Rossendorfer Straße?

Auch einem Vorschlag der Linken, auf einer Wiese an der B6 in Weißig einen P&R-Platz zu errichten, erteilte die Stadt eine Absage. Auch dieser wäre wie der an der Sohlander Straße eine Möglichkeit gewesen, Besucher des Fernsehturms dorthin zu leiten und von dort mit Shuttlebussen zum Turm zu bringen. 

"Und wenn wir überlegen, wo noch Parkplätze entstehen könnten, fallen uns die Elbwiesen ein. Doch die sind geschützt, wie soll das dort gehen?", fragt sich Stefan Doering. 

Einige Punkte hatte Marcel Timmroth in der Sitzung des Ortschaftsrates Schönfeld-Weißig bereits angesprochen. Generell dürften Gäste nicht mit eigenen Autos zum Turm fahren. Stattdessen sollen mehrere Park&Ride-Plätze entstehen, von denen die Besucher mit Shuttlebussen zum Turm gefahren werden sollen. Doch wo, blieb unklar. Die Staffelsteinstraße soll eine der Zufahrtsstraßen sein, nicht die Wachwitzer Bergstraße. Dafür müsse die steile Straße von Niederpoyritz nach Pappritz natürlich ausgebaut werden. Aktuell hat die Stadt gerade diese Straße aber als Einbahnstraße deklariert, weil die Stützmauern dringend erneuert werden müssen. Bis zum Ausbau soll sie nur halbseitig befahrbar sein. Aber wann der beginnt, ist unklar. Und wenn, dauert er mehrere Jahre und kostet mehrere Millionen Euro, befürchten die Mitglieder der BI. 

Einen möglichen Parkplatz nennt Timmroth mit der Rossendorfer Straße, den die DVB schon mal bei der Verlängerung der Linie 11 im Blick hatten. "Mit dem Mobilitätskonzept ergibt sich auch für die Ortschaft die Chance, dass wichtige Infrastrukturprojekte eine höhere Priorität bekommen", sagte er. 

Infoveranstaltung soll Fragen beantworten

Die Vertreter der Bürgerinitiative erhoffen sich am Freitag viele Antworten auf ihre Fragen. Außerdem möchten sie gern in die Lenkungsgruppe zum Fernsehturm aufgenommen werden, in der auch der Fernsehturmverein Vertreter entsenden kann. Es gehe nicht darum, dass Projekt Fernsehturm zu stoppen. Aber wenn er wieder eröffnet, sollen die Voraussetzungen für alle stimmen, sagt Doering. Immerhin werden pro Jahr über 200.000 Besucher prognostiziert. Vor allem an schönen Tagen könne das zum Chaos rund um den Turm führen.

Die Fördermittel liegen bis 2025 bereit, nicht länger. Nach der Schätzung von Timmroth müsse man ein bis zwei Jahre für die Planungsphase rechnen, weitere zwei bis drei Jahre dauere der Bau. "Wir gehen davon aus, dass wir den Betreiber noch dieses Jahr haben", so der Referent. Deshalb müsse die Beschlussfassung jetzt schnell gehen. Vorgesehen war, dass der Stadtrat die Absichtserklärung noch vor der Sommerpause absegnet. Ob das zu schaffen ist, ist unklar.

Nun soll das Mobilitätskonzept weitere Klarheit bringen, wie es weitergeht. Es sei eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit geplant, Ideen, Hinweise und Einsprüche sollen online abgegeben werden können, sagte Timmroth in der Ortschaftsratssitzung. Diese sollen von den Verkehrsplanern aufgenommen und eingearbeitet werden. Nach drei Monaten soll das bearbeitete Mobilitätskonzept dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

Die Einwohnerversammlung wird am 19. Juni ab 18 Uhr auf www.dresden.de/fernsehturm übertragen. 

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Im Anschluss zur Einwohnerversammlung startet am Dienstag, 23. Juni, eine Online-Beteiligung. Bis Dienstag, 7. Juli, haben Interessierte die Möglichkeit, Anregungen und Hinweise zum Verkehrs- und Mobilitätskonzept „Fernsehturm Dresden“ online einzubringen. Weitere Informationen sowie der Link zur Beteiligung werden ab 23. Juni unter www.dresden.de/fernsehturm veröffentlicht. Zusätzlich wird es ab Dienstag, 23. Juni, die Möglichkeit geben, Anregungen und Hinweise zum Konzept im Stadtbezirksamt Loschwitz, Grundstraße 3, sowie in der Verwaltungsstelle Schönfeld-Weißig, Bautzner Landstraße 291, einzureichen.

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