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Dresdner kämpfen um Stausee Cossebaude

Mit einer Petition wollen Badegäste den See im Dresdner Westen retten. Was sie fordern und welche Lösungen es für das Freibad geben könnte.

Anwohnerin Beate Handschack und Ortsvorsteher Lutz Kusche wollen, dass der Stausee in Cossebaude für die Schwimmer erhalten bleibt.
Anwohnerin Beate Handschack und Ortsvorsteher Lutz Kusche wollen, dass der Stausee in Cossebaude für die Schwimmer erhalten bleibt. © Sven Ellger

Dresden. So einfach kann es gehen, man muss es nur versuchen, sagt Beate Handschack. Die Dresdnerin, 64, geboren in Cossebaude und seitdem Stammgast im Stauseebad, hat den Kampf aufgenommen. Sie und mindestens 2.600 Mitstreiter wollen ihren geliebten Stausee retten. So viele Menschen haben bis jetzt die Online-Petition von Beate Handschack unterzeichnet. "Ich wusste gar nicht, wie man so etwas macht. Aber es war gar nicht so schwer", sagt sie mit Blick auf die Online-Liste, in die sich jeder noch bis zum 17. September auf der Internetseite der Landeshauptstadt eintragen kann

Im Februar dieses Jahres hatte der Energiekonzern Vattenfall angekündigt, das Pumpspeicherwerk Niederwartha bis zum Ende dieses Jahres stillzulegen. Das hätte zur Folge, dass der Wasserpegel abgesenkt wird und für den Badebetrieb nicht mehr ausreicht, wie die Dresdner Bäder GmbH damals bestätigte. Lutz Kusche, Ortsvorsteher von Cossebaude, hatte im Februar als erster davon erfahren. "Vattenfall bat mich um ein Gespräch und stellte mir die Pläne vor", erzählt er. "Ich habe damals sofort den Oberbürgermeister darüber informiert." 

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"Die Wasserqualität ist einmalig in Dresden"

Der Ortsvorsteher macht kein Geheimnis daraus, dass er enttäuscht darüber ist, dass OB Dirk Hilbert (FDP) bislang noch nicht mit dem Energiekonzern ins Gespräch gekommen ist. "Wir müssen Vattenfall kontaktieren und nach einer Lösung suchen", sagt Kusche. Das Unternehmen habe ihm signalisiert, dass es durchaus die Möglichkeit gebe, den Pegel zu halten, was allerdings Geld kostet. "Das müssen wir jetzt klären."

Das findet auch Beate Handschack, die als kleines Mädchen im Stauseebad schwimmen gelernt hat, genauso wie ihre Kinder und viele andere Dresdner. Ganze Generationen nutzen seit 1936 den See für eine Abkühlung und für ausgiebiges Schwimmen. "Auch, wenn es das Bad mit den Becken daneben gibt - die Wasserqualität des Stausees ist einmalig. Wir wollen einfach nicht zulassen, dass so etwas für Dresden verloren geht." 

Zuerst wollten Beate Handschack und ihre Mitstreiter nur eine Unterschriftensammlung vor Ort im Bad machen, ganz altmodisch mit Stift und Zettel. Dann habe ihr der Landtagsabgeordnete Lars Rohwer (CDU) in der vergangenen Woche den Tipp für die Online-Petition gegeben. Rohwer vertritt im Landtag die Interessen seines Wahlkreises, zu dem auch Cossebaude samt Stausee gehört. Innerhalb weniger Tage haben nun mehr als 2.600 Unterstützer die Petition mitgezeichnet.

"Das ist klasse", sagt Beate Handschack, und sie hofft auf weitere Unterstützer. Die wird sie wohl bekommen, bedenkt man, dass das Stauseebad das flächenmäßig größte Freibad Dresdens ist und sich den Spitzenplatz bei den Besucherzahlen nur mit dem Freibad Mockritz teilt. 80.000 Gäste verzeichnete die Bäder GmbH im vergangenen Jahr. 

Weil das Bad so beliebt ist, hatte die Bädergesellschaft zuletzt ordentlich investiert und unter anderem die Rutsche erneuert. Die kann wohl auch in den kommenden Jahren genutzt werden, denn das Bad an sich soll erhalten bleiben. Ob allerdings weiterhin so viele Gäste kommen, wenn der See tabu ist, bleibt fraglich.

Anwohner fordern schnelles Handeln

Tatsächlich bedeute die Betriebseinstellung des Pumpspeicherwerks, dass es keinen unteren Stausee mehr geben würde, antwortete Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) im Mai auf eine Anfrage von Linke-Fraktionschef André Schollbach. Der Wasserstand würde auf ein nicht mehr nutzbares Maß sinken. Eine Austrocknung und Biotop-Bildung wäre wahrscheinlich. Dass der städtische Versorger Drewag die sanierungsbedürftige Anlage übernimmt und weiterbetreibt, halte Hilbert für ausgeschlossen. Schon allein angesichts der hohen Sanierungskosten, die mit mindestens 90 Millionen Euro beziffert werden. So effektiv wie ein neues Werk würde es dennoch nicht arbeiten.

Hilbert kündigte aber an, dass geprüft werde, ob die sogenannte Brunnengalerie weiterbetrieben werden kann. Verbunden ist das allerdings mit jährlichen Kosten von 100.000 bis 150.000 Euro, zuzüglich der Instandhaltung der Pumpen. Diese sorgen dafür, dass verdunstetes und versickertes Wasser im See mit Grundwasser ausgeglichen wird. 

Die Bäder GmbH hält sich zur Zukunft des Freibades eher bedeckt. Der Pachtvertrag gelte noch bis Ende 2020, die diesjährige Badesaison sei gesichert, so Sprecher Lars Kühl. Über eine Verlängerung des Vertrages mit Vattenfall würden die entsprechenden politischen Gremien verhandeln.

Auf politischer Ebene ist man sich jedenfalls einig, dass das Stauseebad erhalten bleiben soll. Mitte Mai hatte der Stadtrat auf Antrag der CDU die Stadtverwaltung beauftragt, mit Vattenfall zu verhandeln, wie es mit dem See weitergehen kann.

Das fordert auch Ortsvorsteher Lutz Kusche und drängt zur Eile. Am Donnerstag hatten er und Beate Handschack zu einer kleinen Versammlung auf den Parkplatz vor dem Stauseebad eingeladen, dem waren auch etliche Menschen gefolgt. 

Am Donnerstagabend folgten etliche Badegäste der Einladung von Beate Handschack und Lutz Kusche. Auf dem Parkplatz diskutierten sie über die Zukunft des Stauseebades.
Am Donnerstagabend folgten etliche Badegäste der Einladung von Beate Handschack und Lutz Kusche. Auf dem Parkplatz diskutierten sie über die Zukunft des Stauseebades. © Sven Ellger

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