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Immer mehr Schwangere in Dresden nehmen Drogen

Wenn die Mütter Crystal oder Heroin konsumieren, fügen sie den Babys lebenslangen Schaden zu. Trotzdem steigt die Zahl der Betroffenen in Dresden rasant.

Immer mehr Schwangere konsumieren Crystal.
Immer mehr Schwangere konsumieren Crystal. © Pavel Sosnowski

Ärzte schlagen Alarm: Immer mehr schwangere Dresdnerinnen nehmen Drogen und schädigen damit ihre ungeborenen Kinder massiv.  Sind aus dem Jahr 2007 drei Fälle bekannt, bei denen Babys mit Schädigungen durch Drogenkonsum zur Welt kamen, hat sich dieser Wert um das 13-fache auf 39 erhöht, so das Dresdner Gesundheitsamt auf Anfrage. Und das sind nur die bekannten Fälle. Nicht bei allen Kindern fällt der Drogenkonsum der Mutter in der Schwangerschaft sofort auf. 

Bei wie vielen Schwangeren wurde der Drogenkonsum festgestellt?

Im Jahr 2017 gab es insgesamt 68 Krankenhauseinweisungen aufgrund einer Schädigung der Neugeborenen durch mütterlichen Drogenkonsum. Diese Krankenhausfälle seien nur die Spitze des Eisberges. "Es ist bezüglich der tatsächlichen Anzahl Drogen konsumierender Schwangerer von einer deutlich höheren Zahl auszugehen", so das Gesundheitsamt.Insbesondere die prozentuale Verteilung zwischen Dresden und Sachsen zeigt, dass die Diagnosen in Dresden im Jahr 2017 fast 30 Prozent von der Anzahl in ganz Sachsen ausmachen, während dies im Jahr 2010 noch bei 10 Prozent lag.

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Außerdem ein Problem: Viele Mütter trinken auch Alkohol während der Schwangerschaft. Laut Stadt gab es im Jahr 2017 zwölf Krankenhausbehandlungen aufgrund einer Schädigung der Neugeborenen durch Alkoholkonsum der Mutter. Dies seien, wie bei den Drogen nur die bekannten Fälle. "Es ist bezüglich der tatsächlichen Anzahl Alkohol konsumierender Schwangerer von einer deutlich höheren Zahl auszugehen", so das Gesundheitsamt.

Wie wurde der Konsum festgestellt?

Spätestens bei der Aufnahme von Schwangeren zur Entbindung in Frauenkliniken wird der Konsum festgestellt. In Dresden sind Jugendhilfeträger, Jugendamt und Suchtberatungsstellen eng vernetzt und reagieren sofort, wenn sie Warnsignale erkennen. 

Welchen Folgen hat der Drogenkonsum für die Kinder?

Sind die Mütter während der Schwangerschaft oder nach der Geburt des Kindes drogenabhängig, hat das schwerwiegende Folgen für das Kind. Die Gefährdung beginnt bereits vor der Geburt. Der Drogen- und Alkoholkonsum werdender Mütter wird über die Plazenta auf den Embryo übertragen und führt zur Abhängigkeit des ungeborenen Kindes, zu Wachstumsstörungen, angeborenen Fehlbildungen und Organschäden sowie zu Entzugssymptomen und erhöhter Infektanfälligkeit des Neugeborenen, antwortet das Sächsische Sozialministerium auf Anfrage. Es komme zu Entwicklungsverzögerungen und Verhaltensauffälligkeiten, die über das Jugendalter hinaus bestehen bleiben können.

Bei rund drei Viertel aller betroffenen Kinder zeigen sich Langzeitfolgen wie Defizite in der motorischen Entwicklung. Auch Probleme mit dem Sprechen und Schwierigkeiten beim Krabbeln treten auf, sagt Yulia Golub, Leiterin der Spezialambulanz für Suchterkrankungen des Universitätsklinikums. Außerdem kommen Lern-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen sowie Aggressivität, Ängstlichkeit, Deprimiertheit oder Zurückgezogenheit bis ins Grundschulalter dazu. Nach der Geburt komme es oftmals zu weiteren Kindeswohlgefährdungen. Nach einer Erhebung der Uniklinik Dresden wurden 33 Prozent der Kinder aus dem Vorsorgeprojekt "Mama denk an mich" zu Pflegeeltern oder in ein Heim gegeben und nicht zu den leiblichen Eltern.

Warum hören die Frauen trotz Schwangerschaft nicht auf mit dem Konsum?

"Es bedarf aus Perspektive der Konsumierenden keiner Gründe für den Konsum trotz Schwangerschaft", so das Gesundheitsamt. Eine Suchterkrankung, von der in den meisten Fällen auszugehen ist, sei eine schwere chronische Erkrankung, die behandlungsbedürftig ist. Ein Merkmal einer Suchterkrankung sei, dass man keine Kontrolle mehr über den eigenen Konsum hat.

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