merken
PLUS Dresden

Dresdens neuestes Bäckerei-Café

Über eine halbe Million Euro verlor das Dresdner Backhaus durch die Corona-Krise. Trotzdem wagt Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller eine Neueröffnung.

Tino Gierig, Geschäftsführer und Brotsommelier, im neuen Café "S'Joseph".
Tino Gierig, Geschäftsführer und Brotsommelier, im neuen Café "S'Joseph". © Marion Doering

Dresden. Die Corona-Krise hat die Unternehmen in Dresden hart getroffen, darunter die Bäckereien. Zwar durften diese die ganze Zeit über geöffnet haben, aber der Umsatz brach dennoch ein. "Wir haben in der Krise rund 550.000 Euro weniger Umsatz gemacht", so Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, Chefin des Dresdner Backhauses. Von 120 Lieferkunden blieben noch sieben. Das Backhaus beliefert unter anderem Schulen, Kitas, Altenheime, Hotels und Gastronomen. Die einen hatten während des Lockdowns geschlossen, die anderen liefen nur im eingeschränkten Notbetrieb. Eine ungewisse und schwierige Zeit.

Tino Gierig und Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, die Chefin des Dresdner Backhauses.
Tino Gierig und Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, die Chefin des Dresdner Backhauses. © Rene Meinig (Archiv)

Doch nun wagte Kreutzkamm-Aumüller einen mutigen Schritt und eröffnete am Dienstag ein neues Café mit Bäckerei: das "S'Joseph" auf der Canalettostraße gegenüber vom Krankenhaus St.-Joseph-Stift. "Wir glauben, das ist ein guter Standort in der Nähe des Krankenhauses und einer Berufsschule", so die Chefin. Sie setzt auf Selbstbedienung und will ein sogenanntes "Pager"-System einführen. Patienten, die im Krankenhaus auf ihren Termin warten, sollen im Café sitzen und essen können. Wenn sie dran sind, werden sie vom Arzt angepiepst. Sie hofft auch, dass Angehörige, die ihre Verwandten im Krankenhaus besuchen, das Café nutzen. Ebenso wie das Personal, das sich vielleicht einen Pausensnack holt. 

Anzeige
Wer wird Juniormeister im Handwerk?
Wer wird Juniormeister im Handwerk?

Mehr als ein Praktikum: Im Projekt Juniormeister können Schüler ihr Wunschhandwerk hautnah kennenlernen und sich ausprobieren.

Café und Bäckerei sollen jeden Tag geöffnet haben, neben Brötchen und Brot soll es auch Frühstück mit Rührei und Mittagessen geben. Im Verkauf arbeiten zwei Mitarbeiter, zwei bereiten in der Küche die belegten Brötchen und Co. vor. "Nur" auf Brot und Brötchen zu setzen, reicht nicht mehr, sagt Tino Gierig, Geschäftsführer und Brotsommelier im Backhaus. "Wir müssen auch vegane Brote und vegetarische Speisen anbieten, um auf die sich verändernden Kundenwünsche einzugehen." So gibt es Fitnessstangen mit Radieschen oder frische Suppen zum Mittagessen. Auch in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram ist das Backhaus vermehr aktiv, um die Dresdner auf sich aufmerksam zu machen. "Die Coronakrise war für uns, wie für alle, hart. Aber man darf nicht stehenbleiben, sondern muss weitermachen", so Gierig.

Und es gibt noch mehr Veränderungen. "Wir haben eines unserer Lieferfahrzeuge stillgelegt und werden es auch nicht mehr in Betrieb nehmen", so Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller. Der Grund: Der Lieferkundenkreis wurde verkleinert. Bei vielen könne sie nicht warten, bis diese sich wirtschaftlich wieder so weit erholt hätten, dass sie wieder bestellten. Ein Problem für das Backhaus ist auch, dass das Studentenwerk Dresden noch nicht wieder im vollem Umfang beliefert wird. Auch die Mensen hatten ihren Betrieb während Corona heruntergefahren. 

An ihrer Mannschaft aus über 100 Mitarbeitern hat Kreutzkamm-Aumüller festgehalten und niemanden aus der Stammtruppe entlassen. Nur die Aushilfen musste sie aufgrund der Corona-Krise freistellen. "Ein paar Mitarbeiter sind noch auf Kurzarbeit, aber alle Läden sind geöffnet", sagt die Chefin. Auch die Öffnungszeiten sind wieder regulär. Sie merkt, dass die Touristen wieder in der Stadt sind und zum einen selbst die Cafés vom Backhaus besuchen, aber auch die Hotels ordern wieder mehr Brot und Brötchen. 

"Spannend wird es, wenn es nun kälter wird und die Gäste nicht mehr draußen sitzen wollen. Brauchen wir dann Plexiglasscheiben als Trennung zwischen den Tischen?", fragt Kreutzkamm-Aumüller. Ohne den Außenbereich können sie dann weniger Flächen nutzen und sie hofft, dass die Infektionszahlen gering bleiben und die Dresdner sich auch in die Cafés setzen.

Wer nicht selbst in die Filiale kommen kann oder möchte, für den bietet Kreutzkamm-Aumüller einen Abholservice an. Wer bis 16 Uhr im Online-Shop bestellt, kann Brot und Brötchen oder Kuchen am Folgetag fertig gepackt in der Filiale auf der Augsburger Straße 4 abholen. Für Abholungen an einem Sonntag muss bis Freitag 16 Uhr bestellt werden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden