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Bademeister-Prüfung im Dresdner Freibad

Wegen der Krise machten 40 angehende Fachangestellte für Bäderbetriebe aus Sachsen und Thüringen ihren Abschluss in Cotta. Eine besondere Herausforderung.

Vier Tage im Freibad stellt man sich entspannter vor: Christian Franke (l.) und Niels Knieling haben die Prüfungen hinter sich.
Vier Tage im Freibad stellt man sich entspannter vor: Christian Franke (l.) und Niels Knieling haben die Prüfungen hinter sich. © Sven Ellger

Dresden.  Laut geht es im Freibad ja häufiger zu. An diesem Donnerstagsnachmittag aber hört sich das Geschrei ziemlich ungewöhnlich an: "Los, schneller! Ziiiieh", brüllen junge Männer am Rand des Beckens, während vor ihnen ein Kollege in langen Sachen seine Bahnen schwimmt. 

Das 300-Meter-Sachen-Schwimmen ist eine von neun Disziplinen bei der Abschlussprüfung für die angehenden Fachangestellten für Bäderbetriebe. So nennt man heutzutage Bademeister, die in Wahrheit viel mehr als das sind. Sie beaufsichtigen den Badebetrieb in Frei- oder Hallenbädern, betreuen Badegäste und überwachen die technischen Anlagen.

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Normalerweise findet die zentrale Prüfung für 45 Lehrlinge aus Sachsen und Thüringen schon seit den 90er-Jahren in einem Sportpark im Erzgebirge statt. Da die dortige Halle aber coronabedingt in diesem Jahr nicht zur Verfügung stand, musste rasch eine Alternative her.

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Zum ersten Mal überhaupt fanden die Abschlussprüfungen daher in dieser Woche unter freiem Himmel statt. Das Freibad Cotta musste von Montag bis Donnerstag für andere Badegäste geschlossen bleiben.

Für Badleiter Robert Lehne waren es ruhige Arbeitstage. Mit der Prüfung selbst hatte er nichts zu tun. Außerdem konnte er sich darauf verlassen, dass jeder Anwesende ziemlich gut schwimmen kann. "Ich find's gut, dass die Lehrlinge auch mal andere Gefilde kennenlernen", sagt er. "Das kann nicht verkehrt sein."

Aus Dresden waren in diesem Jahr drei Lehrlinge am Start. Zwei von ihnen sind Christian Franke und Niels Knieling. Gerade haben die beiden nach einer kräftezehrenden Woche die finale Disziplin hinter sich gebracht - das Sachen-Schwimmen. Ob sie bestanden haben, wissen sie offiziell selbst noch nicht. Maximal acht Minuten durften sie für die 300 Meter benötigen, um zu bestehen. Die Zeit dabei selbst zu stoppen, ist nicht erlaubt. Aber die beiden strahlen verräterisch um die Wette. 

Dabei war ihnen noch vor wenigen Minuten im Wasser kaum zum Lachen zumute. "Mit jedem Zug sind die Klamotten schwerer geworden", sagt Niels. "Neben dem Abschleppen war das schon mit das Härteste." Auch Erste Hilfe, Tauchen und selbst geleitete Übungseinheiten gehörten zu den Aufgaben. 

Das Sachen-Schwimmen über 300 Meter gehörte zu den härtesten Disziplinen.
Das Sachen-Schwimmen über 300 Meter gehörte zu den härtesten Disziplinen. © Sven Ellger

Gerade bei den praktischen Prüfungen trennt sich bei den Lehrlingen die Spreu vom Weizen. Im vergangenen Ausbildungsjahr kam nur die Hälfte der Anwärter durch. "Das war allerdings auch ein schwächerer Jahrgang", sagt Eike Wehner, die in Dresden für die Ausbildung zuständig ist. "Für dieses Jahr habe ich ein besseres Gefühl."

Dabei hatten sich die Prüflinge hier im Freibad auf völlig andere Bedingungen einzustellen, als die, unter denen sie zuvor drei Jahre lang trainierten. Statt angenehmer 26 Grad Wassertemperatur waren es hier im Becken nur 22 Grad. "Das war schon richtig kalt auf Dauer", sagt Christian. "Bei einigen Aufgaben mussten wir ja vier, fünf Stunden ins Wasser."

Beim Turmspringen vom Drei-Meter-Brett war vor allem die fehlende Hallendecke zur Orientierung ungewohnt. "Ich habe den Abfaller rückwärts gewählt und hatte nur Himmel über mir", sagt Niels. Dennoch seien beiden zufrieden, dafür, dass ihnen die Corona-Krise die Vorbereitungen ziemlich erschwert hat.

Durch die Zwangspause konnten sie im Frühjahr wochenlang nicht schwimmen. Die Kondition im Wasser sei daher schnell weggewesen. "Wir haben nur zu Hause Kraft trainiert, um halbwegs dran zu bleiben", sagt Niels.

Erst bei der Zeugnisübergabe am 15. Juli werden sie nun offiziell erfahren, ob sie ihre theoretischen und praktischen Prüfungen bestanden haben. Im Erfolgsfall werden sie mindestens für ein Jahr von der Dresdner Bäder GmbH übernommen. Wo genau dann ihre Arbeitsplatz sein wird, wissen sie allerdings nicht. Für das Freibad dürften sie auf jeden Fall gewappnet sein.

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