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Dresden baut neue Mauern

Hochwasser. Zum Schutz der Dresdner Innenstadt sollen Teile der altenFestung genutzt werden.

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Von Bettina Klemm

Dresdens Stadtbefestigung bestimmte über Jahrhunderte auch die Entwicklung der Stadt. Die ehrwürdigen Mauern sollten Feinde abhalten. Und sie schützten zugleich vor Hochwasser von der Elbe. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts baute die Stadt jedoch die Festungsanlagen zurück. Jetzt sollen die vorhandenen Reste zu neuer Ehre kommen und als Hochwasserschutzanlagen dienen. „Wir führen den Gedanken der Stadtbastion beispielsweise vom Moritz-Monument an der Brühlschen Terrasse bis zur Marienbrücke weiter. Die alten Anlagen waren schon für Hochwasser bis zu 8,70 Meter ausgelegt“, erläutert Umweltamtsleiter Christian Korndörfer das Konzept.

Mobile Wände zu hohes Risiko

Das Hochwasser im August 2002 hatte gerade in der Innenstadt extrem hohe Schäden angerichtet. So wurden ursprünglich mobile Hochwasserschutzanlagen vorgeschlagen. Aber die Technische Universität Hamburg-Harburg fertigte im Auftrag der Stadt Dresden eine Tauglichkeitsanalyse an. Sie kam darin zu dem Ergebnis: Das Risiko, dass mobile Wände versagen, ist zu groß. In der historischen Innenstadt müssten sie eine Länge von mehr als einem Kilometer haben. Korndörfer: „Das deckt sich auch mit Erfahrungen aus Köln und Prag.“ Zudem müsste mindestens jährlich der Aufbau der mobilen Wände geprobt werden, damit diese bei einer Hochwasserkatastrophe auch funktionieren.

Damit sprach vieles für feste Hochwasserschutzanlagen. Die Mauern sollen bis zu einem Elbepegel von 9,64 Meter ausreichen. „Nachdem es im Jahr 2003 schon erste Vorplanungen durch das Büro Prowa Ingenieure GmbH gegeben hat, konnten wir nun das Architekturbüro Peter Kulka für die Gestaltung gewinnen“, sagt Frank Wache. Er ist seit September 2004 Leiter des Projekts Hochwasserschutzanlagen im städtischen Umweltamt. Kulka, der den Sächsischen Landtag entworfen hat und derzeit für den Wiederaufbau des Schlosses zuständig ist, setzt zunächst auf die vorhandenen Gemäuer. „Damit sind nur noch für etwa zehn Prozent der Länge mobile Wände erforderlich“, sagt Wache. Beispiele sind Straßenzufahrten wie an der Münzgasse und der Brühlschen Gasse (siehe grüne Farbe in der Skizze oben). Es muss geprüft werden, ob die vorhandenen Mauern wirklich dicht sind und dem enormen Wasserdruck standhalten. In einigen Fällen müssen sie um ein bis zwei Steinschichten erhöht werden. Um Stilbrüche zu verhindern, sollen dafür zum größten Teil historische Sandsteine verwendet werden. An Stellen, wo heute noch Zäune stehen, sind ebenfalls Mauern geplant. „In wenigen Fällen würde das bei einem extremen Hochwasser auch noch nicht ausreichen, so dass dann zusätzlich mobile Wände aufgestellt werden müssen“, erläutert Wache.

Schutz für Friedrichstadt

Zur Finanzierung haben sich Stadt und Land auf ein Gesamtpaket zum Hochwasserschutz für die Innenstadt und die Friedrichstadt über rund 15 Millionen Euro geeinigt. Die mobilen Wände wurden bereits europaweit ausgeschrieben, so dass derzeit unter 24 Anbietern ausgewählt wird. Zum System gehören auch rund 50 Grundwasserbrunnen, die mit einem modernen Überwachungssystem verbunden werden. Über den Ausrüster soll bis Herbst entschieden werden. „Parallel dazu erarbeiten wir die Planungen zum Schutz der Friedrichstadt“, sagt Korndörfer. Auch hier sollen die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen.