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Bautzner Straße: So läuft es nach Umbau

Vor rund zwei Monaten wurde der umgestaltete Teil der Bautzner Straße in Dresden eingeweiht, es folgte Kritik. Was heute besser läuft - und was nicht.

Im November sorgte der holprige Radweg auf der Bautzner Straße für Ärger. Wie sieht es heute aus? Das zeigt auch unser Video.
Im November sorgte der holprige Radweg auf der Bautzner Straße für Ärger. Wie sieht es heute aus? Das zeigt auch unser Video. © Marion Doering

Es sollte sicherer werden - für Autos wie für Fahrradfahrer. Für rund eine Million Euro hat das Dresdner Straßen- und Tiefbauamt die Bautzner Straße zwischen Rothenburger und Glacisstraße umbauen lassen. Es wurde unter anderem eine Ampel aufgestellt und ein neuer Radweg angelegt. 

Als die Strecke vor etwas mehr als zwei Monaten offiziell freigegeben wurde, gab es an der einen oder anderen Stelle jedoch Kritik. Was hat sich inzwischen getan und wie gut oder schlecht rollt der Verkehr auf der Bautzner Straße nach dem Umbau? Eine Bilanz.

Der Radweg: Gravierende Mängel wurden beseitigt

Wichtigstes Anliegen der Stadt war, die Strecke für Radfahrer sicherer zu machen. Denn an der Ecke zur Rothenburger Straße hatte es 2016 einen Unfall gegeben, bei dem eine 26-jährige Radfahrerin ums Leben kam. Die Kreuzung wurde bereits entschärft. Nun wurde zwischen Rothenburger und Glacisstraße ein neuer Radweg angelegt. Doch der sorgte für die größte Empörung.

Denn wegen baulicher Mängel war der Radweg zunächst eine richtige Holperpiste. Um alle Pflanzen entlang der Bautzner Straße zu erhalten, mussten sogenannte Wurzelbrücken verlegt werden. Die lagen allerdings deutlich höher als der restliche Belag, sodass auf dem Weg etliche Stolperfallen lauerten. 

Wie sieht es zwei Monate später aus? "Die teilweise größer als 5 Millimeter betragenden Höhenunterschiede wurden schon zum 19. November 2019 nachgearbeitet", teilt Stadtsprecherin Anke Hoffmann im Auftrag des Straßen- und Tiefbauamtes mit. 

"Da muss es sich aber um eine sehr geringfügige Behebung der Mängel handeln", sagt Nils Larsen, Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Dresden. "Der Radweg ist noch immer holprig." Das zeigt auch der Selbsttest einer Reporterin von Sächsische.de, die ihre holprige Fahrt auf der Bautzner Straße zwischen Martin-Luther-Straße und Neustädter Bahnhof im Video festgehalten hat.

Die Unebenheiten seien allerdings nicht der einzige Mangel, sagt Larsen. Ihn ärgert vor allem, dass die Nebenfahrbahn der Bautzner Straße - die sogenannte Kleine Bautzner Straße - nur noch stadteinwärts freigegeben ist. "Vorher konnte man mit dem Fahrrad in beide Richtungen fahren", erklärt er. Das sei auch in den Umbau-Plänen so vorgesehen gewesen. Bis heute sei aber kein Schild aufgestellt worden, welches den Radverkehr auch in die Gegenrichtung freigibt.

Auch die neue Ampel hält Larsen für schwierig. Neben einer Fußgängerampel gibt es auch eine für Radfahrer. Doch die wird nur selten genutzt. "Man steht dort meist zwei bis drei Minuten. Das halten viele für nicht zumutbar", sagt der ADFC-Vorstand. Mindestens die Hälfte der Radler quere daher gemeinsam mit den Fußgängern, weil es schneller geht. "Wir finden es gut, dass es eine Querung gibt. Der ADFC hat sich aber dafür eingesetzt, dass dies ohne Ampel vonstatten geht.

Die Ampel: Schaltung wird noch beobachtet

Und auch die Autofahrer haben mitunter Probleme an der neuen Ampel. So soll sie auf die Schaltung am Albertplatz abgestimmt sein, wie es bereits beim Pressetermin und auch jetzt seitens der Stadt heißt. Trotzdem ist bei stichprobenhaften Vor-Ort-Terminen von Sächsische.de immer wieder zu sehen, dass Autos bei Grün auf Höhe der Glacisstraße anfahren und am Albertplatz noch einmal halten müssen. "Veränderungen an der Schaltung sind zurzeit nicht geplant, da das Verkehrsgeschehen noch beobachtet wird", heißt es von Anke Hoffmann.

Die Parkplätze: Kunden haben es schwer

Die Gewerbetreibenden haben sich vor allem über die Parksituation geärgert. So sind durch den Umbau nicht nur 14 Parkflächen weggefallen. Die Übrigen 21 Stellplätze würden meist von Anwohnern genutzt und den Kunden der Geschäfte nicht mehr zur Verfügung stehen, so die Befürchtung von Kronenapotheken-Inhaber Rolf Leonhardt und weiteren Gewerbetreibenden. 

"Die haben sich leider bestätigt", sagt Leonhardt jetzt auf Anfrage von Sächsische.de. Zudem habe sich ein weiteres Problem ergeben. "Die Parkregelung auf der Kleinen Bautzner Straße ist relativ kompliziert", sagt der Unternehmer. So darf an einigen Stellen geparkt werden, an anderen nur gehalten, an weiteren herrscht komplettes Halteverbot. Letztere seien nun immer wieder vollgeparkt. 

Das habe zur Folge, dass Müllautos und Lieferfahrzeuge nicht mehr durchkommen. "Wir haben auch Angst, dass die Feuerwehr nicht mehr durchkommt, wenn es mal brennt", sagt Leonhardt. "Die ganze Situation ist nicht zufriedenstellend. Deswegen haben wir Gewerbetreibenden auch einen Vor-Ort-Termin mit Stadtbezirksleiter André Barth ausgemacht", sagt der Apotheken-Inhaber.

Seitens der Stadt ist derzeit nicht mit einer Besserung zu rechnen. "Die seit 13 Jahren bestehende Regelung des Mischparkens in der Äußeren Neustadt wurde in einem langen und schwierigen Abstimmungsprozess mit den verschiedenen Interessenvertretern erarbeitet. Die Anzahl der Pkw-Parkstände ist im gesamten Gebiet nicht ausreichend. Alle Bewohner, Besucher, Einkäufer und Beschäftigten müssen mit dem knappen Parkraumangebot auskommen. Im Sinne einer Gleichbehandlung der Gewerbebetriebe im Umfeld werden keine Kurzzeitparkregelungen an der Nebenfahrbahn der Bautzner Straße angeordnet", heißt es aus dem Straßen- und Tiefbauamt.

Die Bahngleise: Fahrgäste sind jetzt schneller unterwegs

Auch die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) waren an der Großbaustelle auf der Bautzner Straße beteiligt. Sie haben auf der Strecke ein großes Problem beseitigt. Denn bis zum Umbau waren die Gleise dort so verschlissen, dass es für die Bahnen nur noch in Schrittgeschwindigkeit voran ging. 

Die DVB ließen die Gleise austauschen und haben in dem Zuge auch den Achsabstand erweitert, damit auf der Strecke künftig die breiteren Stadtbahnen unterwegs sein können. Doch geht es nun für die Fahrgäste wirklich schneller voran?

"Die Bahn hat seit dem Umbau definitiv Vorteile", teilt DVB-Sprecher Falk Lösch auf Anfrage von Sächsische.de mit. Durch den wesentlich besseren Gleiszustand kämen die Bahnen nun schneller voran. "Wenn es die Verkehrslage zulässt, dürfen unsere Wagen heute auf bis zu 50 Stundenkilometer beschleunigen", so der Pressesprecher. "Aufgrund der kurzen Distanz der ausgebauten Strecke reden wir natürlich nicht von gesparten Minuten. Aber im Bereich von einer halben bis zu einer Minute pro Fahrt und Richtung liegen wir." 

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Das mache für die Fahrplanung durchaus etwas aus.  Die Ampel, die auf Höhe der Glacisstraße errichtet wurde, hat indes keine Auswirkungen auf den Bahnverkehr. Dort könne in jede Richtung die Fahrt angefordert werden.

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