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Behrsches Haus wird im August fertig

Gerade noch rechtzeitig hat Architekt Jan Tröber die Dresdner Villa vorm Verfall gerettet. Warum Corona seine Nutzungspläne durchkreuzt.

Die Fassade ist fast fertig, jetzt fehlen noch die Außenanlagen.
Die Fassade ist fast fertig, jetzt fehlen noch die Außenanlagen. © Sven Ellger

Dresden. Wer jetzt am Behrschen Haus an der Kreuzung Wigard-/Glacisstraße vorbeiläuft, wird kaum glauben, dass schon Ende des Monats die Mitarbeiter eines Architekturbüros hier einziehen werden. Doch der Eindruck täuscht. "Zwar sind die Außenanlagen noch nicht gestaltet und muss die hintere Fassade noch verputzt werden, doch innen sind wir schon sehr weit", sagt Jan Tröber, der das Büro TSSB leitet. 

Lediglich das schöne Fischgrätparkett und Fliesen müssen im ersten Obergeschoss noch verlegt sowie Lampen angebracht werden. Dann können die Möbel kommen. "Klar werden wir anfangs noch über eine Baustelle laufen, aber das wird im Nachhinein schnell vergessen sein", ist Tröber sicher.

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Vor drei Jahren, als er das Gebäude von Gamma Immobilien gekauft hat, machte das Behrsche Haus noch einen ganz anderen Eindruck. Zugemauerte und mit Brettern vernagelte Fenster, Graffiti an der Fassade und abgebröckelter Putz, die guten Tage der spätklassizistischen Villa in der Inneren Neustadt waren lange vorbei. Sie verfiel. "Das Haus hätte keine fünf Jahre mehr überstanden", sagte Denkmalschützer Stefan Beat zum Richtfest im Februar dieses Jahres. Gerade noch rechtzeitig sei Tröber gekommen.

Den Investor erwarteten allerdings noch zahlreiche Überraschungen wie massiver Hausschwamm in den Deckenbalken. Die wurden inzwischen durch Leichtbetondecken ersetzt, in die Gussrosetten eingesetzt wurden. So erhält die puristische, schwarz eingefärbte Decke mehrere Hingucker, unter die ringförmige Leuchten kommen.

Mischt Historisches mit Modernem: Architekt Jan Tröber hat in die Leichtbetondecken Gussrosetten gießen lassen.
Mischt Historisches mit Modernem: Architekt Jan Tröber hat in die Leichtbetondecken Gussrosetten gießen lassen. © Sven Ellger

Weil der Zustand der Villa so schlecht war, musste sie entkernt werden. Lediglich Außenwände und Treppenhaus blieben stehen, erhaltenswerte Sandsteinelemente wurden gesichert. Auch das Fundament war nicht mehr ausreichend gesichert. Hier kam ebenso eine Bodenplatte aus Beton zum Einsatz.  Dach und Holzelemente mussten komplett erneuert werden. Nun hat das Behrsche Haus auch einen Anbau erhalten, der dem auf der gegenüberliegenden Seite entspricht. 

Im Außenbereich lässt Tröber den Zaun nach historischem Vorbild neu fertigen. An der Ecke zur Glacisstraße, die mit einer Sandsteinmauer eingefasst ist, soll ein Baum gepflanzt werden, der später Schatten spenden wird.   

Leisten könne er sich mit seinem Büro den Kauf und Umbau des Behrschen Hauses nur, weil die Ingenieure und Architekten die gesamte Planung selbst gemacht haben, sagt Architekt Tröber. Inzwischen liegen auch die Kosten rund zehn Prozent über dem Plan. "Aber so ein altes Gebäude birgt eben immer auch Risiken."  

Die Corona-Pandemie hat Tröbers Pläne zur Vermietung durchkreuzt. Er hatte sich für die 350 Quadratmeter im Erd- und Kellergeschoss mit dem schönen Gewölbe eine öffentliche Nutzung als Weinlokal mit Veranstaltungsräumen gewünscht. "Doch die Gastronomen trauen sich derzeit verständlicherweise nicht an neue Objekte heran", sagt er. Auch für die Büroräume im Dachgeschoss werden noch Mieter gesucht.

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