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Dresden

Dresden bekommt eine neue Attraktion

Die Kasematten unter der Brühlschen Terrasse werden zum Museum ausgebaut. Geschichte ist hier auch zu riechen. 

Beamer projizieren Bilder und Filme an die steinernen Wände der Kasematten.
Beamer projizieren Bilder und Filme an die steinernen Wände der Kasematten. © Marion Doering

An die Spitze der deutschen Museumslandschaft soll es der Freistaat mit der neuen Attraktion schaffen. Das Ziel scheint hochgesteckt, aber Sachsens Finanzminister Matthias Haß (CDU) und Schlösserchef Christian Striefler sind sich sicher, dass es zu erreichen ist. Und zwar mit einem Museum, das derzeit in den dicken Festungsmauern unterhalb der Brühlschen Terrasse entsteht. Verborgen vor der Öffentlichkeit geschieht in den engen Gängen und unter Gewölbetonnen Erstaunliches. Acht Millionen Euro investiert das Land, um am Terrassenufer das Museum Festung Dresden auszubauen. Mit einem neuen Konzept soll es künftig mehr Besucher anziehen.

Noch wird unter der Brühlschen Terrasse gebaut. 
Noch wird unter der Brühlschen Terrasse gebaut.  © Marion Doering

Auf mindestens 100.000 Gäste pro Jahr hofft Striefler, bislang waren es 40.000. Diese bekamen allerdings nur leere Gänge und Kanonenhöfe zu sehen. Mit einem multimedialen Konzept, das sich „FestungXperience“ nennt, soll sich das ab Spätherbst dieses Jahres ändern. „Die Geschichte soll erlebbar werden, mit allen Sinnen“, sagt der Schlösserchef. Er zählt Ereignisse auf wie den Angriff der Preußen, die Pest, die Tausende Dresdner das Leben kostete, Hochwasser, wichtige Erfindungen. So war Johann Friedrich Böttger Anfang des 18. Jahrhunderts an der Erfindung des europäischen Hartporzellans beteiligt. „Viele Menschen denken heute, dass Böttger das auf der Festung Königstein gelang. Nein, das tat er hier in den Kasematten“, erklärt Striefler. Historische Irrtümer aufzuklären, auch das wird also eine Aufgabe des neuen Dresdner Museums sein.

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Neu ist, wie das passieren soll. Dabei kommt moderne Technik zum Einsatz, in den Gängen werden 34 Hochleistungsbeamer installiert, die der Besucher allerdings nicht sehen wird. Sie projizieren Bilder und Filme an die steinernen Wände. Das Besondere: Es wird keinen üblichen Audioguide geben, der die Besucher mithilfe von Zahlen durch die Ausstellung führt, sondern ein ganz neuartiges Tonsystem. Mithilfe eines speziellen Kopfhörers ermittelt das System den Standort des Besuchers innerhalb der Gewölbe und spielt dazu die passende Musik oder Erzählung ab. Eingesprochen wurden die Texte von Schauspielern. Weil das sehr aufwendig war, gibt es die Führung vorerst nur auf Deutsch und Englisch. Die 360-Grad-Projektionen, die den kompletten Raum mit Bildern ausfüllen, beleuchten gut 500 Jahre Stadtgeschichte. Dabei geht es unter anderem um Kriegsereignisse, Schmuggler in der Stadt und das Gießen von Kanonenkugeln, das ebenfalls in der Festung stattgefunden hat. Die längste und auf dem Rundgang letzte Präsentation dauert neun Minuten und soll Höhepunkt der Ausstellung sein.

Projektionen beleuchten gut 500 Jahre Stadtgeschichte.
Projektionen beleuchten gut 500 Jahre Stadtgeschichte. © Marion Doering

Und Striefler verrät noch eine Besonderheit: Es werden auch Gerüche zum Einsatz kommen, damit die Eindrücke beim Besucher möglichst lange im Gedächtnis bleiben. Striefler verspricht sich dadurch intensivere Eindrücke und einen höheren Lerneffekt. Feuer und Kanonenpulver – das sind Beispiele für jene Gerüche, die dem Besucher in die Nase fahren werden. Vorsicht in den Wachstuben: Hier verrichteten die Wachposten ihre Notdurft gleich vor Ort. „Von Duft kann man dann wohl nicht sprechen“, scherzt Striefler.

Im Spätherbst soll die Ausstellung öffnen. Bis dahin ist allerdings noch allerhand zu tun, denn es muss vieles umgebaut werden. Größte Neuerung ist der Zugang von der Brühlschen Terrasse aus. Über die Treppe oder den Aufzug geht es zehn Meter in Tiefe. Am Georg-Treu-Platz, wo sich bislang der Eingang befand, endet der Rundgang. Auch hier soll ein Aufzug Menschen mit Gehbehinderungen einen Museumsbesuch möglich machen. Bestehen bleibt der Eingang vom Terrassenufer aus. Derzeit werden in den Gängen Wege angelegt, die über Stege führen. An den Geländern werden LED-Lampen für Stimmung sorgen. „Die Bauarbeiten in den Kasematten sind wirklich anspruchsvoll“, erklärt Ulf Nickol vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement. Denn schwere Baugeräte können nicht eingesetzt werden. Stattdessen greifen die Bauleute mitunter zur Schubkarre.

Für Erwachsene wird der Eintritt zehn Euro kosten, es gibt aber auch Ermäßigungen. In der Schlösserlandkarte Sachsen ist das Festungsmuseum ebenfalls enthalten. Geöffnet ist täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr.

„FestungXperience“ soll übrigens nicht das einzige Angebot bleiben, das von der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen GmbH vermarktet wird. Ab Juni 2020 gibt es in der Bogengalerie L des Zwingers die „ZwingerXperience“. Auch dort wird die Geschichte der Anlage mit einer multimedialen Ausstellung vermittelt.