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Tödlicher Unfall: Die Ampel war aus

Nach dem Tod eines Sechsjährigen in Dresden wird die Frage gestellt: Hätte ihn die nahe Fußgängerampel gerettet? Und ist die Stelle auch eine Gefahr für andere?

Diese Fußgängerampel an der Budapester Straße in Dresden war aus, als ein Junge von einem Auto überfahren wurde. Hätte sie das Kind schützen und den Autofahrer stoppen können?
Diese Fußgängerampel an der Budapester Straße in Dresden war aus, als ein Junge von einem Auto überfahren wurde. Hätte sie das Kind schützen und den Autofahrer stoppen können? © Christian Juppe (Archiv)

Dresden. Eine Woche ist es her, dass ein sechsjähriger Junge auf der Budapester Straße in Dresden von einem Auto erfasst und getötet wurde. Von einem Mercedes-Fahrer, der sich - darauf deuten die Ermittlungen derzeit hin - ein Rennen mit einem anderen Wagen lieferte. Viele Fragen sind noch offen. Auch jene, ob es dem Jungen das Leben gerettet hätte, wäre er über die Fußgängerampel gegangen, als er die vierspurige Straße überqueren wollte. Und hätte Rot den mutmaßlichen Täter gestoppt?

Die Fußgänger-Ampel in Höhe der Schweizer Straße befindet sich etwa 70 Meter vom Unfallort entfernt. Nach Bürgerhinweisen zum starken Verkehr auf der Straße war sie im Sommer 2004 in Betrieb genommen worden. Auf SZ-Anfrage teilt die Stadtverwaltung mit, dass die Fußgängerampel zum Zeitpunkt des Unfalls aber gar nicht angeschaltet war: "Die Auswertung des Betriebsprotokolls der Steuerzentrale zeigt, dass die Anlage am 22. August 2020 zum fraglichen Zeitpunkt störungsfrei in Betrieb war, die Lichtsignalanlage befand sich dabei im Zustand 'Aus'." Das heißt, es lag kein technischer Defekt vor, allerdings war die Ampel regulär ausgeschaltet.

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Was heißt regulär? Anhand der Verkehrsbelastung der Budapester Straße seien einmal Betriebszeiten für die Ampel festgelegt worden, so die Verwaltung. Montags bis freitags können Fußgänger zwischen 6 und 22 Uhr die Fahrbahn sicher überqueren, samstags von 7 bis 20 Uhr und sonntags sowie feiertags von 9 bis 18 Uhr. Die Ampel war also noch keine Stunde aus, als der Junge über die Straße laufen wollte.

Ampel richtet sich nach Verkehr

Eine weitere Frage, die sich daraus ergibt: Hätte der Junge die Ampel überhaupt genutzt? Auf der SZ-Facebook-Seite kritisieren Anwohner die Schaltung eben jener Fußgängerampel. Mitunter warte man zehn Minuten auf Grün, kritisiert eine Frau. Dadurch würden einige Passanten lieber weiter vorn über die Straße rennen. Dort hat sich auf dem grünen Mittelstreifen bereits ein Trampelpfad gebildet.

Ein einmaliger Test ergab am Freitag, dass zwischen Drücken des Tasters und dem Umschalten auf Grün eine Minute und zwölf Sekunden lagen. Gedrückt wurde direkt, nachdem die vorherige Grünphase zu Ende war. Auf dem Mittelstreifen muss abermals gedrückt werden, um die restlichen beiden Fahrspuren zu überqueren. Dort vergingen 22 Sekunden zwischen Anforderung und Grün. Mit sieben Sekunden war die Grünphase allerdings äußerst kurz.

Ein beliebter, aber gefährlicher Trampelpfad, nur wenige Meter hinter der Fußgängerampel.
Ein beliebter, aber gefährlicher Trampelpfad, nur wenige Meter hinter der Fußgängerampel. ©  Christian Juppe (Archivbild)

Zwischen dieser Fußgänger-Ampel und der nächsten in Höhe des Feldschlößchen-Stammhauses liegen rund 280 Meter. Eine Distanz, für die man fünf Minuten braucht, höchstens. Dennoch überquerten innerhalb der kurzen Testzeit fünf Menschen die Straße zwischen beiden Ampeln, darunter eine Mutter mit Kinderwagen und ein Rentner mit vollen Einkaufstüten.

Ist Fußgängerampel an, muss sie genutzt werden

Was sagt das Gesetz? Innerhalb welcher Entfernung zu einer Fußgängerampel muss ich diese nutzen? Generell ist der Wirkungsbereich einer Ampel mit fünf Metern festgelegt. Wer also bis zu fünf Metern vor oder hinter einer Fußgängerampel über die Straße rennt, begeht einen Rotlicht-Verstoß. Das kostet dem aktuellen Bußgeldkatalog zufolge fünf Euro, sollte man erwischt werden. Sollte dadurch ein Unfall verursacht werden, verdoppelt sich der Betrag. Wer immer wieder dabei ertappt wird, muss auch mit einem Punkt in Flensburg rechnen.

Das heißt aber nicht automatisch, dass man bei mehr als fünf Metern aus dem Schneider ist. So können auch 30 oder 40 Meter als Verstoß angesehen werden. Denn die Straßenverkehrsordnung besagt klar: "Wenn die Verkehrsdichte, Fahrgeschwindigkeit, Sichtverhältnisse oder der Verkehrsablauf es erfordern, ist eine Fahrbahn nur an Kreuzungen oder Einmündungen, an Lichtzeichenanlagen innerhalb von Markierungen, an Fußgängerquerungshilfen oder auf Fußgängerüberwegen zu überschreiten." Gerade bei der verkehrsreichen Budapester Straße könnte also zuungunsten von Fußgängern entschieden werden. Insbesondere für Vorschul-Kinder gilt auch, dass sie noch nicht in der Lage sind einzuschätzen, wie weit Autos entfernt und wie schnell diese unterwegs sind.

Die Polizei ermittelt derzeit weiter, wie der Unfall ablief. Die Beamten schließen nicht aus, dass es Zeugen gibt, die Bilder und Videos von dem Geschehen und der Unfallstelle gemacht haben. Diese Aufnahmen könnten den Ermittlern helfen. Die Polizei bittet um solche Fotos und Filme und hat dafür zusammen mit dem Landeskriminalamt Sachsen ein Hinweisportal freigeschalten. Dort können Bilder und Videos hochgeladen werden. Das funktioniert auch anonym. 

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