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"Deutscher Fahrer": Zettelentdecker bedroht

Im Internet gibt es Morddrohungen gegen den jungen Mann, der das Schild des "Deutschen Fahrers" fotografierte. Warum der Fahrer selbst bisher nicht zu Wort kam.

Peter Dörffel hat als erster das Schild mit der Aufschrift "Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer" im Fenster eines Linienbusses fotografiert und auf Twitter die Dresdner Verkehrsbetriebe damit konfrontiert. Nun wird er bedroht.
Peter Dörffel hat als erster das Schild mit der Aufschrift "Diesen Bus steuert ein Deutscher Fahrer" im Fenster eines Linienbusses fotografiert und auf Twitter die Dresdner Verkehrsbetriebe damit konfrontiert. Nun wird er bedroht. © Tino Plunert

Zuerst klemmte der Zettel direkt hinter der Busscheibe. Beim zweiten Foto steckte er in einer Plastikhülle. So erklärt sich, dass am Montag zunächst angenommen wurde, gleich zwei Fahrer von Linienbussen in Dresden seien mit dem umstrittenen Hinweis auf einen „Deutschen Busfahrer“ unterwegs gewesen. Doch das stimmt nicht. Es war nur ein Fahrer, der an diesem Tag zwei verschiedene Busse lenkte.

Niklas Hartwich ist der Busfahrer aufgefallen, als er am späten Vormittag mit der Linie 85 gefahren ist. „Schwachsinn“, urteilte er über das Schild und ordnete den Hinweis auf die Herkunft des Fahrers im Zusammenhang mit der Schrift, die an Fraktur erinnert, als „Richtung Nationalsozialismus“ ein. 

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Sein Vorschlag: Als Antwort darauf sollten jetzt alle Linienbusse in Dresden mit einem anderen Hinweis versehen werden. „Hier fährt Sie ein ... Ach, ist doch egal!“, könnte darauf stehen, ohne die Herkunft des Fahrers zu erwähnen. Die Verantwortlichen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) haben seine Idee diskutiert, sind dabei aber zu dem Schluss gekommen, lieber eine andere Aktion zu einem anderen Zeitpunkt zu starten.

Bei Facebook wurde das Thema allein auf der Seite von Sächsische.de inzwischen mehr als 1.000 Mal kommentiert. Zu diesen Kommentaren gehört auch der Vorschlag, den Fahrer selbst zu Wort kommen zu lassen. „Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit oder einfach nur Nationalstolz? Warum immer gleich die Rassismuskeule schwingen? Wie wäre es, ihn einfach mal zu fragen?“, schreibt dort Leser Tobias K.

Dieses Schild löste am Montag eine Debatte aus. Der Fahrer, der es im Fenster seines Busses anbrachte, darf nun nicht mehr für das Unternehmen arbeiten. 
Dieses Schild löste am Montag eine Debatte aus. Der Fahrer, der es im Fenster seines Busses anbrachte, darf nun nicht mehr für das Unternehmen arbeiten.  © Tino Plunert

Doch das funktioniert nicht. Sein Arbeitgeber, die Satra Eberhardt GmbH, will den Kontakt zu dem Busfahrer nicht vermitteln, weil der Mann dadurch womöglich zusätzlich unter Druck gesetzt werde. Das sagte Geschäftsführer Matthias Peschke auf Sächsische.de-Anfrage . Der Fahrer müsse sich schon selbst zu Wort melden, wenn er das möchte. Das hat er bisher nicht getan.

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Unterdessen richtet sich ein Teil der Kommentare auch gegen Peter Dörffel, der gleich am Montagmorgen ein Foto mit dem Schild an die DVB geschickt hat. Er wird deshalb im Internet beleidigt und bekommt sogar Morddrohungen.

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