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Corona: "Es brechen Umsätze in Dimensionen weg"

Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller schildert die Folgen der Pandemie für das Dresdner Backhaus. Auch andere Bäcker haben es schwer. Und werden erfinderisch.

Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller ist unter anderem für ihre Stollen bekannt.
Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller ist unter anderem für ihre Stollen bekannt. ©  Rene Meinig

Dresden. Kaffee und Kuchen bei bestem Frühlingswetter: Das hätten sich die Dresdner Bäcker in den vergangenen Tagen gewünscht für ihre Kunden - und für sich. Doch das sich ausbreitende Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen machten ihnen einen Strich durch die Rechnung.

"Es brechen gerade Umsätze und Aufträge in Dimensionen weg", erzählt Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller, die Chefin vom Dresdner Backhaus. Sie sei mit ihrer Bäckerei auch Lieferant für Schulen, Kitas und Firmen, all das breche jetzt weg oder sei weniger geworden, da die meisten Kinder aktuell ja weder Schule oder Kita besuchen. "Am Montag haben wir in unseren Filialen auf Selbstbedienung umgestellt und auch den Service an den Tischen eingestellt", sagt sie. Dafür hätten die Kunden sehr wenig Verständnis gezeigt und einige seien zu anderen Cafés abgewandert. 

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Doch Kreutzkamm-Aumüller betont: "Mir ist die Gesundheit unserer Mitarbeiter wichtiger als unser Umsatz." Wenn sie ihre Servicekräfte weiterhin mit Kaffee und Kuchen an die Tische zu den Kunden schicken würde, sei die Gefahr einer Ansteckung zu hoch. Und außerdem: "Wenn sich einer meiner Mitarbeiter ansteckt, können wir den Laden komplett zumachen", so die Chefin. 

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Aktuell plant sie, die Öffnungszeiten in ihren Läden anzupassen. "Wir planen gerade früh später aufzumachen und abends eher zu schließen", sagt sie. Eventuell werden die Filialen auch am Nachmittag geschlossen, um nur noch eine Schicht zu absolvieren. Nur der Laden auf der Blasewitzer Straße nahe der Uniklinik wird weiterhin wie immer geöffnet bleiben, da dort viel Publikumsverkehr unterwegs sei.

Außerdem habe sie auf bargeldlose Zahlung umgestellt, auch um die Gefahr der Ansteckung der Mitarbeiter und Kunden zu minieren. "Auf Facebook gab es dafür auch Kritik", sagt sie und bittet um mehr Verständnis ihrer Kundschaft. "Ich habe Verantwortung für 200 Mitarbeiter und muss auf deren Gesundheit achten", betont sie. Sie habe jetzt schon Kurzarbeit für ihr Personal angeordnet. Viele würden aktuell nur drei statt fünf Tage arbeiten. Auch um die Vereinbarkeit mit den Kindern zu gewährleisten, die aktuell zu Hause betreut werden müssen.

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Ebenfalls noch geöffnet ist die Traditionsbäckerei Wippler mit ihren Filialen. Doch auch hier wird noch mehr als sonst auf Hygiene geachtet. Neben den normalen Händewasch- und Niesregelungen wird hier auch aktuell alles eingepackt und nicht mehr in Baumwolltragetaschen oder Mehrwegbecher umgefüllt. Außerdem bittet die Bäckerei um bargeldlose Zahlung, das sei ohne Mindestumsatz möglich. Noch eine Bitte von Wippler: "Bitte Abstand halten in der Schlange."

Bäckerei Eckert, die Filialen in Pieschen und auf der Kesselsdorfer Straße hat, schreibt auf ihrer Facebook-Seite: "Wir als Ihre Bäckerei Eckert möchten Ihre Versorgung mit Brot und Brötchen aufrechterhalten. Alle unsere Geschäfte haben weiter sieben Tage geöffnet." Aber auch hier: mehr Regeln. Kaffee wird nur noch in Einwegbechern verkauft, Milch und Zucker füllen die Verkäufer ein, sie sind nicht mehr offen zugänglich. "Es kann sein, dass wir unser Sortiment aufgrund von Personalmangel infolge der fehlenden Kinderbetreuung oder anderen Umständen reduzieren müssen", so die Bäckerei.

Auch die Dresdner Traditionsbäckerei Siemank reagiert auf die ausgegebenen Verhaltensregeln und hat in fast allen Filialen die Tische und Stühle weggeräumt. Nur im Stammhaus am Laubegaster Ufer gibt es noch sechs Plätze. Beim schönen Wetter in den vergangenen Tagen war sehr viel los, viele holten sich einen Kaffee im Pappbecher zum Mitnehmen und setzten sich an die Elbe, berichtet Siemank-Chefin Bärbel Wiederhold. 

Die Verkäuferinnen werden immer wieder zu den Verhaltensregeln belehrt, meistens teilen sich zwei Mitarbeiterinnen hinter der Theke auf: Eine kassiert, die andere packt Brötchen und Kuchen ein. Auf Kartenzahlung kann die Bäckerei derzeit nicht setzen, das System funktioniere noch nicht. Also heißt es, Bargeld kassieren. "Wir arbeiten ohnehin schon länger mit dem Cleanhand-System." Dabei hält eine Spange den Handschuh auf, sodass ihn die Verkäuferin schnell aus- und anziehen kann. Auch Einmalhandschuhe seien noch ausreichend im Vorrat, so Bärbel Wiederhold. Ansonsten biete der Verkaufstresen in allen Filialen genug Abstand zwischen ihren Mitarbeitern und den Kunden, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Manuela Lohse, Chefin der Bäckerinnung, beobachtet, dass die Umsätze in Dresden noch ganz gut waren und erst ab Donnerstag weniger wurden. "Wahrscheinlich hat die Ansprache der Bundeskanzlerin gefruchtet, nicht mehr so viel raus zu gehen und die Menschen haben sich die Tiefkühltruhen vollgepackt." Sie geht davon aus, dass die Umsätze zwar weiter sinken, wenn eine Ausgangssperre kommen sollte, dass die Bäcker aber weiter als relevant wie die Supermärkte öffnen dürfen. 

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Der Verband habe den Bäckern empfohlen, sich auf das Thekengeschäft zu konzentrieren und nicht mehr auf den Außenbereich. Außerdem empfiehlt sie, auf bargeldlose Zahlung umzustellen. Außerdem: Die Bäcker sollen ein Schichtsystem einführen, bei dem es möglichst wenig Kontakt zwischen den Mitarbeitern gibt.

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