merken
PLUS Dresden

Was die Dampfschiffahrt zur Rettung braucht

Die Schiffe fahren weiter und es soll sogar mehr Fahrten geben. Doch das allein genügt nicht. Wie das Dresdner Unternehmen aus der Krise fahren will.

Die Mitarbeiter der Dampfschifffahrt hoffen auf Hilfe für ihr Unternehmen.
Die Mitarbeiter der Dampfschifffahrt hoffen auf Hilfe für ihr Unternehmen. © Archiv/dpa/Robert Michael

Dresden. Gesucht wird ein millionenschwerer Geldgeber für die Sächsische Dampfschiffahrt. Ein Investor mit Liebe zu alten Schiffen, zu Dresden und dem Elbland und mit der Bereitschaft, auch dann zur Dampfschifffahrt zu halten, wenn die Schiffe mal wieder nicht fahren können. Entweder, weil die Elbe zuviel Wasser führt, oder weil sie wieder einmal zu einem Rinnsal verkommen ist. 

Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann sich bei Burkhard Jung melden. Der Berliner ist Chef einer Firma mit dem Namen "Restrukturierungspartner". Und er ist in Dresden kein Unbekannter. Jung hat schon seit dem Frühjahr 2019 mit der Sächsischen Dampfschiffahrt (SDS) zu tun. Seine Firma hat ein Sanierungskonzept verfasst, das der Flotte im Sommer 2019 aus der Krise geholfen hat, nachdem sie durch zwei aufeinanderfolgende Niedrigwasserjahre in finanzielle Schwierigkeiten geraten war.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Jetzt soll Jung wieder helfen. Er ist zum Sanierungsgeschäftsführer für das Traditionsunternehmen berufen worden, das am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt hat. Und er ist die richtige Adresse für Investoren, die bei der Flotte einsteigen oder sie sogar ganz übernehmen wollen. Für die Suche habe er so viel Zeit, wie nötig ist, sagt Jung. Vorausgesetzt, das Geschäft auf den Schiffen funktioniert und finanziert die laufenden Kosten. 

Burkhard Jung ist zum Sanierungsgeschäftsführer für die Sächsische Dampfschiffahrt berufen worden.
Burkhard Jung ist zum Sanierungsgeschäftsführer für die Sächsische Dampfschiffahrt berufen worden. © Sven Ellger

Sein Ziel ist aber: Bis etwa Ende August soll der oder die Neue gefunden sein. Das kann ein Privatmann sein, das kann eine Firma sein, das kann aber auch ein öffentlicher Geldgeber sein. Oder eine Mischung aus mehreren, die in die Flotte investieren wollen.

Die Dampfschifffahrt ist pleite. Wieviel das Unternehmen wert ist, die Schiffe selbst, die Cateringtochter Elbezeit und die Personalvermittlung Crashice, muss erst noch ermittelt werden. Das Gutachten dazu schreibt Frank-Rüdiger Scheffler. Den Dresdner Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht am Donnerstagvormittag berufen. Er ist aber nicht Chef des Verfahrens, er ist ein sogenannter Sachwalter. Scheffler ist dafür zuständig, bei „gegenläufigen Interessen“ einzugreifen. Er ist Jurist und beaufsichtigt das Insolvenzverfahren im Auftrag des Gerichts.

Den Dresdner Insolvenzverwalter Frank-Rüdiger Scheffler hat das Amtsgericht am Donnerstagvormittag berufen.
Den Dresdner Insolvenzverwalter Frank-Rüdiger Scheffler hat das Amtsgericht am Donnerstagvormittag berufen. © Sven Ellger

Es ist eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Das heißt, die Geschäftsführung bleibt im Amt, Karin Hildebrand und Jeffrey Pötzsch leiten weiter das Tagesgeschäft. „Wir haben sehr gute Geschäftsführer“, sagt dazu Burkhard Jung, „wir genießen das Vertrauen der Gläubiger“. Zu diesen Gläubigern gehören alle, die Geld in die Flotte investiert haben. Also auch die 499 Kommanditisten, die die Schiffe einst gekauft haben, und der Freistaat. Sie werden jetzt von einem fünfköpfigen Gläubigerausschuss vertreten, mit dem Scheffler Kontakt hält, um ihre Interessen zu vertreten.

Karin Hildebrand und Jeffrey Pötzsch wollen unterdessen dafür sorgen, dass die Geschäfte nach der Corona-Pause wieder in Gang kommen. Zwei Schiffe fahren, bald sollen die Anleger wieder positioniert werden, die zurzeit noch in der Sächsischen Schweiz fehlen. Und dann sollen auch dort wieder die Dresdner Schiffe fahren, kündigen sie an. Parallel dazu läuft das Cateringgeschäft im Zoo inzwischen wieder besser. Die SDS-Chefs hoffen, dass die Unternehmensgruppe so die täglichen finanziellen Herausforderungen stemmen kann.

Dampfer-Chefin Karin Hildebrand.
Dampfer-Chefin Karin Hildebrand. © Sven Ellger

Die Mai-Gehälter für die reichlich 200 Mitarbeiter, die eigentlich vergangene Woche bezahlt wurden, sollen am Freitag oder am kommenden Montag überwiesen werden, kündigt Jung an. Die Gehälter für die kommenden drei Monate seien durch das Insolvenzgeld gesichert.

Das Insolvenzverfahren gegen die Flotte soll am 1. September eröffnet werden. Dann geht es wirklich um die Frage, wie es in Zukunft weitergeht mit dem Unternehmen. Dann sollte ein neuer Geldgeber gefunden sein, der Wert der Firma feststehen und ein Geschäftskonzept für die Zukunft vorliegen. Jung ist im Gegensatz zu manchen Ratgebern aus dem Umkreis des Unternehmens davon überzeugt, dass die Firma finanziellen Gewinn erzielen kann. Das habe sein Sanierungskonzept belegt. „Wenn wir ein Geschäft haben, dass auf Dauer ein Zuschussgeschäft ist, werden wir keinen Investor finden“, sagt der Berliner.

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, dass die Flotte bereits 2019 kein Geld mehr hatte, liegt laut Hildebrand daran, dass nie ein ausreichendes finanzielles Poster geschaffen wurde. Die Ursache dafür: Bis vor etwa zehn Jahren sei Geld an die Eigentümer, die Kommanditisten, ausgezahlt worden, obwohl die Schiffe gar keinen entsprechenden Gewinn erzielt haben. 

Dem widerspricht ihr Vor-Vorgänger Michael Lohnherr. „Ihr ist offenbar nicht bewusst, dass die Entscheidung über Ausschüttungen durch die Gesellschafterversammlung erfolgt, also die Kommanditisten, und nicht durch die Geschäftsführung“. Der Vorschlag dafür komme vom Verwaltungsrat der Gesellschaft, „und da sitzt mehrheitlich der Freistaat“. Wenn Verluste entstanden seien, sei in seiner Zeit als Chef nie Geld ausgeschüttet worden.

Weiterführende Artikel

Appetit kennt keine Krise

Appetit kennt keine Krise

Das Cateringunternehmen Elbezeit bekocht in Dresden die Dampfschiffe, den Flughafen und den Zoo. Nach Corona geht es nun um alles oder nichts.

Eine Stiftung zur Rettung der Dampfer?

Eine Stiftung zur Rettung der Dampfer?

Die Flotte braucht finanzielle Unterstützung. Ideen, wie sie sicher in die Zukunft kommt, gibt es schon.

Kretschmer: "Werden Weißer Flotte helfen"

Kretschmer: "Werden Weißer Flotte helfen"

Der Ministerpräsident kündigt an, bei der Sächsischen Dampfschiffahrt einzugreifen. Wie er das Unternehmen einschätzt.

Dampfer: Eigentümer-Chef fürchtet das Aus

Dampfer: Eigentümer-Chef fürchtet das Aus

Die Rettung der Flotte könnte das Geschäft komplett umkrempeln. Das betrifft dann alle Geldgeber.

Die Dampfer prägen Sachsens Identität

Die Dampfer prägen Sachsens Identität

Sächsische.de-Reporter Christoph Springer über die Schwierigkeiten bei der Suche nach Investoren für die Dresdner Flotte.

Fragen und Antworten zur Dampfer-Rettung

Fragen und Antworten zur Dampfer-Rettung

Erst Corona habe das Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Wie es jetzt mit der Flotte weitergehen soll und was das für Fahrgäste und Mitarbeiter bedeutet.

Zwei Vorschläge zur Dampfer-Rettung

Zwei Vorschläge zur Dampfer-Rettung

Schiffe als "Wasserbusse" oder der Freistaat als Eigentümer: Es gibt mehrere Ideen, wie die Dresdner Flotte wieder auf Kurs kommen kann. So realistisch sind sie.

Dresdner Dampfer sind insolvent

Dresdner Dampfer sind insolvent

So schlimm wie derzeit war die Situation der Sächsischen Dampfschiffahrt noch nie. Es gibt nur einen Ausweg.

Dresdens OB zur Zukunft der Dampferflotte

Dresdens OB zur Zukunft der Dampferflotte

Nun spricht Dirk Hilbert über die schwierige Lage der Sächsischen Dampfschiffahrt - und hat einen konkreten Vorschlag zu deren Rettung.

Am Ende bleibt: Die Flotte braucht viel Geld. Deshalb hoffen die Verantwortlichen jetzt auf Investoren. Interessensbekundungen habe es bereits gegeben, sagt der Sanierungsgeschäftführer. Deren Qualität kann er aber noch nicht einschätzen. Am Ende zählt der Preis in Verbindung mit dem Konzept des neuen Investors, erklärt der die Entscheidungskriterien. Er sagt aber auch: Findet sich kein Geldgeber, könnte das Unternehmen zerschlagen werden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden