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Handwerk: "Massive Auftragsrückgänge"

Jörg Dittrich, Präsident der Dresdner Handwerkskammer, spricht über die Situation von Fleischern, Bäckern und Co. in der Corona-Krise - und danach.

Beim Brotkauf können die Kontaktbeschränkungen wegen Corona zu Warteschlangen führen.
Beim Brotkauf können die Kontaktbeschränkungen wegen Corona zu Warteschlangen führen. © Uwe Anspach/dpa

Herr Dittrich, wie hart hat Corona das Dresdner Handwerk getroffen?

Alle wurden getroffen, wenn auch unterschiedlich stark. Zwischenzeitlich war den über 500 Friseuren und über 340 Kosmetikern in der Landeshauptstadt die Ausübung ihres Handwerks vollkommen untersagt. Heute dürfen diese beiden Gewerke zwar wieder arbeiten, aber unter völlig neuen Voraussetzungen. Verschärfte Abstands- und Hygieneregeln bedeuten große Einschränkungen.

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In welchen Branchen ist denn die Situation besonders problematisch?

Auch in anderen Gewerken gab es zum Teil massive Auftragsrückgänge, Umsatzeinbußen und Stornierungen. Das Bauhandwerk verzeichnet ein Auftragsminus oder gestörte Bauabläufe, der Messebau, auf den sich mancher Tischler spezialisiert hat, kam fast komplett zum Erliegen. Bäcker und Fleischer, die Catering anbieten, hatten in diesem Bereich kaum Aufträge, da es kaum noch Feiern und Veranstaltungen gab. Und ohne Familienfeiern oder Feste litt natürlich auch das Maßschneiderhandwerk unter einer geringeren Nachfrage.

Welche Probleme gibt es denn aktuell?

In einigen Branchen klagen Unternehmen weiterhin über Lieferengpässe, etwa im Kfz-Gewerbe, aber auch im Fahrradhandel. Eine Kürzung der Investitionen von Seiten der öffentlichen Hand wäre vor allem für das Bau- und Ausbauhandwerk verheerend in der ohnehin schon angespannten Lage. Dort müssen Freistaat und Kommunen jetzt mit stabilen Ausgaben gegenwirken. 

Bringen denn die Corona-Regeln Einschränkungen mit sich?

Was man auch nicht vergessen darf, ist, dass die strengen Abstands- und Hygieneregeln wie zum Beispiel im Friseurhandwerk bedeuten, dass nicht mehr so viele Kunden gleichzeitig bedient werden können. Das ist ein großes wirtschaftliches Problem für die Betroffenen. Denn Strom, Miete und Nebenkosten fallen dennoch weiterhin an. Vor allem brauchen wir alle den mutigen, zuversichtlichen Blick in die Zukunft.

Jörg Dittrich, Präsident der Dresdner Handwerkskammer.
Jörg Dittrich, Präsident der Dresdner Handwerkskammer. ©  Archiv: Robert Michael

Gibt es Einschränkungen bei den Öffnungszeiten von Bäckern und Fleischern?

Über geänderte Öffnungszeiten ist uns nichts bekannt. Gleichwohl kann es durch die verschärften Abstands- und Hygieneregeln vorkommen, dass sich längere Schlangen vor den Bäckereien und Fleischereien bilden.

Mit welchem Umsatzrückgang rechnen Sie im Handwerk für 2020 im Vergleich zu 2019? Mit welchen Einbruch an Aufträgen rechnen Sie?

Dies lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös abschätzen. Dafür ist die Pandemielage zu unberechenbar. Wie schnell es zu regionalen Ausbrüchen kommen kann, haben wir zum Beispiel in Gütersloh gesehen. Wichtig ist, dass es zu keinem zweiten Lockdown wie Mitte März kommt und Geschäfte geschlossen werden müssen. Daher sind wir alle aufgefordert, diszipliniert zu agieren.

Gibt es für das Handwerk in Dresden und im Land genug Unterstützung? Wo würden Sie sich mehr wünschen?

Das sächsische Konjunkturpaket enthält gute Ansätze. Positiv ist, dass die Landesregierung privatwirtschaftliche Investitionen stärker fördern will. Etablierte Förderinstrumente wie das Programm "Regionales Wachstum" werden gerade kleineren und mittleren Betrieben helfen, Investitionen zu schultern. Wir werden uns dafür einsetzen, dass dieses Förderprogramm auch in den kommenden Haushalten Eingang findet und keine einmalige Aktion bleibt. Was fehlt, sind beispielsweise Maßnahmen zum Bürokratie-Abbau und zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren. Das ist umso unverständlicher, da diese den Freistaat nichts kosten und die Betriebe dennoch signifikant entlasten würden. 

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