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So ist Homeoffice in Corona-Zeiten wirklich

Wie sehen Träume eigentlich in der Realität aus? Vier SZ-Redakteure über drei Wochen Arbeit von zu Hause: von Diättipps bis zu Kinderstreit in der Telefonkonferenz.

Homeoffice macht Redakteurin Kay Haufe am liebsten in bequemer Jogginghose.
Homeoffice macht Redakteurin Kay Haufe am liebsten in bequemer Jogginghose. © privat

Kay Haufe: Mein Leben in Jogginghose

In Zeiten von Corona lasse ich mich durch nichts einengen. Wodurch meine modische Vielfalt allerdings sehr leidet.

Sie sind grau und dunkelblau und bekommen in meinem Leben plötzlich eine ganz neue Bedeutung: meine Jogginghosen. Schlüpfe ich sonst nur an kalten Wintertagen abends in die bequemen Baumwollmodelle, sind sie seit drei Wochen meine ständigen Begleiter. Mit dem Tag, seit dem die Redakteure der Sächsischen Zeitung im Homeoffice arbeiten, begann meine neu entflammte Liebe zu den weichen Sweathosen. Denn schnell wurde mir vor dem Laptop am heimischen Esstisch klar: Lass dich durch nichts einengen!   

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Und es wirkt! Die ständige Kontrolle von Whatsapp-Nachrichten und Mails auf dem Handy und dem Laptop ist in Jogginghosen gefühlt viel leichter zu erledigen. Zwischendurch muss ich mich für das Workout aus dem Internet, zu dem mich meine Töchter regelmäßig auffordern, nicht mal umziehen. Und schon geht es weiter, der nächste Beitrag kann getippt werden. 

Die morgendlichen Telefonkonferenzen sind keine Videoschaltungen. Zum Glück, sonst könnten meine Kollegen denken, ich sei mit meinen Jogginghosen verwachsen. Denn mittlerweile trage ich sie selbst auf den täglichen Spaziergängen. Gestern hat mich mein Mann gefragt, ob ich mal wieder etwas "Anständiges" anziehen will. Will ich? Mal sehen. 

Christoph Springer: Homeoffice spart Zeit

Kaffee im Homeoffice geht viel schneller als in der SZ-Redaktion.
Kaffee im Homeoffice geht viel schneller als in der SZ-Redaktion. © Tatiana Skopintseva

Es geht wirklich alles viel schneller. Rauf aufs Sofa, Computer an, Programme öffnen, Handy ans Ladekabel, Zeitung durchsehen, Internet checken: Das ist morgens innerhalb von weniger als einer Viertelstunde erledigt. In normalen Zeiten kommen dazu noch der Weg zur Arbeit, die Begrüßung der Kollegen in ihren Büros und der erste Gang in die Kaffeeküche. Allein das dauert zusammen eine halbe Stunde. Zu Hause kocht man sich morgens nur eine Tasse Kaffee mehr und schon ist das Thema zumindest für den Vormittag erledigt.

Homeoffice spart Zeit, weil die vielen kleinen Dinge, die an jedem Arbeitstag "nebenbei" passieren, ohne lange Wege dazwischen möglich sind. Mittagessen? Am Abend vorgekocht, muss nur noch aufgewärmt werden und das geht in fünf Minuten. Am Nachmittag mal schnell noch ein Stück Kuchen, weil der Zuckerspiegel bedenklich niedrig ist? Der Gang in die Küche dauert 30 Sekunden. Dem steht im Haus der Presse eine Zehn-Minuten-Aktion gegenüber. Selbst beim Kontakt mit den Kollegen spart man Zeit, denn das funktioniert über das Internet quasi nebenbei.

Und gibts einen Nachteil? Ja, die sozialen Kontakte gehen flöten, die Ideenfindung bleibt ein wenig auf der Strecke, denn man redet seltener über Themenvorschläge und irgendwie fühlt sich das auch nach einer Entwertung der eigenen Wohnung an. Die ist eben doch eher Rückzugsort, Erholungsort, Frei-Raum als Homeoffice. Hoffentlich wird sie das bald wieder. 

Henry Berndt: Ihr Kinderlein, kommet!

Homeoffice mit Kindern macht großen Spaß. Also, den Kindern.
Homeoffice mit Kindern macht großen Spaß. Also, den Kindern. © privat

Lange Zeit hatte ich eine ziemlich romantische Vorstellung vom Arbeiten im Homeoffice. Entspannt zu Hause mit einer Tasse Kakao und den Füßen auf dem Tisch vor dem Laptop sitzen. Ein Liedchen auf den Lippen. Hin und wieder schaut eines der Kinder vorbei, bekommt einen Knuff in die Seite und tanzt weiter ins Kinderzimmer.

Seit Corona bin ich dahingehend einigermaßen desillusioniert und sehne mich schon jetzt nach meinem Büro mit dem großen grauen Schreibtisch - auch wenn es dort mit Sicherheit keinen Kakao gibt.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Klarstellen muss ich aber zunächst: Ich liebe meine Kinder. Die beiden Mädchen sind zwei und fünf Jahre alt und erfreuen mein Herz jeden Tag aufs Neue. Normalerweise tun sie das morgens und abends, manchmal auch nachts. Seit drei Wochen aber kann ich mich praktisch rund um die Uhr an ihnen erfreuen.

Schon in der Telefonkonferenz am Vormittag haben meine Kollegen des öfteren mit ihnen Bekanntschaft gemacht, wenn gerade mal wieder unklar ist, wer den Puppenwagen zuerst hatte. Bislang habe ich darauf verzichtet, die Frage an die Arbeitskollegen zur Diskussion weiterzureichen.

Im Laufe des Tages gibt sich meine liebe Frau große Mühe, die Kinder zu bespaßen und bei Laune zu halten, aber wie war das doch gleich mit dem Sack Flöhe? Wenn der Papa so viel auf dieser Tastatur herumtippt, dann muss das doch einfach Spaß machen. Ja klar, kommt, probiert es aus. Ich geh mir in der Zwischenzeit einen Kakao machen. Aber bitte nichts online stellen!

Dominique Bielmeier: Schlank und fit mit der Homeoffice-Diät

Für die Produktion dieses Fotos wurden zwei Möhren vertilgt.
Für die Produktion dieses Fotos wurden zwei Möhren vertilgt. ©  privat

Sollte ich in meinem Berufsleben jemals von der Tageszeitung zu einer Frauenzeitschrift wechseln, könnte ich direkt den ersten Diät-Tipp liefern: Schlank und fit mit der Homeoffice-Diät! Ich praktiziere das mittlerweile seit drei Wochen, ganz unfreiwillig. Das ist auch das Beste daran: Man merkt nicht mal, dass man Diät macht!

So geht's: Morgens kurz vor der ersten Telefonkonferenz aufwachen. Verdammt, keine Zeit mehr für Frühstück, also erst mal ran an die Arbeit. Aus der Konferenz ergeben sich dann direkt die ersten Aufgaben, die man dringend bearbeiten muss. Oder in der Inneren Neustadt werden bei Bauarbeiten zufällig Handgranaten gefunden. Natürlich müssen wir jetzt erst mal live über die Sprengung berichten - und das kann ein paar Stunden dauern.

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Schwupps ist Mittag und man hat ganz unfreiwillig seit 16 Stunden nichts mehr gegessen - Intervallfasten liegt ja total im Trend! Jetzt schnell ein Müsli, zum Kochen ist grad keine Zeit. Wäre ich im Haus der Presse, würde ich mir in solchen Stressmomenten wahrscheinlich einen Schokoriegel holen oder einen Cookie. Beides habe ich aber nie zu Hause, da kommt also erst gar keine Versuchung auf. Stattdessen esse ich nun, erschreckenderweise: etwas Gesundes! 

So richtig zum essen komme ich ohnehin erst abends, wenn mein Homeoffice wieder zu meiner Wohnung wird, mein Schreibtisch sich wieder in den Küchentisch verwandelt. Ich klappe den Laptop zu und fange an, Gemüse zu schnippeln. Auch wenn die Homeoffice-Tage tendenziell sogar eher länger sind als die Arbeitstage im Büro, habe ich jetzt Lust, mir etwas Vernünftiges zu kochen, das vielleicht sogar mal fürs Mittagessen am nächsten Tag reicht. 

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