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Dresden: Französischer Corona-Patient entlassen

Auf den zuvor schwer kranken Mann wartet nun eine lange Reha. Auch anderen Franzosen geht es besser. Was die Dresdner Mediziner von den Fällen lernen konnten.

Der Corona-Patient aus Frankreich verlässt am Mittwoch das Universitätsklinikum Dresden.
Der Corona-Patient aus Frankreich verlässt am Mittwoch das Universitätsklinikum Dresden. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Um sein Leben stand es lange Zeit nicht gut, doch nun ist er über den Berg: Der 52 Jahre alte Franzose, der am Nachmittag des 2. April aus dem Elsass nach Dresden geflogen wurde, hat an diesem Mittwoch das Universitätsklinikum verlassen.

Wie kritisch der Zustand des Covid-19-Patienten gewesen ist, hat Intensivmediziner Peter Markus Spieth am Mittwoch beschrieben. Der Erkrankte war mit akutem Lungenversagen eingeliefert worden und musste für die ersten 16 Tage in ein künstliches Koma versetzt werden.

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"Wir konnten ihn dann mit differenzierter Beatmungstherapie soweit stabilisieren", sagte Spieth. Schließlich sei es in den vergangenen Tagen gelungen, ihn komplett von der Beatmung zu entwöhnen. Dem Franzosen gehe es jetzt soweit ganz gut. Mit einer ganz milden Sauerstoffunterstützung über eine Nasenbrille könne er nun nach Hause. "Er hat sich sehr über seine Entlassung gefreut."

Der 52-Jährige ist am Mittwoch zurück in seine Heimat gebracht worden. Dort muss er nun eine Reha absolvieren.
Der 52-Jährige ist am Mittwoch zurück in seine Heimat gebracht worden. Dort muss er nun eine Reha absolvieren. © Jürgen Lösel

Der Rücktransport sei eine Woche lang vorbereitet worden. Sein französischer Zimmernachbar, ein 50 Jahre alter Elsässer, sei natürlich traurig gewesen und wäre am liebsten gleich mitgegangen: "Der hat aber leider noch einen kleinen Weg vor sich." Er sei zwar wach, müsse aber noch beatmet werden. Man hoffe aber, seinen Rücktransport in ein, zwei Wochen organisieren zu können.

Mit der Verlegung nach Frankreich sei die Behandlung noch nicht abgeschlossen, sagte Spieth. Ganz wichtig seien jetzt Rehabilitationsmaßnahmen. Der Patient müsse nun viel Physiotherapie und Atemtherapie machen. Es gehe darum, die Lungensituation zu
stabilisieren. Er habe noch einen langen Weg vor sich. Die Reha-Phase werde sicher zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen.

Möglicherweise behält Patient Langzeitfolgen zurück

Spieth zufolge kann derzeit noch nicht mit völliger Gewissheit gesagt werden, ob Covid-19-Patienten wieder komplett gesund werden können. Dazu müsse man erst Langzeitfolgen abwarten. Man gehe aber davon aus, dass sie es mit möglichst wenigen Spätfolgen schaffen könnten. Abgesehen von Problemen der Lunge gebe es auch typische Spätfolgen der Intensivtherapie, etwa chronische Schädigungen der Muskulatur und Nerven oder Nierenversagen.

Die Verständigung mit den Patienten sein kein großes Problem gewesen, sagte der Mediziner. Einige der Dresdner Kollegen hätten gut französisch gesprochen und geholfen. Auch mit Unterstützung von Smartphones und Apps habe man die kleinen Dinge des Lebens regeln können.

"Ein Akt humanitärer internationaler Hilfe"

Insgesamt 20 Tage befand sich der Franzose in Dresdner Behandlung. Am Uniklinikum wird neben dem zweiten französischen Patienten noch ein Erkrankter aus Italien behandelt. Weitere Corona-Patienten aus dem Ausland erwarte man derzeit nicht, so Sprecher Holger Ostermeyer.

"Wir unterstützen in einem Akt humanitärer internationaler Hilfe bei optimalen eigenen Kapazitäten“, erklärte Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums, die Aktion. Am Klinikum gibt es 140 Intensivbetten, von denen nur ein Bruchteil belegt ist. Zuvor hatte sich die sächsische Staatsregierung nach einer Anfrage der französischen Regierung und einer Abfrage der großen Kliniken im Freistaat bereiterklärt, Patienten aus der französischen Region Grand Est zur intensivmedizinischen Behandlung in Sachsen aufzunehmen.

Weitere Patienten aus Frankreich am Städtischen Klinikum

Spieth berichtete, dass die Mediziner mit jeder Behandlung eines Covid-19-Patienten dazulernten. "Auf der anderen Seite sind wir hier in Dresden ein spezialisiertes Zentrum für Patienten mit akutem Lungenversagen. Insofern konnten wir mit unserer ganzen Expertise unterstützen in einer Art und Weise, wie sie in Frankreiche in der jetzigen Situation wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre." 

So sieht eines der ntensivbetten am Dresdner Uniklinikum aus. Links neben dem Bett steht eine Herz-Lungen-Maschine, oben befinden sich die Überwachungsmonitore für die Vitalfunktionen. Rechts neben dem Bett stehen ein Beatmungsgerät und Infusionstechnik.
So sieht eines der ntensivbetten am Dresdner Uniklinikum aus. Links neben dem Bett steht eine Herz-Lungen-Maschine, oben befinden sich die Überwachungsmonitore für die Vitalfunktionen. Rechts neben dem Bett stehen ein Beatmungsgerät und Infusionstechnik. © Ronald Bonß/dpa (Symbolbild)

Man habe erfahren müssen, dass es bei Covid-19-Patienten einen sehr langwierigen Krankheitsverlauf gebe. Bei Lungenentzündungen gebe es dagegen normalerweise eine schnelle Besserung.

Auch das Städtische Klinikum versorgt zwei Patienten aus Frankreich, die ebenfalls mit Ambulanzmaschinen Anfang April nach Klotzsche geflogen wurden. Beiden gehe es zwar besser, sie seien allerdings nicht fähig, einen Flug in die Heimat zu absolvieren, so Sprecherin Viviane Piffczyk. Einer von ihnen habe deshalb in Kreischa seine Reha angetreten. Der zweite Patient werde dies vermutlich in den nächsten Tagen können.

Sachsen hatte insgesamt 14 Covid-19-Patienten aus Italien und Frankreich aufgenommen. Zwei Italiener starben. (dpa/SZ/sr)

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