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"Fast Hälfte der Kinder kann nicht schwimmen"

Wegen Corona fiel der Schwimmunterricht in Dresden aus. Im nächsten Schuljahr soll er auch nicht nachgeholt werden. Was stattdessen geplant ist.

Kinder schwimmen im Schwimmsportkomplex am Freiberger Platz in Dresden.
Kinder schwimmen im Schwimmsportkomplex am Freiberger Platz in Dresden. © Sven Ellger

Dresden. Viele Wochen waren die Dresdner Schulen aufgrund der Beschränkungen während der Corona-Pandemie geschlossen. Ab Mitte Mai wurden die Kinder zwar wieder unterrichtet, in den Grundschulen aber weitestgehend beschränkt auf die Fächer Deutsch, Mathe und Sachunterricht. Weder Sport noch Schwimmen standen auf dem Stundenplan, so wie eigentlich regulär in der zweiten Klasse. Viele Kinder können noch nicht richtig schwimmen in dem Alter und der Unterricht soll das eigentlich abfedern.

Der Stadtrat hatte 100.000 Euro für ein Sommerferien-Programm bereitgestellt, damit nicht nur Kurse im Schwimmen, sondern auch Angebote in Kunst und Musik, aber auch Technik möglich werden. Die Schwimmkurse im neuen Schwimmsportkomplex am Freiberger Platz waren rasend schnell ausgebucht, berichtet Schwimmlehrer Sebastian Halgasch. 48 Kinder lernten in neun Stunden die Grundkenntnisse des Schwimmens. Viele Kinder vermittelte er an die Kurse in der Ballsport-Arena. Am Ende erreichten viele von ihnen das Seepferdchen, können also eine Strecke von 25 Metern schwimmen.

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Schwimmlehrer Sebastian Halgasch unterrichtet auch Kinder in regulären Schulkursen.
Schwimmlehrer Sebastian Halgasch unterrichtet auch Kinder in regulären Schulkursen. © Sven Ellger

Halgasch unterrichtet auch die Dresdner Kinder in den regulären Schulkursen. „45 Prozent der Kinder können zu Beginn der zweiten Klasse nicht schwimmen und die Tendenz ist steigend“, sagt er. Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) kündigte an, dass für die ehemaligen Zweitklässler in den kommenden Herbst- und Winterferien noch mal Schwimmkurse angeboten werden. Auch Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) und Jugendamtsleiterin Sylvia Lemm sprachen davon, mehr Kurse für die kommenden Ferien in ihren Bereichen zu erarbeiten.

Regulären Schwimmunterricht soll es geben

Um den Schwimmunterricht hatte es in den vergangenen Wochen viele Diskussionen gegeben. Denn der ausgefallene Schwimmunterricht für die zweiten Klassen soll auch im kommenden Schuljahr nicht nachgeholt werden. Das sagt zumindest Petra Nikolov, Sprecherin vom Landesamt für Schule und Bildung. Die Kapazitäten der Schwimmhallen würden sich nicht plötzlich verdoppeln, betont sie. Es könne nur schulintern geprüft werden, ob die Möglichkeit besteht, ausgewählten Kindern der 3. Klassen im Rahmen der Hallenzeiten der Schulen das Schwimmen zu lehren.

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser kündigt an, dass für die ehemaligen Zweitklässler in den kommenden Herbst- und Winterferien noch mal Schwimmkurse angeboten werden sollen.
Bildungsbürgermeister Jan Donhauser kündigt an, dass für die ehemaligen Zweitklässler in den kommenden Herbst- und Winterferien noch mal Schwimmkurse angeboten werden sollen. © Sven Ellger

Regulären Unterricht im Wasser für die neuen zweiten Klassen soll es aber geben. Das bestätigt auch die Dresdner Bäder GmbH, in deren Schwimmhallen, wie zum Beispiel in Klotzsche, das Schulschwimmen abgehalten wird. Das Sächsische Kultusministerium versprach, nach Alternativen zu suchen. „Wir arbeiten gerade an Lösungen, den versäumten Schwimmunterricht bis zum Ende der Grundschulzeit nachzuholen“, sagte Sprecher Dirk Reelfs auf SZ-Anfrage. Dabei müsse man aber das weitere Pandemiegeschehen im Blick behalten und die damit verbundenen Hygiene-Regeln.

Eltern und der Dresdner Elternrat sind sauer und machen sich Sorgen. „Der Schwimmunterricht ist wichtig, längst nicht alle Kinder haben bis zur Corona-Schließzeit sicher schwimmen gelernt und brauchen die Zeit“, so Elternratschef Martin Raschke.

"Stadt muss die Schwimmfähigkeit der Kinder fördern"

Martin Zavesky, Kreisleiter der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes Dresden, betonte, wie wichtig das Schwimmen als Bestandteil des Unterrichtes der Grundschule ist. „Generell möchten wir die Eltern dazu motivieren, sich darum zu bemühen, dass ihre Kinder Schwimmen lernen“, so Zavesky. Über die Schulen hinaus bieten, unter normalen Umständen, die Schwimmhallen, viele Vereine, die Volkshochschule oder Schwimmschulen Kurse für Kinder an. 

Als grundlegende Möglichkeit und Basisangebot zum Schwimmenlernen sei aber der Unterricht in der Schule sehr wichtig. Die Wasserwacht sprach sich für ein frühzeitiges Schwimmenlernen aus. Dies kann bereits im letzten Kita-Jahr beginnen. Ab fünf bis sechs Jahren seien Kinder in der Lage, die Schwimmbewegungen nachhaltig und sicher zu lernen.

Das betont auch SPD-Bildungsexpertin Dana Frohwieser, denn jedes Jahr zur Sommerzeit häufen sich die Meldungen von Ertrinkungsunfällen. „Die jüngsten Badeunglücke verdeutlichen, wie wichtig der Schwimmunterricht im Kindergartenalter ist. Unabhängig von den Elternhäusern muss die Stadt die Schwimmfähigkeit der Kinder in Dresden fördern.“

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