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Dresden

Corona: „Seit Freitag ist mein Laden leer“

Nicht nur im Dresdner Tourismus, auch in der Gastronomie macht sich die Virus-Krise bemerkbar. Die Folgen sind ganz unterschiedlich.

Ina und Vito Giuffrida betreiben das Delizia auf dem Weißen Hirsch. Seit das Coronavirus auch in Dresden ein Thema ist, bleiben die Gäste aus.
Ina und Vito Giuffrida betreiben das Delizia auf dem Weißen Hirsch. Seit das Coronavirus auch in Dresden ein Thema ist, bleiben die Gäste aus. © Marion Doering

Dresden. Leere Tische und viele Stornierungen: Das sich ausbreitende Coronavirus wirkt sich jetzt auch auf die Dresdner Gastronomie aus. Ein Lokal, das besonders hart betroffen ist, ist das Delizia auf dem Weißen Hirsch. Ina und Vito Giuffrida betreiben das Lokal seit vielen Jahren. 

Vito stammt aus Sizilien, im Delizia gibt es hausgemachte italienische Küche. "Seit vergangenen Freitag ist mein Laden plötzlich leer", so Wirtin Ina Giuffrida. Sie vermutet, dass ein Grund - neben der allgemeinen Vorsicht der Menschen - auch die Tatsache ist, dass ihr Mann Italiener ist. Zu groß sei die Angst, sich anzustecken. Die aber unbegründet ist, da ihr Mann seit Monaten nicht in Italien war. Alle Besuche bei der Familie und Verwandschaft aus Italien sind verschoben. Die Wirtin sorgt sich: "Was ist, wenn die Umsätze bei uns weiter einbrechen oder längere Zeit niedrig bleiben?"  

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Das Delizia bietet neben dem Abendgeschäft auch eine Mittagskarte an. Normalerweise sei der Laden dann immer gut besucht. "Diese Woche hatte ich einen Mittag mal einen einzigen Gast", so die Inhaberin. Auch für die kommende Woche würden sich die Absagen häufen. Meist per Mail stornieren die Gäste ihre teilweise schon lange bestellten Tische. Viele aus Angst, unter Menschen zu gehen.

Besonders hart trifft das Delizia nun auch die Absage des Hutballs. "Viele Gäste wollten vorher bei uns essen", so die Wirtin. Auch Wolfgang "Wolle" Förster ist von der Absage betroffen, da er mit Sushi&Wein das Catering macht. "Das ist ärgerlich für die Planung." Im Moment hätte er noch keine Absagen wegen Corona in seinen Sushi-Läden, aber er gehe davon aus, dass das noch kommt.

Folgen im Sterne-Restaurant

Ebenfalls Stornierungen, wenn auch noch in einem moderaten Maß, gibt es im Genuss-Atelier. "Am Wochenende sind wir ausgebucht, aber in der Woche kamen ein paar Absagen", erzählt Inhaberin Nicole Blonkowski. Noch seien sie und ihr Bruder Markus, mit dem sie das Sternelokal betreibt, entspannt. Doch sollten sich die Einschränkungen für das öffentliche Leben verschärfen, seien sie auch angespannt. Vor allem mit Blick auf Ostern. Traditionell ein gutes Geschäftsfeld für alle Gastronomen.

Nicht nur Delizia-Wirtin Ina Giuffrida, sondern auch viele andere Dresdner Gastronomen und Hoteliers fragen sich, ob sie Unterstützung von der Politik bekommen, wenn sich die Stornierungen häufen und die Umsätze weiter ausbleiben. 

Die Genuss-Ateliermacher: Marcus Blonkowski und Schwester Nicole Blonkowski, Ralf Briesning, Fabian Kersting und Jonas Schäffler (v.l.)
Die Genuss-Ateliermacher: Marcus Blonkowski und Schwester Nicole Blonkowski, Ralf Briesning, Fabian Kersting und Jonas Schäffler (v.l.) © Marion Doering

Einer, der sich darum zurzeit darum noch keine Sorgen macht, ist Guiseppe Gagliardi. Der 70-jährige Süditaliener betreibt seit 30 Jahren Restaurants in Dresden, nun haben die beiden Söhne das Il Girasole in Torna und das La Contadina in Löbtau übernommen. Erstaunlicherweise gebe es in beiden Restaurants derzeit bessere Umsätze als sonst, so Gagliardi. Schon im Februar seien mehr Gäste gekommen, bis jetzt sei das unverändert.

Für den Italiener hat das Coronavirus allerdings ganz persönliche Folgen: Er hatte für nächste Woche ein Flug in die Heimat gebucht, aber die Airline Easyjet habe ihm nun abgesagt. Dabei wollte Gagliardi in Süditalien seine Olivenplanatage besuchen. Was nach wie vor klappt, sind Lieferungen, die er von dort bekommt. Was ihn viel mehr beschäftigt, sind die möglichen gesundheitlichen Folgen für seine Familie, hier und in Italien. "Wir haben Angst, jeder will seine Familie schützen." Deshalb sei die Freundin seines Sohnes letzte Woche auch nicht aus Neapel nach Dresden gekommen, um niemanden anzustecken. 

In beiden Gaststätten von Familie Gagliardi hängen seit zwei Wochen Desinfektionsmittel an den Eingängen, die die Kunden kostenlos nutzen können - und das auch tun. "Wir sind auch bereit, die Restaurants zu schließen, so wie das in Italien passiert, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern", so Gagliardi.

Stornierungen bis in den April hinein

Das sich in Deutschland langsam ausbreitende Coronavirus hat indes auch Folgen für den Dresdner Tourismus. "Wir haben in Dresden sehr viele Stornierungen aus China, aber auch von Einzelpersonen", so Thomas Gaier, Chef der Hotel-Allianz und des Schlosses Eckberg. Abgesagt worden seien auch Veranstaltungen und Tagungen. Gaier spricht von einer "sich zuspitzenden Krise für den Tourismus".

Ähnlich sieht es in der Bülow Residenz aus. "Wir haben Stornierungen von US-Reisegruppen und von Veranstaltungen im März und April", sagt Chef Ralf J. Kutzner. Er sieht auch eine starke Zurückhaltung bei Reservierungen von Privatpersonen, auch für den ganzen Frühling und Sommer. Absagen von zwei chinesischen Reisegruppen hatte bereits das Park Plaza Hotel auf der Königsbrücker Straße. Bei Michael Mollau, Chef des Dresdner Dorint Hotels an der Grunaer Straße, sind seit Monatsbeginn rund 400 Übernachtungen storniert worden. 

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