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Dresdner Läden fehlen ausländische Touristen

Das Einkaufs- und Gastrogeschäft in der Dresdner Innenstadt scheint schon wieder ganz gut zu laufen. Doch der Eindruck täuscht, sagt die Citymanagerin.

Die Prager Straße ist die beliebteste Einkaufsstraße in Dresden.
Die Prager Straße ist die beliebteste Einkaufsstraße in Dresden. © Sven Ellger

Dresden. Viele Passanten sind auf der Prager Straße und in den dortigen Läden unterwegs. Darunter innerdeutsche Touristen und Gäste aus Tschechien. Auch die Centrum Galerie ist schon wieder gut gefüllt. Man könnte meinen, die Situation für die Händler entspannt sich langsam. Doch dieser Eindruck ist trügerisch. 

So stellt zwar auch Centermanager Jürgen Wolf fest, dass wieder mehr Kunden in die Centrum Galerie kommen. Doch es fehlten ganz klar die ausländischen Touristen. Deshalb sind die Besucherfrequenzen noch nicht mit denen des vergangenen Jahres vergleichbar, sagt Wolf.

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Die Fakten der Messstelle von Hystreet, die das Passantenaufkommen auf der Prager Straße zwischen Karstadt und The Student Hotel misst, stützt diese Einschätzung. Waren dort am vergangenen Samstag 48.073 Menschen unterwegs, wurden vor einem Jahr, am Samstag, 3. August 2019, 62.227 Passanten gezählt. Also rund 15.000 Innenstadtbesucher mehr als zurzeit.

Das hat natürlich negative Auswirkungen auf die Umsätze der Händler, wie Dresdens Citymanagerin Friederike Wachtel von vielen ihrer Vereinsmitglieder erfahren hat. "Zwar bestätigen alle, dass die Besucherfrequenzen zunehmen, aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen", sagt Wachtel. Denn die russischen, asiatischen oder auch amerikanischen Gäste sind es vor allem, die sich für bestimmte Produkte wie Meißner Porzellan oder Uhren aus Glashütte interessieren. Diese Gäste fehlen nicht nur im Quartier QF.

Um auf die schwierige Situation von Händlern und Gastronomen hinzuweisen, hatte die Stadt erst vor wenigen Tagen die Plakatkampagne "Ohne dich macht Dresden dicht“ gestartet, die rund 260 City-Light-Plakate umfasst. "Nur wenn die Dresdnerinnen und Dresdner wieder mehr lokal einkaufen, lokal genießen und lokal erleben, werden wir auf Dauer das vielfältige Angebot bewahren und die Stadt lebendig halten", sagt Robert Franke, der Amtsleiter der Wirtschaftsförderung. Und er weiß, dass die Lage  nicht einfach ist, weil viele Dresdner etwa durch Kurzarbeit weniger im Portemonnaie haben. Dazu komme die allgemeine wirtschaftliche Verunsicherung. "Wir wollen niemanden zum unnötigen Konsum verführen. Aber wenn wir Geld ausgeben, dann nach Möglichkeit hier in der Stadt – maximal lokal", erklärt der Amtsleiter das Anliegen der Plakatkampagne. 

Einkaufen mit Maske verdirbt vielen Kunden die Lust

Die Citymanagerin ist froh darüber und hofft, dass Dresdner weniger online und mehr in der Innenstadt einkaufen gehen oder ein Restaurant besuchen.  Denn nach wie vor leidet auch die Gastronomiebranche stark, wie Olaf Kranz von der Palastecke im Kulturpalast schildert. "Wir brauchen dringend ein Signal von der Regierung, wie es weitergehen soll", sagt der Geschäftsführer, der auch Mitorganisator der Aktion "Leere Stühle" ist. 

Die Palastecke ist bekannt für ihr frisch zubereitetes, hochwertiges Speisenangebot, für das regionales Obst und Gemüse verwendet wird. Preislich liegt Kranz damit oft über den Angeboten benachbarter Gastronomen, die viele vorgefertigte Produkte verwenden. "Ich beschäftige auch nur Fachpersonal", sagt er, während andere oft auf studentische Aushilfen zurückgreifen würden.

Problematisch ist für die Palastecke außerdem, dass die Konzerte im Kulturpalast nur sehr zögerlich wieder beginnen, mit weniger Besuchern und ohne Pausen. Sein Unternehmen hat vor der Corona-Pandemie fast 60 Prozent des Umsatzes mit der Pausenversorgung im Kulturpalast gemacht. Das ist jetzt fast komplett weggebrochen. Drei Leute musste er bereits entlassen, weitere sind noch in Kurzarbeit. Doch die Palastecke soll im Gespräch bleiben, zuzumachen kommt für ihn nicht infrage.

In wenigen Tagen wollen sich Dresdner Gastronomen und Hoteliers zusammensetzen, eine Bestandsaufnahme ihrer Situation machen und überlegen, wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Denn auch künftig werde es keine große Firmenfeiern  oder Caterings geben, sagt Kranz. 

Die Händler wissen, dass das Einkaufen mit Maske vielen Kunden die Lust verdirbt, gerade bei den jetzigen Temperaturen. Da hilft auch die Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent nur wenig. Der Fokus wird weiter auf den sogenannten Bedarfseinkäufen liegen, bei denen nur Dinge gekauft werden, die man dringend benötigt. Der Einkauf als Erlebnis, für den man sich Zeit nimmt, ist noch nicht zurück, bestätigte kürzlich auch der Centermanager des Elbeparkes, Gordon Knabe.

Der Handelsverband Deutschland rechnet in diesem Jahr mit einem deutschlandweiten Umsatzminus von 40 Milliarden Euro im Nicht-Lebensmittelhandel, vorausgesetzt es komme keine zweite Pandemiewelle. 

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