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Diese bunte Steinschlange muss weichen

Die Stadt Dresden will Rasen mähen und forderte Eltern und Kinder auf, die Corona-Steine aus dem Waldpark zu räumen. Nach viel Kritik daran gibt es nun eine Lösung.

Im Waldpark Blasewitz darf die bunte Steinschlange nicht liegenbleiben.
Im Waldpark Blasewitz darf die bunte Steinschlange nicht liegenbleiben. © Marion Doering

Dresden. Als Kitas und Schulen dichtmachten, tauchten sie plötzlich auf: Bunt bemalte Steine, auf Waldwegen zu Schlangen zusammengelegt. Eltern und Kinder hatten sich das Spiel ausgedacht - gegen die Langeweile in der Corona-Krise. Zu sehen ist solch eine Schlange zum Beispiel im Waldpark Blasewitz. Doch die Stadtverwaltung hat nun ein Problem damit.

Per Aushang werden die kleinen und großen Künstler seit einigen Tagen aufgefordert, die Steinschlange wegzuräumen, sonst würden die Steine entsorgt. Das Schreiben ist echt, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit. "Weil für Anfang Juli Mäharbeiten im Waldpark geplant sind. Aus Sicherheitsgründen können die Steine nicht liegen bleiben, und sie per Hand wegzuräumen und wieder hinzulegen ist für die Arbeiter zu aufwändig."

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"Steine zeigen Wünsche, Ängste, Hoffnungen"

Die Aufforderung erreichte nicht nur die Kinder und Eltern. Zwischenzeitlich schalteten sich auch Politiker in den Schlangen-Streit ein. "Es sollte doch möglich sein, Grünpflegearbeiten und die Zeichen von Zusammenhalt und Hoffnung miteinander zu vereinen", sagte der Fraktionschef der Freien Wähler, Jens Genschmar, am Dienstag. Die Corona-Pandemie mit all ihren Folgen werde Dresden noch lange begleiten, gerade deshalb seien solch kleine Zeichen so wichtig.

Kinder haben die Steine mit ihren Eltern bemalt.
Kinder haben die Steine mit ihren Eltern bemalt. © Marion Doering

Auch die FDP hat am Donnerstag protestiert. Die liebevoll gestalteten Kunstwerke seien für viele Kinder und auch Erwachsene ein wichtiges Zeichen während der Zeit der Pandemie geworden, sagt der Stadtbezirksbeirat Johannes Etzrodt. Sie seien Ausdruck ihrer Wünsche, Ängste oder Hoffnungen, aber auch ein Weckruf an Passanten, die sich um ihre Gesundheit und Einkünfte sorgten. Die Begründung der Stadt könne er nur eingeschränkt nachvollziehen, schließlich könnte mit ein wenig mehr Aufwand neben den kleinen Steinen gemäht werden. Sie zu entsorgen würde unzählige kleine Kunstwerke zerstören. Sowohl die FDP als auch die Freien Wähler appellierten an die Stadt, eine Lösung zu finden. Die Steine könnten doch anderswo wieder zu einer Schlange gelegt werden, wo sie niemanden stören, aber weiterhin sichtbar sind, so Etzrodt.

Künstler wird Steine an sich nehmen

Am Donnerstagnachmittag hat sich nun Jörg Lange zur Zukunft der Steinschlange geäußert. Er leitet das Amt für Stadtgrün und Abfallwirtschaft. Lange verspricht, dass Kunstwerk erhalte ein zweites Leben. Nein, im Waldpark könne es nicht bleiben. Aber der Künstler und Holzbildhauermeister Johann Kral wolle die bemalten Steine für ein Kunstprojekt einsammeln. Es wäre schade um die vielen kleinen Einzelkunstwerke, aus denen die Schlange besteht, so die Verwaltung. "Familien aus der Nachbarschaft haben sie mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Deshalb erlauben wir dem Künstler sehr gerne, nicht abgeholte Steine einzusammeln." Jörg Lange sei gespannt, welche Idee Johann Kral mit den Steinen umsetzen will. 

Der Künstler hält sich zu seinen Plänen noch bedeckt: "Ich bin noch in der kreativen Phase", sagte er am Donnerstag. Die Arbeit solle auf jeden Fall eine Kombination von Steinen und Holz werden. "Und ich würde mich freuen, wenn das Ergebnis einen Platz findet, an dem viele Menschen das Kunstwerk sehen könnten." Geist und Gedanke der Steinschlange sollen in seinem Kunstprojekt weiterleben. 

Wer seinen Stein lieber selbst behalten möchte, habe laut Stadtverwaltung noch bis zum 30. Juni Zeit, ihn im Waldpark abzuholen. 

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