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Dresden: Corona-Test zur eigenen Sicherheit

Seit Sonnabend müssen Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten zum Test. Doch auch ohne diese Pflicht wird das Angebot in Dresden-Klotzsche genutzt.

Die Dresdnerin Jutta Grothe hat sich von Alexander Spirling testen lassen. Pflicht war das für die Bulgarien-Urlauberin am Sonnabend aber nicht.
Die Dresdnerin Jutta Grothe hat sich von Alexander Spirling testen lassen. Pflicht war das für die Bulgarien-Urlauberin am Sonnabend aber nicht. © René Meinig

Dresden. 10.57 Uhr in Dresden-Klotzsche. Draußen auf der Start- und Landebahn setzt der Ferienflieger aus dem bulgarischen Varna auf. Ankunft zu Hause, ein paar Minuten nach der geplanten Zeit. Die Sundair-Maschine ist ausgebucht, berichten später die Reisenden, die vom Goldstrand zurückkommen. Jener Region am Schwarzen Meer bei Varna, die fast ebenso bliebt ist, wie Mallorca, dazu aber noch günstiger sein soll als die spanische Insel. 

Drinnen im Flughafenterminal hat sich Arzt Alexander Spirling vorbereitet. Mit drei Krankenschwestern betreut er an diesem Tag das Corona-Testcenter im Erdgeschoss des Terminals. Dort, wo früher ein Zeitungsladen war, stehen jetzt Tische mit Computern und Druckern. An ihnen werden die Daten der Testkandidaten von zwei Krankenschwestern aufgenommen. Um die Ecke warten Spirling und Krankenschwester Kristina Beer. Dort wird getestet. Das funktioniert binnen weniger Sekunden und im Augenblick ist nicht viel zu tun. Doch Beer und Spirling wissen: Das kann sich schnell ändern, wenn die Bulgarien-Rückkehrer beim Zoll durch sind. 1.600 Tests pro Tag seien möglich, sagt Kristina Beer. So viele wurden bisher aber noch an keinem Testtag in Klotzsche genommen.

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So sehen die Teststäbchen aus, mit denen der Abstrich genommen wird, zeigt Kristina Beer. Sie werden in einem Plastikröhrchen sicher verwahrt.
So sehen die Teststäbchen aus, mit denen der Abstrich genommen wird, zeigt Kristina Beer. Sie werden in einem Plastikröhrchen sicher verwahrt. © René Meinig

Es sind die letzten Stunden, bevor das Robert-Koch-Institut die bulgarische Region, aus der der Flieger kommt, zum Risikogebiet erklären wird. 50 neue Corona-Infektionen gab es binnen einer Woche in der Stadt und den fünf Dörfern, die zu Varna gehören. Die Urlaubsrückkehrer müssen sich am Sonnabend also noch nicht zwingend auf Corona testen lassen, obwohl an diesem Tag erstmals die bundesweite Testpflicht greift. Doch sie trifft nur Touristen und Geschäftsreisende, die aus einem ausgewiesenen Risikogebiet kommen. Das gilt an diesem Tag kurz vor 11 Uhr für keine bulgarische Region.

Trotzdem kommt Jutta Grothe mit ihren zwei Kindern Elias und Levia in den kleinen Glaskasten auf der Ankunftsebene. Sie waren in Burgas im Urlaub, nur ein paar Minuten nach dem Varna-Flieger ist ihre Maschine in Dresden angekommen. Sie haben sich in ihrem Urlaub immer sicher gefühlt, keine Ansteckungsgefahr, meint Jutta Grothe. "Das Hotel war sehr gut." Nur, dass es ganz normal ein Frühstücksbuffett gab, bei dem man sich Brot, Wurst, Käse alle anderen Zutaten nur dann nehmen durfte, wenn man sich vorher Einweghandschuhe angezogen hat, fand Familie Grothe gewöhnungsbedürftig. "Und ein Mal hat mir ein Mann die Hand gegeben" erinnert sich Elias. Der Verkäufer in einem Geschäft habe sich wohl so sehr über die Kundschaft gefreut, dass er einen Augenblick lang die Corona-Regel vergessen hatte. "Wir waren gut isoliert, ich denke, wir sind nicht infiziert", ist Jutta Grothe überzeugt. Trotzdem haben sich alle drei testen lassen. "Das ist uns wichtig allen anderen gegenüber, denen wir jetzt in Dresden wieder begegnen", sagt die 41-Jährige, zum Beispiel soll ihre Tochter Levia jetzt in den Ferienhort gehen.

Das Testergebnis bekommen sie in spätestens 72 Stunden, sagt Kristina Beer. Meistens geht es aber schneller. Alle Probanden werden angerufen, außerdem können sie mittels der Corona-App einen Code auf ihrem Test-Zettel scannen und dann nachlesen, was der Test ergeben hat. 

Nach der Ankunft von zwei Maschinen aus Bulgarien hat sich vor dem Testcenter eine kleine Schlange gebildet. Die Wartezeit beträgt nie mehr als etwa 15 Minuten, meinen die Mitarbeiter im Testcenter.
Nach der Ankunft von zwei Maschinen aus Bulgarien hat sich vor dem Testcenter eine kleine Schlange gebildet. Die Wartezeit beträgt nie mehr als etwa 15 Minuten, meinen die Mitarbeiter im Testcenter. © René Meinig

Inzwischen hat sich vor dem Test-Center eine kleine Schlange gebildet. Die Fluggäste aus Varna und Burgas rücken mit ihren Koffern an, zunächst müssen sie einen "Auftrag für eine SARS-CoV-2 Testung" ausfüllen. "Nur die Telefonnummer eintragen und die Krankenkassenkarte bereithalten", ruft ihnen eine Schwester von einem der zwei Schreibtische zu. Die Nummer ist für den Rückruf wichtig, von der Krankenkassenkarte werden die nötigen persönlichen Daten der Reiserückkehrer übernommen.

Längst nicht alle Bulgarien-Urlauber reihen sich in die Schlange ein. Denn keine Region in diesem Land ist zu dieser Zeit ein Risikogebiet, sie müssen sich deshalb nicht testen lassen. Mit kritischen Blicken ziehen einige ihre Koffer an dem kleinen Glaskasten vorbei, in dem Alexander Spirling die Abstriche nimmt. "Mund auf." Flink fährt er mit dem Teststäbchen durch die Mundhöhle, dann führt er es noch in die Nase ein. Das ist nicht angenehm, aber es dauert nur Sekunden. "Danke." Spirling schiebt das Teststäbchen in eine Plastikröhre und verschließt sie. Darauf klebt ein Code, den die Reiserückkehrer auch auf ihrem Testauftrag kleben haben. Damit ist die Wiedererkennung kein Problem.

Vor dem Test kommt der Papierkram. Solch einen Antrag muss jede Testperson ausfüllen.
Vor dem Test kommt der Papierkram. Solch einen Antrag muss jede Testperson ausfüllen. © René Meinig

Auch Reisende, die mit dem Auto oder dem Zug unterwegs waren, können sich im Flughafen testen lassen. Sie sollen bestenfalls dann kommen, wenn gerade kein Flieger gelandet ist. So vermeiden sie Wartezeiten. Der Blick auf den Flugplan verrät: Solche freien Zeiten sind leicht zu finden. 

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Carola S. hat diese Chance genutzt. Ihre Familie ist gerade aus dem Italienurlaub zurück, zwischen Triest und Venedig haben sich die Königsbrücker erholt. "Der Test ist für uns und unser Umfeld wichtig, das beruhigt", sagt die Mutter von zwei Jungen. Natürlich weiß auch sie, dass das Testergebnis nur eine Momentaufnahme ist. Deshalb hat der Dresdner Ralph Bernhardt nach seiner Rückkehr aus Kreta drei Tage lang gewartet, bevor er ins Corona-Testcenter im Flughafen gegangen ist. "Im Urlaub lief es gut, kritisch fand ich vor allem die Flüge hin und zurück", sagt Bernhardt. Er fühlt sich gut, keine Anzeichen für Corona. Doch die Möglichkeit, sich kostenlos testen zu lassen, wollte er unbedingt nutzen. So, wie es eine Stimme aus den Lautsprechern im Flughafen alle paar Minuten in deutscher oder englischer Sprache empfiehlt. Und so, wie es seit Sonnabendnachmittag zumindest für die Heimkehrer vom Goldstrand Pflicht ist.

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