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Corona: "Kinder sind keine Verbreiter"

Im SZ-Interview spricht Prof. Michael Albrecht, medizinischer Vorstand der Dresdner Uniklinik, über steigende Corona-Zahlen, Hotspots und Tests am Flughafen.

Im SZ-Interview spricht Professor Michael Albrecht, medizinischer Vorstand der Uniklinik, darüber, warum Masken und Abstand bleiben müssen.
Im SZ-Interview spricht Professor Michael Albrecht, medizinischer Vorstand der Uniklinik, darüber, warum Masken und Abstand bleiben müssen. © Christian Juppe

Herr Professor Albrecht, es gibt Corona-Fälle am Wolfgangsee in Österreich, der Türkei oder in Spanien. Wie groß ist die Gefahr einer zweiten Welle für Dresden durch Urlaubsrückkehrer?

Ich bin da der gleichen Meinung wie unser Ministerpräsident Michael Kretschmer, es gibt Anzeichen dafür, dass die Zahlen in Dresden und in Sachsen wieder steigen. Und es gibt wieder vermehrt Infizierte.

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Gibt es Länder, die Sie aktuell als besonders kritisch einschätzen?

Wir müssen dringend Hotspots wie in Österreich am Wolfgangsee vermeiden. Einzelne Länder zu benennen ist aber schwer, da sich die Zahlen und Fälle aktuell wieder täglich ändern.

Mussten Sie in Dresden schon infizierte Urlaubsrückkehrer behandeln?

Ja, wir hatten bei uns in der Corona-Ambulanz einen infizierten Urlaubsheimkehrer aus Mallorca.

Voraussichtlich ab 1. August wird Sachsen an den beiden Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden freiwillige und kostenlose Testungen auf das Coronavirus ermöglichen. Wie bewerten Sie die diskutierten Teststationen an Flughäfen? Sollte es eine in Dresden geben?

Ich finde die Testungen gut und richtig. Im März war Ischgl mit seinen Skiurlaub-Heimkehrern ein Hotspot, daraus sollten wir lernen und diesmal zeitig und, wenn es sein muss, sehr restriktiv handeln.

Was meinen Sie konkret?

Ich befürworte zeitige Tests bei der Wiederkehr. Meine Mitarbeiter sollen sich zum Beispiel gleich nach dem Urlaub testen lassen, bevor sie wieder arbeiten.

Also sollten sich alle Urlauber aus Risikogebieten testen lassen?

Wie gesagt, ich befürworte schnelle Tests. Bei den Stationen am Flughafen sollte man aber beachten, dass ein Test dort eine Infektion nicht zu 100 Prozent ausschließt. Wenn sich jemand beispielsweise im Flieger infiziert hat, ist der Test negativ und muss wiederholt werden. Manchmal haben wir auch Zufallsbefunde.

Wie meinen Sie das?

Wir hatten zuletzt sowohl bei einem Patienten, der ambulant im Uniklinikum war, als auch bei einem Patienten in der HNO-Ambulanz Zufallsbefunde einer Infektion mit Covid-19.

Viele Dresdner tragen aktuell keine Maske oder halten sich nicht an die Abstände. Sind die Menschen zu sorglos?

Ich kann nur jeden, der denkt, das Virus sei harmlos, mahnen. Wir haben hier Menschen an Beatmungsgeräten gesehen und das hat uns sehr vorsichtig werden lassen. Das Tragen von Masken, das Einhalten von Abständen und andere Hygiene-Maßnahmen sind weiterhin sehr wichtig und sollten auch im Urlaub nicht vergessen werden.

Müssen Sie aktuell auch Covid-19-Patienten stationär behandeln?

Wir am Uniklinikum aktuell nicht. Aber in Kreischa liegen zurzeit etwa 20 Intensivpatienten, die beatmet werden müssen. Einige davon schon seit mehreren Wochen oder Monaten.

Wie gut ist das Uniklinikum auf eine zweite Welle vorbereitet?

Wir sind gut vorbereitet und haben nichts heruntergefahren, sondern sind schnell wieder einsatzbereit. Unsere Ambulanz ist nach wie vor 24 Stunden am Tag besetzt und auch die Leitstelle ist voll funktionsfähig.

Im September sollen die Dresdner Schulen wieder im Regelbetrieb starten. Ist das zu früh?

Unsere Studie mit 1.500 Kindern und 500 Lehrern hat klar ergeben: Kinder sind keine Verbreiter. Bei der Studie haben wir nur zwölf Kinder mit Antikörpern gefunden. Und das obwohl bei mehr als den zwölf Kindern zum Beispiel Eltern oder Großeltern infiziert waren. Wenn also alle Hygienemaßnahmen eingehalten werden, spricht nichts gegen einen Regelbetrieb.

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