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Corona-Fall in Schule: "Dringend mehr Testkapazitäten"

Am Dresdner St.-Benno-Gymnasium wurde ein Schüler positiv getestet. Was das für diese und andere Schulen bedeutet.

Das neue Schuljahr hat eben erst begonnen, schon gibt es den ersten Corona-Fall bei einem Schüler.
Das neue Schuljahr hat eben erst begonnen, schon gibt es den ersten Corona-Fall bei einem Schüler. © Symbolbild: dpa/Robert Michael

Dresden. Das neue Schuljahr hat vor gerade einmal vier Tage begonnen - am Mittwoch kam dann die Nachricht, die viele Dresdner Familien befürchtet haben: Es gibt den ersten Corona-Fall an einer Dresdner Schule.  

Ein Schüler vom St.-Benno-Gymnasium in der Pirnaischen Vorstadt ist mit dem Virus infiziert. Er hat sich auf dem Rückweg aus dem Urlaub testen lassen. Das bestätigt Michael Baudisch, Sprecher des Bistums Dresden Meissen, Träger des Gymnasiums. Baudisch bestätigt auch, dass der Schüler die 11. Klasse besucht und der ganze Jahrgang für 14 Tage in Quarantäne geschickt wurde. Die Schüler sollen Online-Unterricht bekommen. 

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Derzeit ermittelt das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt die Kontaktpersonen. Nach aktuellem Stand sind rund 100 Personen betroffen, die einen Quarantänebescheid bekommen haben.

Gibt es noch weitere Fälle in Schulen?

Aktuell gibt es laut Stadt keine weiteren Corona-Fälle in Dresden, die im Zusammenhang mit Schulen stehen. Die Ansteckung im vorliegenden Fall erfolgte außerhalb der Schule, so die Stadt. 

Bereits im März hatte sich ein Schüler vom Benno-Gymnasium mit dem Virus infiziert. Damals reagierten Stadt und Schule allerdings anders auf die Nachricht, die am 15. März einging. Das Gesundheitsamt stellte  den Kontakt zur Schulleitung her und ordnete die Schulschließung bis einschließlich 27. März an. Diese Entscheidung erging unabhängig von den generellen Schulschließung, die am 16. März folgte und bis Mitte Mai galt.

Im Mai hatte es dann einen Corona-Fall in einer Kita gegeben. Es handelte sich um ein Kind, das Husten und Schnupfen hatte und dessen Eltern es daraufhin testen ließen. Der Verdacht bestätigte sich. Alle Kontaktpersonen wurden damals vom Gesundheitsamt ermittelt, sie mussten in Quarantäne.

Wie reagieren andere Schulen auf den aktuellen Fall?

Für viele Eltern stellt sich nun die Frage: Was bedeutet das für die Schule meines Kindes? Insbesondere in Grundschulen tragen die Kinder nirgendwo im Schulhaus Nasen-Mund-Bedeckungen, die strikte Trennung der Klassen ist weitgehend aufgehoben. Dennoch kein Grund zur Sorge, sagt etwa Karsten Reisinger, der die 122. Grundschule in Prohlis mit rund 300 Kindern leitet. Er hält an seinen Regelungen für das neue Schuljahr fest: keine Maskenpflicht für die Erst- bis Viertklässler, aber ein gestaffelter Unterrichtsbeginn und gestaffelte Pausenzeiten auf dem Hof. 

"Das hätten wir aber unabhängig von Corona gemacht, denn so ist es auf dem Schulhof deutlich entspannter", so Reisinger. Weniger Schüler gleichzeitig auf dem Hof also - ausgetestet unter den strengen Corona-Auflagen vor den Sommerferien und für den normalen Alltag für gut befunden. Zudem habe das nun auch den Effekt, dass sich die Gruppen nicht all zu sehr vermischen und eine Kontaktverfolgung möglich ist. Aus diesem Grund hat sich Karsten Reisinger auch dafür entschieden, dass der Unterricht in den ersten vier Wochen ausschließlich der Klassenlehrer übernimmt. "Wir müssen das jetzt einfach mal austesten." Schließlich komme die Erkältungszeit ja erst noch. Zu seinem jetzigen System sieht er keine Alternative, will die Regeln trotz des aktuellen Corona-Falls nicht wieder verschärfen. 

Sollte es in seiner Schule ein infiziertes Kind geben, verweist Reisinger auf den Vier-Stufen-Plan des Kultusministeriums. Sollten Infektionszahlen steigen und eine Schule betroffen sein, sieht der Plan vor, dass zunächst gestaffelt vorgegangen wird.

Was sagen die Bildungspolitiker?

Dana Frohwieser ist bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und vertraut auf die aktuelle Vorgehensweise. "Wichtig ist, dass hier jetzt die Maßnahmepläne von Schulen und die Reaktionen des Gesundheitsamtes ihre Wirksamkeit beweisen, damit es nicht zu breiten Infektionsketten kommt." Dies werde die Nagelprobe für eine gesellschaftlich existentielle Frage. "Wie können wir Schulen in Zeiten einer Pandemie unter größtmöglichem Infektionsschutz offen halten?" Für von der Quarantäne betroffenen Schüler müssten funktionierende Online-Lernangebote garantiert werden, so Frohwieser. "Darauf muss auch die Landeshauptstadt die von ihr getragenen Schulen technisch vorbereiten."

Die in Quarantäne geschickten Schüler des St.-Benno-Gymnasiums müssen in den kommenden zwei Wochen den Unterrichtsstoff zu Hause erarbeiten.

Linken-Bildungspolitikerin Anne Holowenko betont deshalb: "Jeder Ausschluss vom Präsenzunterricht bedeutet einen Bildungsnachteil für die betroffenen Kinder und Jugendlichen." Es müsse deshalb "dringend einen Ausbau der Testkapazitäten" speziell für Schüler geben. Nur so kann schnell Gewissheit hergestellt werden, wer wirklich infiziert ist und wer nicht. "Was jetzt schon an Grenzübergängen und Flughäfen möglich ist, sollte an Bildungseinrichtungen zur Regel werden", findet Holowenko.

Das es einen Corona-Fall an einer Schule geben wird, war nur eine Frage der Zeit, so Grünen-Politikerin Agnes Scharnetzky. Sie hofft, dass der Junge und alle die mit ihm Kontakt hatten, symptomfrei bleiben. Schülern  der 11. Klasse sei zuzutrauen, dass sie zwei Wochen nutzen, sich Unterrichtsinhalte selbstständig zu erarbeiten, wenn es den Lehrern neben dem regulären Unterricht gelingt, entsprechende Angebote und Aufgaben zu formulieren.
Wichtig sei, dass gerade mit der beginnenden Erkältungszeit alle die notwendige Sensibilität wahren und nicht Kinder mit diffusen Symptomen in die Kita oder die Schule geschickt werden. 

Werden jetzt alle Lehrer und Schüler gestestet?

"Tests für alle Kinder und Lehrer sind vorerst nicht geplant", sagt Michael Baudisch zum Fall am Benno-Gymnasium. Für drei Lehrkräfte wurde allerdings ebenfalls prophylaktisch Quarantäne angeordnet.

Bei den Eltern an der Schule gab es Kritik daran, dass der ganze Jahrgang in Quarantäne ist und nicht nur die Kontaktpersonen. Frank Haubitz, Schulleiter am Gymnasium Klotzsche kann die Entscheidung indes verstehen: "Die Kurse zu trennen ist schwieriger als bei Klassen in der Grundschule." Er selbst achtet in Klotzsche so gut wie möglich darauf, dass sich die Schüler nicht zu sehr vermischen, etwa mit getrennten Pausenhöfen. Aber er hat auch einen Plan B. "Wir haben alle Lehrer und Eltern mit einem Internetzugang und Zugang zu Lernsax fit gemacht."

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte schon vor den Ferien gesagt, dass sich die Schulen auf zeitlich und regional begrenzte Schließungen einstellen müssten, sollten die Infektionszahlen steigen. Vorübergehende Lernzeiten zu Hause sollen deswegen vor dem Schulstart vorbereitet werden. "Schulschließungen werden nur die Ultima Ratio sein", hatte Piwarz betont. "Das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe und die Chancengerechtigkeit dürfen nicht leichtfertig unter die Räder geraten." Damit das klappt, müsse im Alltag weiterhin Disziplin im Umgang mit Hygieneregeln herrschen.

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