merken
PLUS Dresden

Wie ein Modell die Dampfer retten soll

Den Dampfer Dresden kann sich nun jeder in Miniatur in die Vitrine stellen - und so vielleicht dem großen Vorbild helfen. Ein Dresdner Architekt hatte die Idee dazu.

Diesen Dampfer kann sich jeder Bastler in die Vitrine stellen.
Diesen Dampfer kann sich jeder Bastler in die Vitrine stellen. © PR

Dresden. Dieser Dampfer geht unter. Rainer Sliwinski wusste das von Anfang an. Er hat trotzdem nicht gezögert, ihn auf Kiel zu legen. Gemeinsam mit Martin Lautz aus dem hessischen Wetzlar hat er das Schiff entwickelt. Dessen Vorbild ist klar zu erkennen. Es ist der Dampfer Dresden, das Flaggschiff der Ausflugsflotte, für die zurzeit ein Geldgeber gesucht wird. Mehr als 70 Mal so lang wie der kleine Nachbau ist das Original und es passen auch nicht alle Details. Doch das war auch gar nicht so wichtig bei der Entwicklung des Modells. Viel wichtiger ist Rainer Sliwinski etwas ganz anderes.

Einerseits sollte am Modell klar zu erkennen sein, welches Schiff das Vorbild ist. Das ist den zwei Dampfer-Konstrukteuren aus Dresden und Wetzlar gelungen. Andererseits soll das kleine Schiff helfen, die großen Vorbilder zu retten. Wer den Minidampfer aus Lego nachbauen will, kann dafür ab sofort einen Bauplan und eine Liste mit den nötigen Bauteilen bestellen und dann in der eigenen Modellbau-Werft loslegen. "Man soll damit spielen können", erklärt Sliwinski. Weshalb es gar nicht so wichtig war, dass das verkleinerte Schiff schwimmen kann. Dank Noppensteinen am Rumpf rutscht es perfekt über jeden Teppich und ein kleiner Motor kann sogar den Nachbau der Dampfmaschine in Bewegung setzen.

Anzeige
13 Jahre Sportkompetenz im ELBEPARK
13 Jahre Sportkompetenz im ELBEPARK

INTERSPORT Hübner ist mit seiner größten Filiale Sachsens auch im ELBEPARK Dresden für alle Sportler da.

Rainer Sliwinski ist Architekt. Schon deshalb ist ihm Modellbau nicht fremd, schließlich bauen Architekten die von ihnen entworfenen Gebäude häufig zunächst im Kleinformat, damit die Auftraggeber eine Vorstellung davon bekommen. "Ich habe auch als Kind schon mit Lego gespielt", sagt der heute 59-Jährige, schon damals hat er besonders gern Schiffe gebaut. 

Sein Sohn Leonard tut es ihm heute nach und ist kaum zu bremsen, wenn es um Fahrzeugbausätze geht. "Letztes Jahr waren wir in Schweden und Dänemark im Urlaub, danach haben wir eine Fähre gebaut", erzählt Rainer Sliwinski. Ohne Bauplan, aus ganz normalen Steinen. In diesem Jahr führte der Urlaub in die Schweiz, auf dem Thuner See und dem Vierwaldstättersee haben die Besucher aus Dresden dabei die Dampfer ausprobiert. "Die sind ein bisschen kleiner und breiter als unsere", sagt der 59-Jährige.

Rainer Sliwinski hatte die Modell-Idee und sich mit Martin Lautz für den Dampfer Dresden als Vorbild entschieden.
Rainer Sliwinski hatte die Modell-Idee und sich mit Martin Lautz für den Dampfer Dresden als Vorbild entschieden. © Sven Ellger

Gerade rechtzeitig vor dem Urlaub ging das Modelldampfer-Projekt auf der Internetseite von Martin Lautz online. Die Bauanleitung gibt's dort für knapp 15 Euro, von denen wiederum mehr als zwei Drittel für eine Spendenaktion weitergereicht werden sollen, die der Rettung der Flotte dient. Der Dresdner Michael Hillmann hat sie gestartet. Sie läuft seit dem 21. Juli und es geht darum, 100.000 Euro für den Erhalt der Schiffe auf der Elbe zu sammeln. Knapp 21.000 Euro sind bis zum Freitag eingegangen.

Lautz ist mit der Nachfrage nach dem Dampferbauplan nicht zufrieden. Mindestens 500 Euro sollen dadurch für die echten Dampfer zusammenkommen. Doch bisher haben nicht mehr als zwei Hände voll Kunden seine Zeichnungen und Bauteile-Listen geordert. 

So sieht die Steuerbordseite des Modells aus.
So sieht die Steuerbordseite des Modells aus. © PR/Martin Lautz
Die nachempfundene Dampfmaschine ist beweglich.
Die nachempfundene Dampfmaschine ist beweglich. © PR/Martin Lautz
Ein Größenvergleich zwischen mehreren Modellen.
Ein Größenvergleich zwischen mehreren Modellen. © PR/Martin Lautz

Rainer Sliwinski plant trotzdem längst den nächsten Modellbauschritt. Nachdem es den Dampfer jetzt in zwei Größen gibt, wünscht er sich ein Minimodell, nicht viel mehr als 15 Zentimeter lang, um es auch für Touristen als Mitbringsel interessant zu machen. Bauplan und Bausteine sollten nicht mehr als etwa 30 Euro kosten, meint der Dresdner Architekt. 

Und gern würde er noch ein richtig großes Dampfermodell auf den Weg bringen. Vorbild könnte die Lego-Frauenkirche sein, die lange im Karstadt stand. Mehr als 1,50 Meter lang könnte der Riesen-Modelldampfer werden, meint Sliwinski. Und er wäre vielleicht auch etwas für den Laden der Flotte am Georg-Treu-Platz, in dem bereits mehrere handgefertigte Modelldampfer bewundert werden können.

Er selbst hat bisher noch keinen Legodampfer gebaut. Das will er bald nachholen und sein siebenjähriger Sohn wird nicht locker lassen, bis das kleine Schiff über den heimischen Teppich rutscht. Er hat schon Eisenbahnwaggons und -loks nach Bauplänen zusammengesetzt, doch der Dampfer hat es auch ihm besonders angetan. 

Weiterführende Artikel

Letzte Verhandlungen für Dresdens Dampfer

Letzte Verhandlungen für Dresdens Dampfer

Knapp zwei Wochen bleiben für die Rettung der Flotte. Unterdessen endet in zwei Tagen eine Aktion für die Schiffe, ohne dass sie zum Erfolg führte.

Dampfer: Als Heizer auf der "Diesbar"

Dampfer: Als Heizer auf der "Diesbar"

Der Dresdner Bert Scharnhorst macht der Dampfschiffahrt in schwerer Zeit ein besonderes Geschenk - und bekommt einen hitzigen Job.

Kämpfen die Dampfer-Freunde umsonst?

Kämpfen die Dampfer-Freunde umsonst?

Der Verein "Freunde der Sächsischen Dampfschiffahrt" will die Dresdner Schiffe übernehmen und sammelt dafür Geld. Doch ihm fehlen wichtige Informationen.

Die letzte Hürde für die Dampfer-Bewerber

Die letzte Hürde für die Dampfer-Bewerber

Drei potenzielle Geldgeber kommen für die Rettung der Dresdner Flotte infrage. Seit heute sind ihre Angebote einem größeren Kreis bekannt. Nun läuft die Zeit.

Fast täglich kann er die Vorbilder sehen, schließlich wohnt die Familie am Elbhang in Pappritz. Auch das Geräusch der Dampfpfeifen kennt er gut. "Da legt gerade der Große ab", hat Leonard gehört, während sein Vater in einem Cafe nahe der Frauenkirche das Bastlermodell erklärte. Den langgezogenen Hupton konnte der Siebenjährige sofort zuordnen.

Hier finden Sie den Dampferbauplan im Internet.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden