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Letzte Chance im Rennen um die Dampfer

Am Montag war der letzte Termin, an dem Interessenten ein Angebot für die Dresdner Flotte abgeben konnten. Wie es nun weitergehen könnte.

Wer die Dresdner Schiffe übernehmen will, sollte bis Montag sein Angebot abgegeben haben.
Wer die Dresdner Schiffe übernehmen will, sollte bis Montag sein Angebot abgegeben haben. © Archiv/Christian Juppe

Dresden. Die Zeit ist um, der Termin ist durch. Am 3. August, also am Montag, ging die Frist zu Ende, in der potenzielle Investoren ihre Unterlagen einreichen mussten, in denen sie ihr Interesse an der Übernahme der Sächsischen Dampfschiffahrt (SDS) erklären, ihre Pläne für die Flotte erläutern und die Summe nennen, die sie bereit sind, auf den Tisch zu legen. Das muss mindestens eine mittlere einstellige Millionensumme sein, heißt es unter anderem vom Verein "Weiße Flotte Dresden - Freunde der Sächsischen Dampfschiffahrt", der nach eigenen Angaben auch ein Angebot abgegeben hat.

Die Geschäftsführung, zu der auch Sanierungsgeschäftsführer Burkhard Jung aus Berlin gehört, bestätigt auf SZ-Anfrage das Fristende. "In begründeten Fällen macht das Unternehmen auch eine Ausnahme und lässt zu, dass danach ein Angebot abgegeben werden kann", deutet ein Sprecher an, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. 

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Auch im nächsten Jahr bleiben die Dresdner Verkehrsbetriebe ihrem guten Ruf als verlässliche Ausbildungsstätte und sicherer Arbeitgeber treu.

Das heißt, wer es nicht geschafft hat, seine Unterlagen rechtzeitig an die Verantwortlichen zu schicken, hat weiter eine Chance, in das Bieterrennen einzusteigen. Es werde aber "von Tag zu Tag ... immer komplizierter, da der Prozess parallel weitergeht".

Dieser Prozess soll in reichlich vier Wochen enden. "Ziel ist, zum 1. September 2020 eine Lösung zu haben", heißt es von der Dampfschifffahrt. Jung bleibt damit bei dem Zeitplan, den er bereits vor zwei Monaten genannt hat, als die Flotte die Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hat. Das heißt, es bleiben noch knapp 30 Tage bis feststehen muss, welcher der Bieter den Zuschlag bekommt und damit künftig das Sagen hat über die Zukunft der Dampfer, der Salonschiffe und des Personals. Jung erklärte bisher stets, ihm sei der Erhalt der gesamten Flotte auf der Elbe in Dresden wichtig.

Wie viele Bewerber bis zum Montag Angebote abgegeben haben, bleibt geheim. Unbestätigten Angaben zufolge soll sich etwa ein halbes Dutzend Investoren beworben haben. Dazu gehören SZ-Informationen zufolge auch die River Advice AG aus der Schweiz und die Firma Richert & Co. Immobilien, die ihr Interesse an der SDS bereits öffentlich bestätigt hat. Die Angebote müssen nun analysiert werden. Das ist Aufgabe der Hamburger Unternehmensberatung Enomyc, die auf ihrer Webseite als einen Arbeitsschwerpunkt die Bewertung solcher Angebote nennt. Mit am Tisch sitzen dabei Burkhard Jung, der Gläubigerausschuss der SDS-Gruppe und der Dresdner Rechtsanwalt Frank-Rüdiger Scheffler, den das Amtsgericht als Sachwalter für das Verfahren eingesetzt hat.

Dass auch der Freistaat im Rennen ist, der bereits die Mehrheit an der SDS-GmbH hat, wünschen sich nicht nur viele der rund 500 Kommanditisten, die Anfang der 90er-Jahre Geld angelegt haben, damit die Sächsische Dampfschiffahrts GmbH & Co. Conti Elbschiffahrts KG unter anderem die historischen Schiffe übernehmen kann. Eine Bestätigung gibt es dafür aber nicht. 

Diese Variante hält auch der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) für einen denkbaren Weg und bietet dafür die Unterstützung der Stadt an. Vom Freistaat gibt es dazu keine konkreten Antworten. "Die Sächsische Dampfschiffahrt und ihre historischen Raddampfer gehören zu Sachsen und Dresden und stellen ein einzigartiges kulturelles Erbe dar", sagt Referentin Sabine Penkawa aus dem Finanzministerium. Damit wiederholt sie das, was bereits zuvor aus den Dresdner Ministerien zur Situation des Unternehmens zu hören war. "Oberstes Ziel ist der Erhalt der Flotte und ihr Betrieb auf der Elbe." Der Freistaat biete dafür im laufenden Verfahren seine Unterstützung und Begleitung im Rahmen des gesetzlich Möglichen an. Was das konkret heißt, sagt sie nicht. Sie erklärt lediglich, das Finanzministerium stehe "im laufenden Kontakt mit der Sanierungsgeschäftsführung". 

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Am Montag hat ein Unternehmen aus der Stadt ein Angebot eingereicht. Eine neue Bietergemeinschaft könnte ebenfalls Interesse anmelden.

Am Umgang des Freistaats mit den Problemen der Flotte gab es in den vergangenen Wochen vermehrt Kritik der Kommanditisten. Mehrere Briefe gingen bei der Staatsregierung ein, in denen unter anderem beklagt wird, der Freistaat engagiere sich zu wenig für die SDS und lasse die Anteilseigner im Stich. Dazu kommt die Klage, dass die Kommanditisten keine Antworten von der Staatsregierung bekommen. "Für die an uns gerichteten Schreiben gibt es keine konkrete Bearbeitungsfrist", begründet Referentin Sabine Penkawa dieses Schweigen. "Wir werden sie in angemessener Zeit und mit der gebotenen Sorgsamkeit beantworten."

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