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Dresden darf nicht abgehängt werden

Der Travel Industry Club diskutiert über die Anbindung der Stadt. Die Busverbindung klappt gut, bei Bahn und Flughafen gibt es viel zu tun.

Von Bettina Klemm

In Dresden hat sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Touristen verdoppelt. Die Zahl der Fluggäste in Dresden Klotzsche ist nahezu gleich geblieben. Zum Thema Verkehrsinfrastruktur hatte am Dienstagabend der Travel Industry Club zu einer Diskussion ins Hotel Kempinski eingeladen. Das Thema war: Ist die Randlage Dresdens Fluch oder Segen?

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In ihrem Impulsreferat stellte Bettina Bunge, Chefin der Marketing Dresden GmbH, die touristische Entwicklung dar. Ihr Fazit: „Dresden ist ein attraktiver Standort. Aber wir müssen deutlich mehr für eine bessere Verkehrsanbindung tun, um von den Wettbewerbern nicht überholt zu werden. Wir müssen alle jetzt handeln“, forderte sie.

66,5 Prozent der Dresden-Besucher reisen mit dem Auto an. 18,4 Prozent mit der Bahn und 3,6 Prozent mit dem Flugzeug. Zunehmend sind die Fernreisebusse. Dort steuern derzeit sechs Anbieter Dresden an. Durch die Liberalisierung des Fernbusverkehrs gab es im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 19,2 Prozent. Jeder zehnte Tourist erreicht zudem Dresden per Reisebus. Die Stadt ist über drei Autobahnen erreichbar. Allerdings fehlt noch ein Teilstück auf der tschechischen Seite in Richtung Prag.

Deutlich schlechter sieht die Situation bei der Bahn aus. 100 Minuten dauerte es 1936, um mit dem Zug von Dresden nach Berlin zu reisen. 131 Minuten sind es heute. Seit dem Winterfahrplan dauert die Fahrt nach Frankfurt 5,5 Stunden, eine Stunde mehr als zuvor. Es gibt keine direkte Bahnverbindung an die Flughäfen in Berlin und Prag. Wenig erfreulich stellt sich auch die Situation am Dresdner Flughafen dar. Er nimmt mit 1,76 Millionen Fluggästen den 16. Platz von 22 deutschen Flughäfen ein. Nur vier touristische Märkte sind im Direktflug erreichbar. Auch im Inland sieht es nicht rosig aus, so gibt es beispielsweise keine Flugverbindung mehr nach Hamburg. Einziger Lichtblick ist der russische Markt. Kamen 2009 noch knapp 7 000 Gäste, so waren es im vergangenen Jahr schon 24 900.

Markus Kopp, Vorstandsvorsitzender Mitteldeutsche Flughafen AG, versicherte jedoch, dass der Dresdner Flughafen auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen solle. Wie auch Artur Stempel, Konzernbevollmächtigter Deutsche Bahn AG für die Region Südost, erklärte er, dass sein Unternehmen an Veränderungen arbeitet. Vielen Zuhörern schien das deutlich zu wenig.

Der Travel Industry Club wurde 2005 gegründet. Er vereint 650 Mitglieder, darunter führende Köpfe der Reisebranche. Der Club versteht sich als unabhängiger und einziger Wirtschaftsclub, in dem Macher und Beweger organisiert sind.